$8,5 Millionen Siegprämie und die begehrteste Pokerauszeichnung der Welt. Nachdem der 24jährige Amerikaner vorab bereits über eine Million Dollar als Sieger des $10k-6-Handed-No-Limit-Events gewann ist er eindeutig auf dem Gipfel des Pokerolymps angekommen.

mersonFür den Shorthanded-Experten, der vor kurzem einen Alkoholentzug erfolgreich überstand, war der Weg zum Titel allerdings lang. Am ersten Finaltag legten die Spieler noch ein gutes Tempo vor. Innerhalb von 7 Stunden schieden sechs der neun Finalisten aus und sorgten für einen angenehm kurzen Arbeitstag. Den ersten Stuhl räumte Steven Gee nach 30 Händen (knapp über zwei Stunden Spielzeit) und in dem Tempo ging es weiter.  Auf dem 8. Platz erwischte es mit Andras Koroknai den letzten „Ausländer“. Mit dem Ungarn ging die Internationalität und der Titel 2012 war den Amerikanern sicher. Nach wochenlanger Pause und dem kurzen Arbeitstag am Finaltag 1 legten die letzten drei Spieler am zweiten Finaltag dann einen irrsinnigen Marathon hin.

Den letzten Tag begann Merson als Chipleader (88 Mio). Da er Online überwiegend Shorthanded-Tische spielt, sah er sich im Vorteil und spielte selbstbewusst auf. Jesse Sylvia (62 Mio) und Jake Balsiger (46 Mio) waren allerdings gut munitioniert und es war kein „Push or Fold-Modus“ in Sicht. Merson begann mit einer eindrucksvollen Serie: Er gewann 6 Hände in Folge und sogar 12 der ersten 14 Pötte. Damit konnte er zwar seinen Vorsprung ausbauen aber es reichte nicht für eine Eliminierung.

11 (!!!) Stunden taktierte das Trio bevor der erste Stuhl geräumt werden musste. Mit Jake Balsiger erwischte es den jüngsten Spieler…

Der 21jährige foldete eine Key-Hand mit knapp 50 Mio Chips in der Mitte nachdem Merson am River raiste. Nach seinem Snapfold zeigte sein Gegner einen Bluff und läutete damit wohl das mentale Ende des Studenten ein. Sylvia und Merson witterten Morgenluft und spielten aggressiv weiter. Mit nur noch 20 Mio im Stack wehrte sich Balsiger mit AT und einem beherzten 3-Bet-All-In (im falschen Moment) und sah gegen AQ von Sylvia schlecht aus. Allerdings sorgte eine T am Turn für ein unverhofftes Double-Up. Als Sylvia seinen Stack gegen Merson mit AK in die Mitte gab und vom späteren Sieger KK präsentiert bekam, hätte das Turnier noch einen gänzlich anderen Verlauf nehmen können. Aber auch hier konnte der Underdog auf die Hilfe des Boards zählen. Nachdem die fünf Community-Cards gelegt waren staunte Merson über eine Straight des Gegners und verabschiedete sich von einem Großteil seiner Chips. Im Laufe der weiteren Orbits (Stunden) wurden einige weitere „wahrscheinliche“ Eliminierungen durch Suckouts verhindert. Nach 11 Stunden war es dann endlich soweit – Balsiger riskierte erneut seine Chips und seine Outs wurden weniger und liessen sich auf dem Board nicht sehen.

Die inzwischen schon ungeduldig gewordenen Zuschauer wurden im Anschluss von einem ungewöhnlich kurzen Heads-Up überrascht. Schon nach 17 Händen setzte Merson seinen Gegner All-In und Sylvia entschied sich -nach reiflicher Überlegung- zum Call. Damit hatte Sylvia den richtigen Riecher bewiesen, Merson musste mit K5 eine schwache Hand zeigen. Kurioserweise outete sich Sylvia mit QJ und war damit „behind“. Die folgenden fünf Karten halfen keinem der Spieler und die Preisverleihung konnte beginnen.

Als Randnotiz sollte nicht unterschlagen werden, dass Merson der erste Spieler ist, der als Main-Event-Sieger auch zum WSOP-Player of the Year gekürt wurde. Mit einem knappen Vorsprung sicherte er sich diesen Titel vor Phil Hellmuth.

Das Finale wurde per Live-Stream im Internet präsentiert. Während dieses Angebot in den letzten Monaten sehr gelobt wurde, gab es dieses Mal auch kritische Stimmen. Insbesondere das „Nachdenken“ der Spieler sorgte für einen bitteren Beigeschmack. Auch in kleinen Pots wurde (oftmals durch Sylvia) lange gegrübelt. Für die Zuschauer sind diese Wartezeiten in denen nichts passiert einschläfernd und abschreckend. Viele Profis fordern deshalb für Finaltable eine Uhr die Bedenkzeiten einschränkt.

Ein Spielzeitrekord, eine PokerUhr als Turniertool und ein spannender/fragwürdiger Call am Ende des Heads-Ups … für Diskussionsstoff in den folgenden Tagen ist gesorgt.

Hier das Ergebnis des wichtigsten Turniers des Jahres:

  1. Greg Merson $ 8,531,853
  2. Jesse Sylvia               $ 5,295,149
  3. Jacob Balsiger           $ 3,799,073
  4. Russel Thomas          $ 2,851,537
  5. Jeremy Ausmus         $ 2,155,313
  6. Andras Koroknai        $ 1,640,902
  7. Michael Esposito       $ 1,258,040
  8. Robert Salaburu        $  971,360
  9. Steven Gee                $  754,798