hachemWährend der Aussie Millions nutzte das Bluff-Magazin die Gelegenheit und führte ein Interview mit Joe Hachem. Der Weltmeister von 2005 ist in seinem Heimatland Australien sehr beliebt und hat immens zur Beliebtheit des Spiels in Down-Under beigetragen. Vielleicht hat die Heimspiel-Atmosphäre dazu beigetragen, dass der PokerStars-Pro überraschend harsche Kritik an die ihm nachgefolgten Main-Event -Sieger äußerte.

Während er seinen Vorgängern Chris Moneymaker und Greg Raymer großen Respekt zollt, hält er insbesondere seine Nachfolger Jamie Gold und Jerry Yang für insgesamt schlechte Weltmeister. Sie hätten das Geld genommen und im „Amtsjahr“ kaum positive Akzente für das Pokerspiel gesetzt. Beide hätten sogar negative Schlagzeilen fabriziert und damit dem Ansehen des Spiels keinen Dienst erwiesen. Auch die späteren Sieger des Main-Events hätten sich nicht als Botschafter für das Spiel in Szene setzen können. Dies sei allerdings überwiegend dem jungen Lebensalter geschuldet, hier würden die jungen Pro's andere und falsche Ansätze haben.

Die jungen Pokerspieler erhalten insgesamt schlechte Kritiken von Hachem. Das Spiel wird auf mathematische Theorien reduziert. Das Gegenüber wird nicht als Individuum/Mensch, sondern nur über Statistik/Ranges wahrgenommen. Die Leute interessieren sich aber nicht für Ranges oder Statistiken, sondern wollen Gespräche, Reaktionen und Emotionen erleben. Sollten sich die jungen Spieler weiterhin auf Statistiken und stoisches Spiel konzentrieren, hat das Pokerspiel keine Zukunft, so der engagierte Pro.

Natürlich ließen Reaktionen auf das Interview nicht lange auf sich warten. Daniel Negreanu bestätigte seinen Teamkollegen bezüglich der Entwicklung an den Spieltischen. Die Zeit der großen Charaktere sei vorerst vorbei, neue „Typen“ seien Mangelware. Der Kanadier hält allerdings nichts davon, die Gewinner der Main-Events zur „Botschafter-Arbeit“ zu verpflichten. Der Sieg im Main-Event ist eine beachtliche Leistung. Während extrovertierte Spieler die Gelegenheit nutzen und gerne für Medienarbeit zur Verfügung stehen, gibt es eben auch eher stille Charaktere wie z.B. Greg Merson. Dieser ist ein vorbildlicher Spieler, allerdings ist Pressearbeit für ihn eher Pflicht als Kür … das dürfe den Weltmeistern aber nicht per se vorgeworfen werden.

Negreanu weist darauf hin, dass zu Beginn des Pokerbooms die bekannten Profis alle eine eigene Geschichte, einen Werdegang mitbrachten. Jeder hatte Erfahrungen, insbesondere im geselligeren Live-Game. Heute ist der Werdegang der jungen Pro's immer gleich. Erste Erfahrungen über das Online-Spiel, Lehrbücher, Trainingsvideos und Arbeitsgruppen. Danach erste Turniere über Packages die per Satellite gewonnen wurden.  Diese Spielergruppe hat es deutlich schwerer zu einem unterhaltsamen Tisch beizutragen. Deshalb werden hier andere Schwerpunkte gesetzt, Diskussionen über Ranges, Equity langweilen aber den Zuschauer und motivieren nicht zum Mitspielen. Nur wenn wieder mehr Spielspaß vermittelt wird, kann mit einem Zulauf von neuen Spielern gerechnet werden … hier ist Prognose allerdings vorerst düster.

Während die Antwort von Daniel Negreanu gewohnt ausführlich aber auch begründet ausfiel, gab es von Jerry Yang eher Worthülsen als Reaktion. Er wies daraufhin, dass er immerhin 1 Million seines Gewinns spendete. Nach dem Sieg im Main-Event sei er zwar nicht mehr sehr aktiv in den Turnieren gewesen, dies mache ihn seiner Meinung nach allerdings nicht zum schlechten Botschafter. Die Versteigerung seines Bracelets sei von der Steuerbehörde wegen seiner Steuerschulden empfohlen worden und seine private Angelegenheit.

Hmmm, ein Weltmeister, dem das Geld wichtiger als das Bracelet war, der danach kaum noch spielt und in der Presse negative Schlagzeilen wegen Steuerschulden und „Zwangsversteigerung“ macht. Was hat Yang von Hachems Aussagen widerlegt? 🙂

Hachem hat im Interview natürlich vielen Spielern vor den Kopf gestoßen, die Argumente sind aber nicht von der Hand zu weisen. Am Ende zählt im Poker aber immer der Erfolg, also das Geld. Munteres Geplapper am Tisch kostet meistens Konzentration und damit „Edge/Geld“. Darauf wird niemand für eine eventuell langfristig positive Entwicklung verzichten wollen.