Continuationbetting
Im Pokerterminus bedeutet eine Continuationbet – auch Contibet oder Cbet genannt – nichts weiter als die Fortführung der Preflop-Aggression auf dem Flop.
Am Besten kann man dies durch ein kleines Beispiel verdeutlichen:
Angenommen, wir halten![]()
im Cutoff und es wird zu uns gefoldet. Wir erhöhen bei einer effektiven Stacksize von 100BB auf 3BB und werden nur vom Bigblind gecallt. Natürlich rauschen wir mit unserer schönen Hand komplett am Flop vorbei, der uns diese Karten zeigt:
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Nachdem unser Bigblind als erster agieren muss und zu uns checkt, führen wir unsere Preflop-Aggression weiter fort und setzen eine Cbet in Höhe von 3BB, der Bigblind foldet und wir streichen den Pot ein.
Soweit klingt alles ganz einfach, aber bevor es weitergeht, möchte ich noch das triviale mathematische Prinzip erklären, welches sich hinter diesen Cbets verbirgt:
Mit einer ungepaarten Starthand treffen unsere Gegner – genauso wie wir – nur zu ca. 33% ein Paar auf dem Flop. Das heißt, in den restlichen 67% muss ein Gegner, der sich mit unserer Cbet konfrontiert sieht, stark einen Fold in Erwägung ziehen. Natürlich wird er nicht zu genau 67% auf unsere Bet folden, da er auch hin und wieder mit einem Draw oder gar mit nichts callen wird. Aber unser Gegenüber muss auch gar nicht so oft folden, um uns die Möglichkeit zu geben, profitabel Contibets durchführen zu können. Bei einer Cbet in Höhe des halben Pots, muss unser Gegner nur in über 33% der Fälle folden, damit unsere Spielweise +Ev ist!
Zusätzlich bringt es uns weitere Vorteile, wenn wir Cbets in unser Arsenal aufnehmen:
Wenn wir mit einer starken Hand contibetten, bauen wir damit einen großen Pot auf, sofern wir die Hand nicht direkt gewinnen. Bei einer Cbet mit einem Draw, haben wir die Möglichkeit, den Pot ohne SD mitzunehmen, wenn der Gegner foldet. Falls er jedoch callt, und wir unseren Draw treffen, haben wir den Pot bereits ein wenig angefüttert. Und wenn wir mit einer schwachen Hand betten, können wir auch oft genug einen Pot gewinnen, der uns am Showdown vielleicht gar nicht zugestanden wäre.
Dazu machen wir es für unseren Gegner praktisch unmöglich, unsere Hand annähernd zu erahnen und machen es ihm schwer, Profit aus unserer Spielweise zu ziehen.
Soweit, so gut!
Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie oft wir diese Cbets anwenden sollen bzw. wie hoch diese ausfallen sollten und hier scheiden sich die Geister:
Es existieren zahllose Artikel im Netz, welche empfehlen, einfach immer eine Contibet zu machen – sogar der bekannte Autor Ed Miller schlägt dies in seinem Buch „Poker-Strategien für Internet-Cashgames“ seiner Leserschaft vor.
Zusätzlich raten sehr viele „Pokerschulen“ im Netz dazu, immer die gleiche Höhe für Cbets zu verwenden.
Natürlich möchte ich jetzt keineswegs behaupten, diese Ratschläge seien falsch und damit -EV! Ich glaube sogar, dass diese Spielweise auf den Micros durchaus profitabel sein kann, allerdings bezweifle ich, dass es sich hier immer um die optimale Strategie handelt, da einfach zu viele Faktoren unberücksichtigt bleiben.
Sicher, für einen blutigen Anfänger sind fixe Einsatzhöhen oft eine gute Lösung, da so verhindert wird, dass er seine Betsize von der Handstärke abhängig wählt. Aber auf Dauer geht hier meiner Meinung nach ein wichtiger Bestandteil des schönen Spiels „No Limit Holdem“ verloren, nämlich die freie Wahl der Einsatzhöhe.
