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  1. #71
    DaltonDK_70 ist offline Poker Profi
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    Gestern ging es endlich ins Casino!
    Ursprünglich geplant war ein Besuch des Atlantic City. Das ist bekannteste Casino in Lima und damit wohl von ganz Peru. Sieht auch von außen ganz nett aus, Foto und Link anbei.
    Als ich um 22 Uhr dort eintraf, war allerdings gerade ein Turnier am laufen und fürs Cashgame gab es nur einen Tisch mit den Blinds 5 Soles/10 Soles. 10 Soles sind momentan etwa 2,75 Euro.

    home

    Das war mir zu teuer, weshalb ich in ein anderes, etwas weniger schönes Casino gegangen bin.
    Dort mußte ich noch bis 22:45 warten, bis endlich genug Leute für einen Tisch zusammen waren.
    Poker ist in Peru noch nicht so verbreitet.

    Fiesta Hotel y Casino - Casino Miraflores Lima, Peru | Black Jack Miraflores

    Die Blinds hier waren 2/5 Soles, man hat sich dann aber darauf geeinigt, 5/5 zu spielen.
    Für mich war es das erste Mal live Cash Game in einem Casino und dementsprechend war ich sehr gespannt, wie ich mich da schlagen würde.
    Aber schon nach den ersten Händen war klar, dass das Niveau in etwa NL5 auf Pokerstars entspricht. 3-4 Leute von gestern würden aber nichtmal das schlagen.
    Von 10 Leuten am Tisch haben immer mindestens 6 Leute gelimpt. Mein Nachbar links hatte ne Statistik von 100/0/0, aber getroffen, wie blöd und schon nach kurzer Zeit 1000 Soles gewonnen. Kurz drauf hat er aber 2x mit Bottom Pair auf allen Straßen runtergecallt und dann war das Geld wieder weg
    Die erste halbe Stunde war ich der Einzige, der preflop geraist hat. Und selbst wenn ich nach 3 Limpern auf 6 BB erhöht habe, gabs immer noch nen Flop mit 4 bis 5 Spielern.
    Die haben einfach jede Hand gespielt, keinen Draw sein lassen, egal, wie hoch die Bets waren und TP war in deren Augen sowieso die Nuts. Das Wort Kicker scheint in Peru auch unbekannt zu sein.
    Also eigentlich ein Paradies für jeden halbwegs guten Spieler. Aber leider war das Glück nicht auf meiner Seite gestern.
    Der größte Pot war:
    Ich sitze im BB und halte AKs. 4 Spieler limpen, ich raise auf 6 BB. Zwei Limper callen und einer raist auf 20 BB (er hatte noch weitere 20 BB behind). Der vierte Limper foldet und ich gehe all in, die beiden anderen Limper folden auch. Der Raiser callt mein All-In
    Wir drehen die Karten um und er zeigt mir 33!!!
    War dann ein Pot von knapp 100 BB, oder etwa 125 Euro und natürlich hab ich verloren.
    Ne andere Hand habe ich mit QQ gespielt. Nach einigen Limps auf 8 BB geraist und 2 Caller bekommen. Flop war 8KK und einer hatte KT. Das hat mich noch 20 BB gekostet.
    In einer weiteren Hand ging einer für 16 BB all in, ich halte JJ und calle. Er zeigt mir A7 und trifft sein Ass.
    Also Live Poker ist genauso rigged wie Online…
    Zum Glück konnte ich ein paar Mal mit Overpair oder 2 Pair etwas Geld gewinnen, so dass ich am Ende, um 5 Uhr Morgens, nach 6 Stunden spielen, 2 Soles im Plus war. Die hab ich dann dem Dealer gegeben und bin mit dem Taxi nach Hause gefahren.

    Fazit: Es war eine wahnsinnig schwache Runde, die man normalerweise abziehen kann, ohne Ende. Aber meine beste Hand in dieser Nacht waren 1 x 2 Pair und bei den Preflop All-Ins hatte ich leider kein Glück. Hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich werde wieder mal hingehen. Bin ja noch 3 Monate hier
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    If the ocean was whiskey and I was a duck, I´d dive to the bottom and give it a suck.

  2. #72
    DaltonDK_70 ist offline Poker Profi
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    Erstmal Bilanz von Monat 3: 54 Stunden gespielt und 1200 Euro verdient. Damit wieder sämtliche Kosten meines Urlaubes decken können

    Ich merke nur, dass ich von Monat zu Monat fauler werde, die Stunden werden immer weniger.

