Vom Hearing gibt es  -wie zu erwarten- keine nennswerten Neuigkeiten. Trotzdem sorgt Full Tilt für bisher nie dagewesene Schlagzeilen. Während die bisherigen Skandale der Pokerbranche (UB/AP) von den Brancheninsidern publiziert wurden und damit eher im kleineren Kreis bekannt wurden, sind CNN Foxnews, Financial Times, New York Times und viele andere Medien nun mit den Konterfeis von Howard Lederer und Chris Ferguson versehen. Damit gibt es ein mediales Feuerwerk und das Schiff Full Tilt dürfte nach Schlagseite sinken.

ledererDas Department of Justice hat Klage gegen Ray Bitar,Howard Lederer (Bild), Chris Ferguson und Rafe Furst erhoben. Sie unterstellen den Betreibern Betrug am Kunden und vergleichen die Machenschaften mit den berüchtigten Schneeball-Systemen (ein Modell das auf stetige Neueinzahlungen durch Kunden basiert und den Betreiber illegal bereichert). Das die Gelder nicht ordentlich verwaltet wurden ist seit längerer Zeit bekannt. Das Ausmaß wird aber mit der Klageerweiterung deutlich. Demnach war Full Tilt bereits vor dem Black Friday heruntergewirtschaftet. Die Auszahlungen an die Spieler wurden durch die Einzahlungen gedeckt und es gab nur einen sehr kleinen finanziellen Spielraum für Defizite. Dies wird durch ein internes Mail von Ray Bitar an die Mitarbeiter gestützt (hier wies er auf fehlende Mittel hin und forderte die Mitarbeiter auf „business as usual“ vorzuspielen).

Nach dem Black Friday gingen die Einzahlungen drastisch zurück und die Betreiber reagierten nicht darauf. Insgesamt summierte sich das Defizit auf mehr als 330 Millionen Dollar (die Gesamteinlagen der Spieler lag bei 390 Millionen auf den Konten waren allerdings nur 60 Millionen). Während die Spieler in die Röhre sehen, haben sich die Verantwortlichen dafür großzügig bedient. Chris Ferguson soll 25 Millionen Dollar und Lederer über 40 Millionen Dollar aus dem „Full Tilt Geschäft“ erhalten haben. Insgesamt sollen die Köpfe der Firma dem System über 440 Millionen Dollar entzogen haben. Während die Spieler im Glauben gelassen wurden, dass deren Geld jederzeit verfügbar sei – sah die Realität erschreckend anders aus. Dies war den Betreibern klar und darf durchaus deshalb als Betrug bezeichnet werden. Da der zweitgrößte Anbieter sehr lukrative Gewinne erwirtschaftete, gab es viel Zeit um das riskante System wieder in vernünftiges Fahrwasser zu leiten. Das stattdessen die persönliche Bereicherung den Vorzug bekam ist durch Gier und/oder Blödheit zu erklären. Das gehört bestraft.

Tom Dwan berichtete in einem Interview inzwischen von einer Schweigeverpflichtung mit dem Sponsor. Er habe bereits vorab von den katastrophalen Zuständen erfahren, durfte sich aber nicht äußern. Lt. Interview erhielt Dwan vom Sponsor eine Million Dollar und diese Summe will er auch weiterhin direkt an die geschädigten Spieler weitergeben. Während Dwan seinem Unmut Luft macht, schweigen die anderen Full Tilt Pro's. Da Phil Ivey, der als größtes Aushängeschild des ehemaligen Anbieters fungierte, bisher nicht angeklagt wurde, hält sich das Gerücht über eine Zusammenarbeit mit dem DOJ. Ob Phil Ivey der Behörde tatsächlich die nötigen Insider-Informationen lieferte wird sicherlich noch Gegenstand vieler Spekulationen sein.

Die Epic-Poker-League hat Howard Lederer und Chris Ferguson übrigens für die Spielteilnahme gesperrt. Da die beiden Angeklagten bereits seit Monaten nicht mehr an Pokerturnieren teilnehmen ist dies allerdings eher eine Luftnummer (Lachnummer wurde als unpassend gestrichen – das Lachen bleibt einem in dieser Angelegenheit schließlich im Halse stecken).