starsPokerStars hat sich nach wochenlangen Verhandlungen mit dem amerikanischen Justizministerium geeinigt. Bereits seit längerer Zeit kursierten Gerüchte die von den Verantwortlichen weder kommentiert noch dementiert wurden. Diverse Vorfälle der letzten Wochen (Ray Bitar stellt sich der Justiz, Ira Rubin wird zur Haftstrafe verurteilt) deuteten auf einen Pflichtenkatalog hin, den es abzuarbeiten galt.

Nun wurde die langersehnte Rettung von Full-Tilt inklusive Klärung der Spielergelder Wirklichkeit und die Beteiligten gaben offizielle Pressemitteilungen heraus.

Demnach zahlt PokerStars als Käufer von Full Tilt in den nächsten Wochen $184 Millionen um die Guthaben der Spieler ausserhalb der USA auszuzahlen (Stars hat für die Erledigung eine Frist von 90 Tagen). In den nächsten drei Jahren sind weitere $547 Millionen Dollar an den Staat zu zahlen. Dieser sorgt für eine Auszahlung der ausstehenden Gelder an die amerikanischen Kunden. Eine erste Rate in Höhe von $225 Millionen ist bereits in dieser Woche fällig.

PokerStars wird die Firma Full-Tilt als eigenständige Marke weiter betreiben. Die ehemaligen Verantwortlichen scheiden selbstverständlich aus. PokerStars sorgt damit für einen reinen Tisch und verbessert das Image des Online-Poker immens.

Neben dem absolut fantastischen Imagegewinn erhält der Anbieter vom Justizministerium die Erlaubnis sich künftig um amerikanische Glücksspiellizenzen zu bewerben. Sobald die Gesetzeslage in den USA geklärt ist, darf der Marktführer also auch diesen wichtigen Kontinent bedienen und muss das Feld Mitbewerbern wie PartyPoker nicht konkurrenzlos überlassen.

Während sich Pokerstars das Wohlwollen bzw. eine reine Weste „erkaufte“, bleiben die Strafverfahren gegen Howard Lederer, Chris Ferguson und Ray Bitar natürlich bestehen. Die ehemaligen Tilt-Manager dürfen sich dem Betrugsvorwurf in Höhe von 300 Millionen Dollar stellen. Mit Isai Scheinberg muss auch ein Manager von PokerStars Konsequenzen ziehen – ein Rückzug aus dem Management dürfte aber nicht wirklich als Beinbruch angesehen werden.

Details zum künftigen Betrieb von Full Tilt sind noch nicht bekannt. Die Seite soll aber eigene Angebote bieten und eine wirkliche Alternative zu PokerStars darstellen. Wünschenswert und geplant ist eine Transfermöglichkeiten zwischen Accounts auf Stars und Tilt. Ähnliches war „damals“ bereits im Cereus-Netzwerk zwischen UB und Absolute Poker möglich. Während die Letztgenannten allerdings aus dem Morast der Skandale nicht mehr auftauchen dürften, haben PokerStars und nun auch Full-Tilt-Poker eine glänzende Zukunft vor sich.

Die nächsten Monate wird PokerStars ein detailliertes Konzept für Full-Tilt-Poker erarbeiten müssen. Für die Spieler wird es spannend … wie werden sich die zwei Plattformen unterscheiden? Gibt es bei Stars ein VPP-System und bei Full-Tilt weiterhin Rakeback? Wie reagieren Seiten wie PartyPoker oder 888 auf die neue Konkurrenz? Steuert die Branche weiter in Richtung Monopol oder sorgen die freigesetzten Spielergelder für frischen Schwung in der Szene? Welche Altstars werden die Full-Tilt-Seite repräsentieren. Kehren Ivey, Dwan und Antonius zurück?

Der Tag dieser Vereinbarung wird hoffentlich ebenso in die Geschichte eingehen wie der Black Friday … allerdings mit positivem Vorzeichen 🙂