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Omaha aus Spielersicht

Erste Schritte im Omaha, oder: „Toto, wie komme ich wieder zurück nach Kansas?!“
   ein ständig erweiterter Text von Gambit

Einleitung

...so oder so ähnlich waren wohl meine ersten Gedanken, als ich Omaha als einen Begriff neben dem von mir gesuchten Texas Hold’em-Button bei einem x-beliebigen Pokeranbieter entdeckte. „Liegt Omaha nicht direkt zwischen Kansas und Texas?“ Mutig und neugierig wie manch anderer vielleicht auch ist, habe ich mich nach einer Weile auch an so einen Tisch gesetzt – o h n e Vorkenntnisse...

Wenn die Story jetzt mit „...und dann kam das große Geld – innerhalb weniger Stunden habe ich meine Bankroll vervielfacht, habe einen Qualifier für das WSOP gewonnen und Pokeranbieter XYZ hat mich als gesponsorten Spieler in seine Reihen aufgenommen...“ weitergehen würde, wäre das wohl eher eine Passage aus dem bereits oben zitierten Wizard of Oz. Tatsächlich mögen einem Texas Hold’em Spieler die ersten Hände eher wie Zauberei vorkommen und er stellt sich die Frage, warum man mit vier Assen auf der Hand und Gemüse auf dem Board All-In gecalled wird und gegen zwei Pärchen verliert...

Macht Euch nix draus, manch eine Hand wird auch vom geübtesten Omaha-Spieler in der Historie rekonstruiert werden müssen.


Grundlegende Unterschiede zwischen Texas Hold’em (TH) und Omaha

Vorausgesetzt man ist kein sprichwörtlicher Blinder mit Krückstock, dauert es keine Sekunde bis man den relevantesten Unterschied zwischen TH und Omaha festgestellt hat: jeder darf vier Karten sein Eigen nennen und NEIN!, das liegt nicht an der Zählschwäche des Dealers. Vier Karten in der Hand und ein aus fünf Karten bestehendes Board macht nach Adam Riese neun...

„Straight von A-9? Flush mit neun Karten? Full House mit Pärchen, Drilling und Vierling?“

Ganz so schlimm ist es nicht, aber im Omaha ist ein Pocket Pair oder aber ein getroffenes Pärchen bei Weitem nicht so viel wert wie im TH. Wie in den Omaha-Regeln bereits erkärt, spielt man trotz der insgesamt neun Karten nur mit fünf Karten: zwei aus der eigenen Hand und drei vom Board – NICHT MEHR UND NICHT WENIGER! Wer diesen Unterschied verinnerlicht, ist auf dem besten Wege Top-Favorit beim nächsten WSOP-Omaha-Event zu werden (oder Euch zumindest von vielen Fischen an Omaha-Tischen zu unterscheiden).

Omaha wird meist in der Variante Pot-Limit, seltener als Limit und fast gar nicht als No Limit gespielt. Im Gegensatz zum TH kann man egal in welcher Variante nur sehr schlecht eine grobe Unterteilung in tight und loose / aggressive und passive vornehmen - das „Warum?“ ist im folgenden Kapitel erläutert.


Das „A“ und „O“ des Omahas

Was im TH u.U. nicht zu empfehlen ist und bestraft werden kann, ist im Omaha fast Pflicht: verstärktes Limpen. Omaha-Spieler sind grundsätzlich „flop-neugierig“ und versuchen viele billige Flops zu sehen. Der Grund liegt auf der Hand (im wahrsten Sinne des Wortes): mit vier Karten hat man eine weitaus größere Chance etwas zu treffen oder aber einen interessanten Draw zu bekommen, als mit lediglich zwei.

Bsp.:
Ihr erhaltet 469J double-suited (Herz, Karo) und haltet den Button. Fold, Call oder Raise? Ein geübter TH-Spieler würde hier wohl kaum einen ernsthaften Gedanken dran verschwenden und folden (wenn man diesen Vergleich überhaupt ziehen kann), außer man ist sehr loose. Im Omaha jedoch bietet eine solche Hand eine große Anzahl von möglichen Draws/Outs: zwei verschiedene Flushs und eine hohe Anzahl an verschiedensten Straßen - Pärchen hat jeder, sind je nach Flop dann zu bewerten.

Stellt Euch nun einen Flop mit 78A und einen Turn mit K vor und somit insgesamt zwei Herzen und zwei Karos auf dem Board... Double-Flush-Draw + OESD vs. vielleicht einem Drilling oder aber zwei Pärchen. Interessant, oder?!

Naja, alle Hände können irgendwie theoretisch interessant gemacht werden, aber Fakt ist, dass man ohne suited Connectors oder high Pockets oder AK durchaus noch einen Flop sehen möchte. Zwei Pocket Pairs in vier Farben hingegen sind je nach Höhe nicht das gelbe vom Ei.

