Da ständig die gleichen Fragen bzgl. der Gestaltung und Durchführung von No-Limit-Hold'em Homegames (wieviele Chips, Turnier oder Cash-Game, welche Chips etc.) gestellt werden, habe ich mir mal die Mühe gemacht ein kleines How-To zu schreiben. Hiermit sollen alle Fragen rund um das Thema "Wie stelle ich ein vernünftiges Homegame auf die Beine" beantwortet werden.*
Wenn ihr noch Anregungen bzgl. Erweiterungen, Fehlern usw. Habt, dann lasst es mich wissen und ich nehme diese mit in den Artikel auf.*
Ziel ist es diesen Artikel kontinuierlich zu erweitern und aktuell zu halten, um Einsteigern einen Guten ersten Überblick der Thematik zu geben.
Übersicht:
1. Was wollen wir spielen: Turnier oder Cash-Game?
1.1 Das Turnier
1.2 Das Cash-Game
1.3 Abschließende Gedanken zu Turnieren und Cash-Games
1.4 Nützliche Links
2. Wieviele Chips benötigen wir?
2.1 Grundüberlegungen
2.2 Wieviele verschiedene Denoms brauchen wir?
2.3 Sinnvolle Zusammensetzung der Startstacks
2.3.1 Startstacks für CG's
2.3.2 Startstacks für Turniere
3.0 Vorschläge zur Zusammenstellung des Chipsets (der Breakdown)
1. Was wollen wir spielen: Turnier oder Cash-Game?
Zunächst sollte man sich überlegen ob man ein Turnier oder ein Cash-Game spielen will. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.
1.1 Das Turnier
Bei einem Turnier zahlt jeder Spieler vor Beginn des Spiels den gleichen Betrag (Buy-In) in einen Pot ein. Dieser Pot bildet den Pricepool des Turniers, aus dem später die Gewinne ausgezahlt werden. *Für seinen Buy-In bekommt dann jeder Spieler die gleiche Anzahl Chips.*
Ziel des Turniers ist es, dass ein Spieler am Ende alle Chips gewonnen hat.
Der grosse Unterschied zwischen einem Turnier und einem Cash-Game ist, dass bei dem Turnier die Zwangseinsätze (Blinds) kontinuierlich ansteigen. Dadurch hat man quasi eine Inflation des Chipwertes. Denn wenn die Blinds zu Beginn des Spiels bei 25/50 liegen sind 500 Chips noch deutlich mehr Wert als wenn die Blinds später schon bei 500/1000 liegen.*
Man kann Turniere auch mit einem Rebuy spielen, d.h. wenn ein Spieler (üblicherweise vor Ablauf des 3. Blindlevels) alle seine Chips verliert, dann kann er sich für einen zuvor festgelegten Betrag (meist in Höhe des ursprünglichen Buy-Ins) noch einmal einkaufen. Durch Rebuys erhöht sich der gesamte Preispool und die Dauer des Turniers. Ausserdem bekommen Spieler die frühzeitig broke gehen eine zweite Chance und müssen nicht so früh nach Hause.*
Ebenfalls sind sogenannte Add-Ons nicht selten. Im Gegensatz zu einem Rebuy kann man ein Add-On jeder Zeit in Anspruch nehmen. Häufig umfasst ein Add-On soviele Chips wie der Ursprüngliche Buy-In oder weniger. Die Kosten dafür sollten natürlich in Relation zum ursprünglichen Buy-In liegen.*
Eine mögliche Variante ist es, das Add-On in Stufen zu ermöglichen. Zum Beispiel so, dass man sich am Ende der Rebuyphase in 1000er Schritten wieder bis zu seinem ursprünglichen Startstack von 10.000 Chips einkaufen kann. Dadurch würde das Turnier quasi erst nach der Rebuyphase richtig ernst werden.*
1.2 Das Cash-Game
Bei einem Cash-Game (CG) kaufst sich jeder Spieler für einen gewissen Betrag in das Spiel (auch wenn es schon läuft) ein. Er bekommt dann Chips in Höhe seines Buy-Ins. Das heisst er tauscht quasi Geld gegen Spielchips 1zu1. Die üblichen Buy-Ins liegen zwischen 20 und 200 Bigblinds (BB). Wobei 20BB sehr wenig sind, 100BB sind der Standard und 200BB sind schon ne Menge. Falls ein Spieler pleite ist oder meint er hat zu wenig Chips, dann kann er jederzeit nachkaufen (nur nicht für die laufende Hand). Das hängt dann alles von der persönlichen Schmerzgrenze ab.*