    Gestern habe ich ein wenig über Peruanische Hausmedizin gelernt. Seit zwei Tagen kann ich nämlich meinen Hals nicht mehr richtig bewegen und habe starke Nackenschmerzen. Meine Vermutung war, dass ich in der Nacht in einer blöden position geschlafen hab. Meine Freundin meinte, es könne auch ein Zug sein. Durchaus möglich.
    Also hat sie sich von ihrer Mutter etwas geholt, das heißt "Sufre".
    Das sieht aus, wie eine 7 cm lange Kerze, mit 3 cm Durchmesser, nur ohne Docht und gelblich. Es ist aber härter als eine Kerze, man kann nicht reinkratzen, aber wenn man nur leicht damit wogegen klopft, splittert sehr schnell was ab. Keine Ahnung, was für ein Material das sein soll. Meine Freundin weiß es auch nicht und es gibt auch keine Übersetzung.

    Jedenfalls hat sie dieses Sufre gestern Abend ein paar Minuten über meinen Nacken/Rücken gerollt und gesagt, wenn ich einen Zug erwischt habe, hat mein Körper zu viel Luft und das Sufre zieht die Luft aus mir wieder raus
    Nachdem sie also mit dem Rumrollen fertig war, nimmt sie das Sufre und steckt es in ein Glas mit Wasser. Dann hält sie es an ihr Ohr und dann an meines und fragt, ob ich das Klickern höre. Ich höre tatsächlich was klickern.
    Sie sagt, das ist die Luft, die das Sufre aus meinem Körper gezogen hat und jetzt in das Wasser entweicht. Wenn der Körper sehr viel Luft hatte, steigen aus dem Sufre auch mal kleine Bläschen auf.
    Naja, ich glaube ja nicht an sowas und mein Nacken schmerzt heute noch genauso.
    Aber meine Freundin ist jetzt in der Arbeit und ich bin mit dem Sufre allein. Zeit für ein paar Experimente...
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  3. #73
    DaltonDK_70 ist offline Poker Profi
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    So, Monat 4 ist vorüber und er war der bisher erfolgreichste. Habe erstmals in meiner Pokerlaufbahn die 2000 Euro Marke geknackt, bei einem Stundenlohn von knapp 40 Euro.
    Der Aufstieg auf NL100 ist vollzogen, NL50 wird nur noch gespielt, wenns auf NL100 keine Tische gibt.
    Auch erste erfolgreiche Shots auf NL 200 gab es, da wurde ich aber heute erstmal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Siehe „Heut läufts – heut nicht Thread“.
    Das Wetter ist endlich, wie es sein sollte, mit knapp 30 Grad und das Wasser ist nicht mehr so kalt, dass sich der Schniedel, beim ersten Kontakt, in die Bauchhöhle flüchtet. Biertrinken am Strand ist daher mein neuestes Lieblingshobby.
    Nach meinem Abstecher ins Zentrum von Lima, wohne ich ja nun wieder auf dem Land und fühle ich mich hier draußen doch deutlich wohler. Mir ist es leider nie gelungen, einen Durchblick durch den öffentlichen Nahverkehr in Lima zu gewinnen. Der ist ein Thema für sich.
    In Peru gibt es keine Fahrpläne. Haltestellen sind an jeder größeren Ecke und auf den Bussen stehen die Stadtteile geschrieben. Oft stimmen die aber nicht. Darum stehen die „Schaffner“ bei Ankunft an die Haltestelle immer in der offenen Tür und schreien laut raus, wo sie hinfahren. Wenn man einen bestimmten Zielort hat, eine Straßenkreuzung oder so, dann ruft man sie dem Schaffner entgegen. Wenn er nickt, steigt man ein, wenn er mit dem Kopf schüttelt, schreit man den Zielort halt dem nächsten Schaffner entgegen, solange bis mal einer nickt.
