coreneptMit dem Sieg holt sich die Britin nicht nur eine stattliche Siegprämie in Höhe von 476,100 Euro, sondern schreibt mit dem zweiten EPT-Sieg nach 2006 auch ein neues Stück Pokergeschichte. Das Kunststück eines zweifachen EPT-Erfolges ist nämlich bisher noch keinem Teilnehmer geglückt.

4,900 Euro kostete der Stack für das Main-Event. Nachdem am ersten Starttag das Interesse der Spieler mit 176 Registrierungen überraschend gering ausfiel, strömten am Tag 1b immerhin weitere 381 Spieler an die Tische. Da am zweiten Turniertag keine Anmeldungen über die Late-Registration erfolgten, nahmen am Ende etwas enttäuschende 557 Spieler an der Action teil. Das Vorjahresergebnis wurde damit bei Weitem nicht erreicht aber im Preispool sammelten sich trotzdem beachtliche 2,557,600 Euro.

Nach zwei Tagen hatte sich der Schwede Lukas Berglund mit 700,000 Chips im Stack vom Feld abgesetzt und im Verfolgerfeld war mit Olivier Busquet (392k) ein einsamer Amerikaner zu entdecken. Die 113 verbleibenden Spieler hatten für die nächste Runde die Geldränge im Visier, der Veranstalter bezahlte immerhin die ersten 79 Plätze und natürlich platzte die Bubble an Tag 3. Berglund konnte den guten Lauf nicht über die ganze Turnierdistanz fortsetzen und schied auf Platz 11 aus. Busquet verlor bereits auf Platz 27 den Stack und die amerikanische Fahne übernahm Jordan Westmorland, der hielt diese bis zum Schlussspurt hoch und dominierte das Turnier über lange Zeit als Chipleader. Bester Deutscher wurde Dominik Nitsche auf Platz 46.

Den Finaltisch begann Victoria Cohen als Shortstack und machte sich in Sachen Titelgewinn nicht viel Hoffnung. Vielleicht war hier das Geheimnis des Erfolges zu finden. Die Team PokerStars-Spielerin spielte unkonventionell. Mit loosen Raises aus früher Position, einem gut getimten „4-Bet-Bluff“ und einem Shove mit einem Paar Neuner spielte sich die Britin weiter nach vorne. Während Pariset, Martic und Stefanelli erfolglos agierten und die Stühle räumen mussten, baute Cohen den Stack aus. Aber auch, als das Finale zum Dreikampf wurde, lag Cohen noch hinten. Fundaro und der brillant aufspielende Online-Pro Westmorland waren besser aufgestellt und insbesondere der Amerikaner schien in Bestform zu sein. Fundaro spielte zwar auch gut, sorgte im Finale aber durch seine temporäre Abwesenheit für höchste Aufmerksamkeit. Allen Spielern wurde mitgeteilt, dass auf eine im Plan vermerkte Pause verzichtet wird. Alle Spieler richteten sich danach und waren am Tisch … Alle bis auf einen Italiener namens Fundaro. Dieser hatte die Information scheinbar nicht erhalten und macht gemütlich ein 20-minütige Pause während die Action am Tisch weiterlief … Am Ende hat es nicht geschadet, wenn man mit zusätzlicher Freizeit bis in das Heads-Up kommt, gibt es keinen Grund zur Klage oder Beschwerde.

Westmorland wiederum dürfte sich nach den ersten Stunden am letzten Tisch mehr erhofft haben. Er begann als Chipleader, spielte makellos, geriet dann aber mit Vicky Coren in einen großen Pot. 55 BigBlinds riskierte der Amerikaner mit gefloppten Drilling. Die 41-Jährige hatte allerdings ein höheres Set gefloppt, gewann die letzen Chips des Amerikaners und sorgte damit für den nächsten freien Stuhl. Coren umarmte noch den völlig konstatierten Westmorland auf den Weg in die Rails und begann den Zweikampf gegen Fundaro mit zwei Drittel der im Spiel befindlichen Chips. Das Heads-Up entschied sich bereits nach 15 Minuten. Fundaro brachte seine Chips zwar als Favorit in die Mitte, Coren verbesserte sich aber am Flop und gewann damit ihren zweiten EPT-Titel. Dass dies in 10 Jahren und 98 Events bisher keinem anderen gelungen war, gab dem Triumph natürlich noch einen höheren Stellenwert. Vicky Coren, die auch als Moderatorin, Journalistin, Kolumnistin und Autorin tätig ist, zeigte sich im Interview glücklich und überrascht. Im Gespräch erwähnte Sie nochmals das unglückliche Ausscheiden von Westmorland, der ihrer Meinung nach den Sieg wirklich verdient gehabt hätte. Ein sehr fairer Zug von einer sympathischen Frau, herzlichen Glückwunsch.

Das Endergebnis:

1. Victoria Cohen Mitchell – UK – €476,100

2. Giacomo Fundaro – Italien – €298,700

3. Jordan Westmorland – USA – €213,850

4. Andrea Benelli – Italien – €166,700

5. Andreas Goeller – Italien – €130,750

6. Bruno Stefanelli – Italien – €102,700

7. Andrija Martic – Kroatien – €76,650

8. Emmanuel Pariset – Frankreich – €53,100