Wenn ein Spieler dann keine Lust mehr hat kann er sich jeder Zeit wieder auscashen, sprich seine Chips wieder in Bargeld tauschen.*
Bei einem CG erhöhen sich die Blinds nicht, es sei denn alle Spieler einigen sich darauf.*
1.3 Abschließende Gedanken zu Turnieren und Cash-Games
Beide Varianten haben Ihre Eigenarten. Im wesentlichen gibt es da folgende Punkte:
-Bei einem Turnier beschränkt sich der Einsatz üblicherweise auf 1-2 Buy-Ins. Dadurch kann man für den Anfang die Summe die man bereit ist einzusetzen begrenzen.*
-Bei einem Turnier sollten (optimalerweise) alle Spieler pünktlich erscheinen. Und wenn man raus ist, dann ist man raus. Dadurch kann der langersehnte Pokerabend schonmal ein frühzeitiges Ende nehmen. Somit ist ein Turnier nicht so flexibel wie ein CG, bei dem ein Spieler einfach mal im Laufe des Abends für 2 Stündchen vorbeischauen kann.*
-auch unterscheiden sich die beiden Varianten teilsweise deutlich in der Spielweise. So wird im Turnier am Anfang häufig recht tight gespielt (man will ja nicht gleich wieder nach Hause gehen) und im Cash-Game wird da schon mal mehr geblufft und mit spekulativen Händen gespielt (Frei nach dem Motto: wenn's nicht klappt, dann kauft man halt nach).*
Man sollte sich also überlegen für welche Spielform man sich entscheidet. Wenn man beides will und es ein langer Abend werden soll, dann kann man auch mit einem Turnier anfangen (dann vielleicht er ein kurzes, damit die frühzeitig rausgeflogenen nicht so lange warten müssen) und danach zum CG übergehen. Wenn man ein Turnier mit genug Spielern für zwei Tische spielt und verschiedene Chipsets hat, dann bietet es sich an, an dem Tisch der zu erst aufgelöst wird schon das CG (mit Leuten die bereits aus dem Turnier geflogen sind) zu starten, während am zweiten Tisch das Turnier zu Ende gespielt wird.*
1.4 Nützliche Links
- Homepokertour.com
Auch im Zeitalter der SMS flatrates kann es ziemlich müßig sein vor jeden Spiel seinem gesamten Spielerpool eine Sms zu schicken, sich zu notieren wer nun mitspielt und am wenn es losgeht zu merken, dass einer zuviel da ist und nun böse ist, weil kein Platz mehr am Tisch ist.*
Diesem Problem bietet die Seite Homepokertour.com Abhilfe. Hier könnt ihr eure Pokerrunde einrichten, in der sich die potenziellen Teinehmer anmelden. Ihr könnt Rundmails schreiben in denen sich die Spieler automatisch ihren Platz am Tisch reservieren können und eine Punktetabelle usw. Gibt es auch noch obendrauf. Kosten tut das ganze auch nix. Sehr zu empfehlen.*
- blindvalet.fr
Hier könnt ihr relativ leicht eine Blindstruktur, eine Auszahlungsstruktur und mögliche Startstacks für eure Turniere festlegen. Ein Blindtimer den man während des Spiels laufen lässt ist auch dabei. Dazu kann man einstellen wieviele Rebuys es gab, wieviele schon raus sind und wieviele Rebuys/Addons es gab. Auch alles kostenlos.*
- thetournamentdirector.net
Die wohl umfangreichste und beste Turniermanagement Software die es gibt. Hiermit ist so ziemlich alles möglich, vom Player Seating bis zur Punkteverteilung nach eigenen Vorstellungen ist hier absolut alles möglich. Durch den Umfang benötigt man natürlich erstmal eine gewisse Zeit bis man wirklich damit umgehen kann, aber danach ist fast alles möglich. Wer also regelmässig grössere Turniere organisiert oder einfach nur das Beste vom Besten will, der ist hiermit gut beraten. Dafür kostet die Software aber auch etwas. Wobei der Preis, wenn man das Programm wirklich nutzt, noch ziemlich günstig ist.*