    Das setzt aber einige Ortskenntnis voraus und deshalb wäre ich allein völlig hilflos gewesen.
    Hier auf dem Land ist es etwas einfacher, es gibt nur eine große Straße und jeder Bus geht in dieselbe Richtung. Größere Haltestellen gibt es hier kaum. Man stellt sich einfach an die Straße und wartet. Die Busse kommen alle 3-4 Minuten und halten für jeden und überall. Auch diese Schaffner rufen einem zu, wo sie hinfahren, obwohl es eh immer die gleiche Richtung ist.
    Wenn man aussteigen will, funktioniert das wie in einem U-Boot. Man ruft dem Schaffner die Haltestelle zu und er ruft es an den Fahrer weiter. Ich steige z.B. immer am Markt aus, also rufe ich 100 Meter vorher „Mercado baja“ und der Schaffner ruft weiter „Mercado baja, Mercadooo!“
    Während des Aussteigens ruft der Schaffner immer zum Fahrer „baja baja baja baja“, bis der Letzte runter ist. Wenn er das nicht macht, startet der Fahrer eventuell los, wenn noch Leute am Ausstieg sind. Sind dann alle ausgestiegen, ruft der Schaffner „Vamos“ und weiter geht die Fahrt.
    Die Busfahrer sind meist Eigentümer der Busse und fahren auf eigene Rechnung. Darum biegen sie auch schon mal in eine Straße ein, um jemanden aufzusammeln, oder sie legen den Rückwärtsgang ein, wenn jemand hinterherrennt. Der nachfolgende Verkehr muss halt dann ausweichen.
    Wirklich schlimm ist manchmal, wenn zwei Busse zeitgleich ankommen. Weil die meisten Leute in den vorderen Bus einsteigen, versuchen beide Busfahrer jeweils der Erste an den größeren Haltepunkten zu sein. Also liefern sie sich regelmäßig Rennen. Es wird links überholt, auch wenn Gegenverkehr kommt. Ist rechts mal ein befahrbarer Sandstreifen, wird eben außerhalb der Straße rechts überholt. Wenn jemand aussteigen will, muss er aus dem rollenden Wagen springen, damit der Fahrer nicht zu viel Geschwindigkeit einbüßt.
    Einmal bin ich vorn, neben dem Fahrer gesessen. Das mache ich nie wieder. Wenn man erst mal alles sieht, wie die fahren und wie oft man knapp an einem Unfall vorbei schrammt, da stirbt man tausend Tode!
    Nun gut, bisher hab ich überlebt und die Zeit hier ist super. Wenn ich dran denke, dass ich in sieben Wochen wieder nach Deutschland soll, werd ich schon schwermütig.
    Anbei mal ein Foto vom Bus, mit Schaffner in der Tür.
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    Geändert von DaltonDK_70 (16.01.2012 um 03:15 Uhr)
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  4. #74
    DaltonDK_70 ist offline Poker Profi
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    In den letzten 6 Wochen lief es pokertechnisch leider nicht mehr so gut, wie die Monate zuvor. Ein Down mit etlichen Suckouts hat meine Hourly auf 14 Euro schrumpfen lassen und am Ende standen "nur" noch 1000 Euro in 6 Wochen zu Buche. War wohl der Ausgleich, nachdem ich im Monat zuvor mein Rekordergebnis von 2000 Euro erzielt hatte.

