Für diejenigen, die relativ neu in der Pokerwelt sind, etwas Erklärung vorab. Als vor fünf Jahren das FBI und die Finanzbehörde drei große Spieleplattformen auf dem US-Markt stilllegten, stellte sich heraus, dass bei Full Tilt Poker ca. 130 Millionen in der Kasse fehlten. Zahlreiche Spieler sahen sich um ihre Bankroll betrogen und blieben auf der Strecke. Die Verantwortlichen, allen voran Howard Lederer, sahen sich ebenfalls als Opfer der Umstände und selbst als sich herausstellte, dass sich die Gründungsmitglieder noch während der Abwicklung Millionenbeträge auszahlten, gab es keinerlei Schuldbekenntnisse, Reue oder Entschuldigungen.

Inzwischen hat PokerStars die Plattform übernommen, die Schulden an die Spieler ausgezahlt und Full Tilt Poker in das Netzwerk von PokerStars integriert. Als Spieler kann man also einen Schlussstrich ziehen.

ledererDas hat sich scheinbar auch Howard Lederer als Gründer gedacht. Dieser ist nach fünf Jahren zur Erkenntnis gelangt, dass er sich für sein Fehlverhalten entschuldigen sollte. Dies hat er in einem langen Brief getan, der auf Full Contact Poker, der Plattform seines wohl größten öffentlichen Kritikers, Daniel Negreanu, zu finden ist.

Lederer gibt zu, dass er von den Ereignissen überrollt wurde und sich seine Version der Geschichte etwas zurecht gesponnen hatte, um vor sich selbst zu bestehen. Mit zeitlichem Abstand und nach Gesprächen mit guten Freunden musste er einsehen, dass er als Gesicht von Full Tilt Poker eine besondere Stellung innehatte. Viele Kunden vertrauten ihm ihr Geld an und fühlten sich deshalb auch von ihm betrogen. Obwohl er als Aushängeschild der Firma fungierte, war er jedoch nicht in der Lage die Geschicke der Firma alleine zu lenken, einige andere steuerten den Tanker ebenfalls in die falsche Richtung. Trotzdem gesteht er rückblickend ein, dass er sich falsch verhielt und für seine Fehler andere Schuldige suchte. Lederer weiss, dass eine Entschuldigung keinem betroffenen Spieler hilft, käme er noch einmal in diese Situation, würde er vieles anders machen, nun ist aber eine öffentliche Entschuldigung das Einzige, was er noch tun könne.

Daniel Negreanu kommentiert die Entschuldigung direkt auf seiner Webseite. Er schätzt die Geste von Lederer und will von seiner Seite aus die Geschichte ruhen lassen. Durch PokerStars hätte es ein relativ gutes Ende für die Betroffenen gegeben, er sieht deshalb keinen Grund für weiteren Groll. Sollte er Lederer an den Pokertischen begegnen, hätte er keine Probleme mit dem »Professor« die Partie zu spielen. Freunde waren die beiden Spieler auch vor dem Black Friday nicht, für die Zukunft sind freundschaftliche Bande auch weiterhin unwahrscheinlich.

Beim Thema Full Tilt Poker wird mit der Entschuldigung und der recht versöhnlichen Reaktion darauf ein weiteres Kapitel geschlossen. Hoffen wir auf ein neues Buch, gerne spannend und interessant aber mit Happy End.