2. Wieviele Chips benötigen wir?
Ja, jetzt kommen wir zu der wohl am häufigsten gestellten Frage, auf Grund derer ich mir auch überhaupt endlich die Mühe gemacht habe diesen längst überfälligen Artikel zu schreiben.*
Wenn man einfach mal kurz bei ebay oder diversen Onlineshops durch das Grosse Angebot der Pokersets schaut, dann wird man schnell feststellen, dass dort alle möglichen Sets in etlichen verschiedenen Aufteilungen zu haben sind. Leider sind die meisten dieser Aufteilungen absoluter Blödsinn und am Ende sitzt der unerfahrene Käufer auf nem Set von dem er eigentlich nur die Hälfte der Chips brauchen kann. Häufigster Grund dafür ist, dass in den Sets viel zu viele verschiedene Chipwerte drin sind, dafür dann aber von jedem Wert zu wenige Chips.*
Daher gebe ich euch hier eine Einführung in die Grundüberlegungen warum man wieviele Chips von wieviel verschiedenen Wertigkeiten braucht sowie einige Vorschläge für gut spielbare Sets.*
Bei den Vorschlägen unterscheide ich dann zwischen verschiedenen Kriterien, z.B. Bis zu 6 Spielern oder 6-10 Spieler und Turnierset, Cash-Game Set oder universal Set für beides.*
2.1 Grundüberlegungen
Grundprämisse ist es, das jeder Spieler genug Chips haben soll, damit er nicht ständig bei anderen Spielern oder im Pot wechseln muss. Ausserdem soll er sich nicht gleich shortstacked fühlen, weil vor ihm insgesamt nur 19 Chips liegen (z.B. 10.000 Chips in 4x25, 4x100, 3x500 und 8x1.000). *Trotzdem soll die Menge der Chips und die Anzahl der verschiedenen Wertigkeiten (Denominations, kurz Denoms) übersichtlich bleiben, damit ein Spieler nicht erst ewig zählen, rechnen und überhaupt entscheiden muss ob er seinen Einsatz jetzt in zehn 25er Chips oder in zwei 100er und zwei 25er Chips macht. Das kann erstens nerven und zweitens, besonders im Turnier, wertvolle Zeit kosten in der die Blinds immer weiter steigen und man dadurch nur wenige Hände pro Blindlevel spielen kann.*
Dementsprechen habem wir * Wichtige Kriterien:
- jeder Spieler hat genug Chips damit er nicht ständig wechseln muss und dadurch den Spielfluss stört;
- jeder Spieler hat soviele Chips, dass er nicht zu Beginn des Spiels schon denkt er kann kaum was setzen weil insgesamt nur 19 Chips vor ihm liegen
- die Spieler bekommen ihre Chips nicht in 6 verschiedenen Denoms und haben dann zig verschiedene Stapel vor sich stehen und können sich nciht entscheiden welche Chips sie denn nun zum setzen nehmen.*
Das führt uns jetzt zu Folgenden zu beantwortenden Fragen:
2.2 Wieviele verschiedene Denoms brauchen wir?
In der Regel reichen bei einem Cash-Game *3-4 verschiedene Denoms. Bei einem Turnier können es je nach Spieleranzahl und Startstack auch 4-5 sein. man sollte jedoch zusehen, dass man nicht mehr als 4 Denoms gleichzeitig auf dem Tisch hat. Das bewerkstelligt man durch einen sog. Color-Up, sprich wenn ein Chipwert im laufe des Spiels so niedrig ist, das man ihn nicht mehr zwingend zu setzen der Blinds benötigt, dann tauscht man diese Chips in der Pause gegen höherwertige Chips aus. Ja, jetzt werden sich vielleicht einige von euch denken: "Määhhh...jetzt kann ich ja garnicht die ganzen tollen, verschiedenen Farben nehmen die es so gibt!". Das stimmt wohl, aber glaubt mir, grosse Chipstapel in der gleichen Farbe sehen viel besser aus (und spielen sich vor allem auch besser) als etliche kleine Pipistapel von verschiedenen Chipwerten.*
Wichtig dabei ist, die Relation von einem Chip zum nächsthöheren Chip sollte (fast, zu den Ausnahmen komme ich gleich) bei 1zu4oder 1zu5 liegen. Denn es macht in der Regel wenig Sinn zwei 50er Chips zu legen, wo man auch einen 100er legen kann. Da hätte man dann auch wieder das Problem der Zeitverzögerung, weil die Spieler sich entscheiden müssen welche Chips sie denn nun nutzen um ihren Einsatz zu tätigen.*
Üblicherweise sind Chips in den folgenden Denoms erhältlich (es gibt natürlich Ausnahmen):
.25-(.50)-1-5-(10)-25-(50)-100-500-1.000-5.000-10.000-25.000
Grundsätzlich (im juristischen Sinne, sprich: meistens aber nicht immer) machen die eingeklammerten Chipwerte wenig Sinn.*
Die Ausnahmen:*
- Teilweise macht es Sinn einen Chip Im Wert des Smallblinds (SB) *und einen Chip im Wert des BB zu haben. Das gilt aber in erster Linie für CG's und die Zusammensetzung des restlichen Sets. Ausserdem muss ich das jetzt sagen, weil dieser Fall auch auf mein eigenes custom Set zutrifft.*
- bei Turnierchips ist es üblich, dass auf den 500er ein 1.000er Chip folgt und danach dann ein 5.000er eingesetzt wird. Das ist halt so, keine Ahnung warum. Persönlich nutze ich in meinem Turnierset neben 25ern, 100er und 500ern eine Ladung Chips ohne Wertaufdruck (non-denoms), die ich als 2000er oder 2500er nehme. Wie oben erklärt machtdas mehr Sinn als die übliche 500-1.000-5.000 Verteilung. Leider gibt es in den meisten Chipsets von der Stange keine 2.000er oder 2.500er. Manchmal hat man aber Glück und es gibt einen non-denom Chip.*
Hier jetzt einige sinnvolle Kombinationen von Chipwerten für verschiedene Spielvarianten (wie gesagt, in diesem Artikel beziehe ich mich NUR auf No-Limit-Hold'em):
Dies noch vorweg: man kann in CG's auch gut Chips mit Turnierwerten ($5, $25, $100,...) einsetzen und die Wertigkeiten einfach als Angaben in cent ansehen. Siehe später auch der Vorschlag zum Kombiset für Turniere und CG's.
Die Werte in Klammern können eingestzt werden, wenn ihr viel Geld am Tisch habt, nach oben hin Luft haben wollt, oder einfach beim Chipkauf sparen wollt und lieber einige höhere Werte dazunehmt um insg. weniger Chips kaufen zu müssen.*
Cash-games ( alle Angaben in Cent):
-NL5 (2c/5c Blinds): 1-5-25-(100)
-NL10 (5c/10c Blinds): 5-25-100-(500) untypische aber auch sehr gut spielbare Variante mit Luft nach oben: 5-10-50-(200)
-NL20 (10c/20c Blinds): 5-25-100-500 oder hier deutlich besser: 10-50-200-(1.000)
-NL25 (10c/25c Blinds): 5 (oder 10)-25-100-500
-NL50 (25c/50c Blinds): 25-100-500-(1.000 oder 2.000)
-NL100 (50c/100c Blinds): (25 oder hier sogar besser 50)-1-5-(2.000 oder 2.500)
Turniere (bis 10 Spieler):
-T1.000 bis T2.500 (Blinds starten bei 5/10): 5-25-100-500-(1.000/2.000/2.500 bei Turnieren ab T2.000)
-T5.000 (25/50): 25-100-500-1.000/2.000/2.500-(5.000)
-T10.000 (25/50 oder 50/100): 25/(bei 50/100 Startblinds evtl. 50er)-100-500-1.000(2.000/2.500)-(5.000)
So...jetzt wissen wir schonmal welche und wieviele verschiedene Werte in unserem Chipset vorhanden sein sollten. Das führt uns zu der Frage wieviele Chips wir von jedem einzelnen Wert benötigen. Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir die Startstacks (die Chips die jeder Spieler zu Beginn des Spiels für seinen Buy-In bekommt) zusammensetzen.*


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