    Dafür ging es mir privat um so besser.

    Neulich war ja Karneval und natürlich wird der auch hier gefeiert.

    Hier in Lurin, nahe Lima, gibt es seit ein über 100 Jahren zwei Gruppen, die Bajenos und die Ribenos. Bajenos kommt von baja (gesprochen bacha) und das heißt unten. Die Bajenos sind also die, die unten lebten, sprich näher am Strand.
    Ribenos kommt von arriba, das heißt oben. Das waren die Leute, die näher an den Hügeln lebten. Heutzutage leben die beiden Gruppen durchmischt, aber die Zugehörigkeit zu den Bajenos oder Ribenos wird von Generation zu Generation vererbt. Ist eine Familie Ribenos, dann werden das auch die Kinder und Enkel sein.
    Die Familie meiner Freundin ist Ribenos.

    Wenn nun Karnevalswoche ist, dekorieren viele ihre Häuser und hängen kleine Fähnchen auf, an denen man die Zugehörigkeit erkennen kann. Auf den Straßen, wenn sich zwei Gruppen verschiedener Lager treffen, dann fangen die an, Hohnlieder auf die jeweils anderen zu singen, fast so wie im Fußballstadion. Es ist aber humorvoll und friedlich.

    Jeden Tag gibt es einen anderen Event, wie Livekonzerte, Prozessionen, Feuerwerke etc. Den Höhepunkt bildet dann aber der Umzug.
    Die Organisatoren der Karnevalsgruppe treffen sich hierzu um 6 Uhr morgens mit der Blaskapelle und feiern schon mal vor, mit etwas Frühstück.
    Um 8 Uhr geht die Tour dann los. Die Kapelle marschiert von Haus zu Haus und spielt unentwegt. Die Hausherren müssen rauskommen und mit den Organisatoren einen Tanz tanzen. Währenddessen steht der Rest der Familie auf dem Balkon oder Dach und wirft Wasserbomben auf die Tanzenden und die Kapelle. Oft schütten die auch ganze Eimer runter. Nach dem Tanz schließt sich das Haus der Gruppe an und alle wandern weiter.
    So geht der Zug Straße um Straße und Haus um Haus und sammelt seine Leute ein. An manchen Häusern geben sie Biere und Limonaden aus und hin und wieder werfen sie auch Bonbons runter.
    Die Leute auf den Straßen haben dann noch Farben dabei, die sie sich gegenseitig überall hin schmieren, immer unerwartet aus dem Hinterhalt.

    Dieser Umzug geht bis etwa 17 Uhr und am Ende sind alle total durchnässt und von oben bis unten mit Farbe beschmiert.

    War wirklich mal ne lustige Art, Karneval zu feiern!

    Anbei ein Link, mit Nachrichten vom Karneval. Da bin sogar ich für ne Sekunde zu sehen. Die Qualität ist aber nicht sehr gut und mein Gesicht nicht wirklich zu erkennen.

    Lima: Celebran carnavales en Lurin | Toda la prensa peruana en un solo clic

    Insgesamt habe ich nun in knapp 6 Monaten 6900 Euro mit Pokern verdient und konnte damit meinen kompletten Auslandsaufenthalt finanzieren. Hatte mir ja vorher erfofft, wenigstens einen kleinen Teil durch Pokern wieder rein zu holen, aber dass ich gleich so viel gewonnen habe, ist einfach ein Traum.

    Tja, nun ist es leider vorüber und am 12. März geht der alte Trott wieder los.
    Aber ich hatte die beste Zeit meines Lebens und die kann mir keiner nehmen.
    Und wer weiß, in 2 oder 3 Jahren mach ich das vielleicht wieder.
    Geändert von DaltonDK_70 (01.03.2012 um 19:27 Uhr)
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  5. #75
    DaltonDK_70 ist offline Poker Profi
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    Sitze gerade am Flughafen in Atlanta. Meine Route ist Lima/Atlanta/München.
    Habe leider hier 8 Stunden aufenthalt und insgesamt werde ich 30 Stunden unterwegs sein, bis ich endlich wieder zu Hause ankomme.

    Um mir die Zeit etwas zu vertreiben, habe ich mir Internet gekauft. Kostet hier am Flughafen 8 Dollar für 24 Stunden.

    Natürlich hab ich mich auch gleich mal an die Pokertische gesetzt und in einer Stunde 47 Dollar gewonnen

    Dann war es an der Zeit, etwas zu essen. Ich denke, wenn man mal in den USA ist, sollte man entweder einen Burger oder ein Steak essen. Die Amis sind zwar kulinarische Tiefflieger, aber Burger und Steaks können sie.

    Also in ein Restaurant gegangen und ein 10 oz Steak medium bestellt, mit gegrilltem Gemüse und Kartoffelbrei. Hat verdammt geil geschmeckt.
    Dazu gabs natürlich ein Bier. Leider war hier die Auswahl nicht so prickelnd:
    Bud Light, Miller lite, Corona oder Heineken.
    Habe mich für Heineken, den Einäugigen unter den Blinden, entschieden. Gabs lustigerweise in nem halben Liter Weizenglas serviert...
    Als Nachtisch noch nen Vanille-Käsekuchen, der auch sehr lecker war und nun bin ich voll. Aber ich fühl mich gut, wie in der Werbung:

    Steak 17 Dollar
    Bier 7 Dollar
    Kuchen 7 Dollar
    Zu wissen, dass dieses Menü von "Pokersk21" gezahlt wurde - einfach unbezahlbar

    So, noch 3 Stunden, dann geht mein Flieger nach München....
    If the ocean was whiskey and I was a duck, I´d dive to the bottom and give it a suck.

  6. #76
    Avatar von Zartbitter
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    Vielen Dank für das tolle Tagebuch der etwas anderen Art, ich fands wirklich toll zu lesen was du so erlebt hast.
    „Jede große Revolution, ob sie uns recht oder nicht so recht ist, hat irgendein wesentliches, dringendes Bedürfnis zur Grundlage.
    Sie kommt nicht einfach so aus sich heraus.“
    -Jawaharal Nehru

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