Das Thema Finanzamt ist für alle Menschen mit Einkommen ein rotes Tuch. Beim Thema „Besteuerung von Pokerspielern“ ist die Grauzone genauso riesig wie mögliche Fehlerquellen vielfältig.

Die bisherigen Ansätze der Finanzbehörden darf man als dürftig bezeichnen. Eine Steuerschuld über Einträge der Hendon-Mob-Datenbank war ein peinlicher Versuch Einnahmen zu generieren. Hier hätte man im Vorfeld erwarten dürfen, dass sich die zuständigen Beamten über die Vollständigkeit der Daten im Klaren sind. Auch die Frage nach Berücksichtigung der Aufwendungen (Buy-Ins und Reisekosten) und Verlusten blieb unbeantwortet.

Das Finanzgericht Münster reiht sich nun in die Reihe der Besteuerungsversuche ein und gibt dem Finanzamt in der Steuerangelegenheit Vörtmann in erster Instanz recht. Das Gericht urteilte damit gegen den Pokerspieler Jens Vörtmann, dem vorgeworfen wurde, seine Pokergewinne nicht in der Steuererklärung angegeben zu haben.

In der Urteilsbegründung wird unterstellt, dass ein geübter Spieler durchaus kalkulierbare Gewinne einfahren würde und damit als Unternehmer gelte. Nebenbei wird die Pokerindustrie als Schneeballsystem verunglimpft, da nur neue und unerfahrene Spieler für ausreichende Dynamik sorgen und damit den Berufsspielern ein Einkommen bieten. Demnach bestünde eine Umsatzsteuerpflicht aus Pokergewinnen.

Im Fall von Herrn Vörtmann darf lt. Richter von einer Unternehmereigenschaft ausgegangen werden, da der Beklagte in mindestens 9 Jahren an Pokerturnieren und Cashgame-Partien teilnahm und diese mit Gewinnabsicht also zur Entgeltgenerierung absolvierte.

Das Finanzgericht schätzte daraufhin die Einnahmen von Vörtmann und belegte diese mit 19% Umsatzsteuer.

Immerhin wird noch zwischen Berufsspielern und Freizeitspielern unterschieden, dennoch könnte es für ambitionierte Hobbyspieler schwierig werden, wenn das Finanzamt aufmerksam wird. Vörtmann war bei Full Tilt als Red-Pro unter Vertrag, gewann mehrere Turniere, ein Bracelet und erspielte in der Pokershow „Poker After Dark“ 120,000 Dollar. Der Otto-Normalverbraucher muss also keine schlaflosen Nächte haben, aber der Trend ist gruselig. Immerhin ist eine Revision zugelassen und die Hoffnung besteht, dass der Bundesfinanzhof dem Spuk ein Ende bereitet. Im Rahmen der Revision sollte dann auch geklärt werden, welche Tatbestandsmerkmale die Berufsspieler von Freizeitspielern unterscheiden.