 

 

 Allgemeine Omaha Strategie
 Viele Aspekte des Omahas ähneln dem des weitaus stärker verbreiteten und bekannten Texas Hold’em, z.B. dass sich die erfahreneren Spieler und die mit größerem (theoretischen) Wissen auf Dauer gegen den Rest durchsetzen. Glück und Talent sind nice-to-have – beim Omaha ausschlaggebend ist und bleibt das Wissen. Doch wie stark ist meine Starthand wirklich und was bedeutet das für meine weitere Spielweise? Auf diese Punkte möchte ich im Folgenden eingehen und Euch hoffentlich ein klein wenig vom Fish zum Shark begleiten.
 
 
 Pre-Flop Aktivitäten
 Es kann nicht oft genug betont werden, dass jeder Spieler beim Omaha vier Karten ausgeteilt bekommt, aaaaber nur zwei Karten - nicht 1, nicht 3, nicht 4 - benutzen kann, um mit drei Karten vom Board, die bestmögliche 5-Karten-Hand zu bauen.
 
 Ganz grundsätzlich sind alle Aktivitäten Pre-Flop reine Spekulation. Natürlich gibt es starke Starthände und auch die beste Starthand. Ein hohes beten oder noch höheres raisen auf eine solche Hand ist jedoch nur in den seltensten Fällen der Fall – zu schnell und sehr oft wird die angeblich stärkste Starthand AAKK beispielhaft durch zwei getroffene Pärchen, eine Straight, einen Flush oder gar ein Full House übertroffen. Im Allgemeinen kann man demnach sagen, dass Starthände mit Straight- oder Flushchancen gute Starthände sind.
 
 Als Gegeben gelten demnach und darüber hinaus einige Leitsätze:
 - Das Pre-Flop-Spiel im Omaha ist zu großen Teilen Spekulation
 - Konservatives Pre-Flop-Spiel mit vielen und oftmaligem Callen des BBs ist gängig
 - Omaha ist die wohl looseste Form des Pokerns
 
 
 Post-Flop Spiel
 Mit den ersten drei Karten des Boards bekommen die eigenen vier Hole Cards die erste erkennbare Relevanz. Starthände können hier ebenso ihre gute Ausgangsposition verlieren, wie relativ schwache Starthände zu einem zwischenzeitlichen Monster werden können. Nichts desto trotz kann die Setzrunde nach dem Flop schon Hinweise auf die möglichen Karten von Gegnern haben - auch hier gilt: wer die Bet- und Raisegewohnheiten seiner Gegner beobachtet, kann seine eigenen Chancen deutlich besser einschätzen.
 
 In diesem Zusammenhang kann das Thema „Bluffen“ zum ersten Mal angeschnitten und Post-Flop auch direkt wieder abgeschlossen werden: Laßt es! Mit Gemüse auf der Hand und Board und keine echten Straight- und Flushchancen kann man Bluffen im Omaha brutal als Selbstmord abtun. Eine Berechnung wie hoch die Chance ist, dass jemand an einem Fullring-Tisch Euer Middle-Pair ohne Straight und Flush Post-Flop schlagen kann spare ich mir in diesem Zusammenhang...
 
 
 Der Turn kann Dein Freund sein...
 Mit nur noch einer fehlenden Karte auf dem Board, kann man sich selbst schon ziemlich gut ausrechnen, wie stark oder schwach die eigene Hand ist. So einfach es klingen mag, aber wenn man mit dem Turn die Nuts immer noch auf der Hand hat, sollte man sie auch dementsprechend aggressiv spielen. Hast Du Dich mit Deinem Gemüsefachladen bis zum Turn geschaukelt und willst den nächsten Raise immer noch callen, dann bist Du entweder Gus Hansen und hast Dich in der Pokervariante vertan oder aber Du hast einen Sinn für das Soziale und verschenkst gerne Dein Geld an die bedürftige Pokergemeinde.
 
 Nichts desto trotz sind die Nuts auf dem Turn noch lange keine Sieggarantie. Wie oft wurde ein A-high Flush auf dem River mit einem Full House abgefangen - und wenn wir schon beim Thema Flush sind: ein Straight Flush ist mit vier Karten auf der Hand keine Seltenheit mehr...
 
 
 „Nice hand!“ oder „Lucky River!“?
 Sind Eure Nuts immer noch die Nuts oder gibt es inzwischen eine höhere Straight-Möglichkeit oder liegt nun verdammt nochmal ein Pair auf dem Board und Euer Gegenüber hat ein Full House? Anders als vielleicht beim Texas Hold’em muss Checken im Omaha nicht als Schwäche gewertet werden. Trotzdem sollte Euch die Spielweise Eures oder Eurer Gegenüber eine gewisse Ahnung gegeben haben, wie stark Eure Hand nun ist. Wenn Ihr Euch bis jetzt an die vorgegebene Spielweise gehalten habt und den River zu sehen bekommt, dann seid Ihr entweder einen fetten Pot oder aber eine Erfahrung reicher.
 
 
 In diesem Sinne,
 „Let your opponents be rich and your bad beats be monsters!“ oder so ähnlich...

 


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