Deswegen ziehe ich mehrere Faktoren zu rate, wenn ich mir über eine Cbet Gedanken mache:
-Position
-Flop-Struktur
-Anzahl der Gegner und deren Range
-Spielweise des Gegners/der Gegner
Position:
Eigentlich ein recht einleuchtender Faktor: Wenn wir Position am Flop haben und zu uns gecheckt wird, haben wir schon mal mehr Informationen zu Verfügung und müssen nicht, wie OOP ins Blaue feuern.
Zusätzlich können wir IP nicht am Turn oder River gefloatet werden, weshalb einige bessere Spieler vielleicht eher dazu tendieren, auf unsere Cbet zu folden.
Außerdem erleichtert uns die Position nicht nur, um den Pot am Flop einzukassieren, sondern hilft uns auch im späteren Handverlauf, leichtere Entscheidungen zu treffen.
Deswegen bin ich IP eher zu einer Cbet geneigt, als OOP, wo ich den Großteil meiner Conti-Bets rein for Value reinschiebe.
Flop-Struktur:
Grundsätzlich können mehrere Arten von Flops auf uns zukommen und nun gilt es zu erkennen, wieviele Draws auf so einem Board möglich sind. Umso mehr Draws möglich sind, umso häufiger werden wir einen Call ernten. Aber am Besten erkläre ich das anhand zweier Beispiele:
Wir isolieren mit XX einen loose/passiven Limper im CO und der Rest foldet. Der Flop bringt uns
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Bevor wir uns nun über eine Cbet Gedanken machen, betrachten wir einmal das Handspektrum, mit welchem unser Gegenüber zu einem Call/Raise tendieren würde:
Ax, 7x, evtl. 99-JJ (Wir nehmen an, dass sogar ein loose/passiver Spieler QQ-AA raisen bzw. limp/3betten würde)
Und nun betrachten wir das selbe Szenario auf folgendem Flop:
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Wenn wir uns nun wieder über die gegnerische Handrange Gedanken machen, braucht man eigentlich keinen Doktortitel, um zu erkennen, dass diese auf dem letzten Board um einiges größer ist. Unser loose/passiver Mitspieler wird hier mit jedem Flushdraw, mit jedem OESD, vielleicht sogar mit einem Gutshot und natürlich mit viele Madehands über einen Call oder einen Raise nachdenken und wir besitzen auf dem zweiten Flop eine wesentlich geringere Fold-Equity.
Außerdem möchte ich noch hinzufürgen, dass ein![]()
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– Board besser für eine Cbet geeignet ist, als ein
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– Board, da auf dem A-high-Flop der gegner keine Overcards zu bieten hat und mit einer Hand wie KQs eher folden wird. Auf dem T-high-Flop könnte er mit dieser Hand evtl doch noch callen, in der Hoffnung, am Turn zu hitten.
Und jetzt kommt die Betsize ins Spiel:
Angenommen, ich möchte jetzt auf beiden Flops eine Contibet abfeuern, werde ich auf dem A77o-Flop eine kleinere Betsize wählen, als auf dem drawlastigen Flop.
Ich möchte hier nocheinmal betonen, dass dies völlig unabhängig von meiner Handstärke geschieht! Wenn ich mich auf dem zweiten Flop für eine cbet entscheide, bette ich sowohl mit meinen starken Händen sehr hoch, um maximale Value aus Draws zu generieren, als auch mit einer wertlosen Hand, um hier noch das letzte Quäntchen Fold-Equity herauszupressen.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich in der Realität auf dem 2ten Flop eher nicht bluffen würde, das gegen einen loose/passiven Gegner die Foldequity praktisch nicht mehr vorhanden ist. Hier geht es rein um das Verständnis!
Anzahl der Gegner und deren Range:
Dieser Faktor ist eigentlich selbsterklärend: Umso mehr Gegner in den Pot verwickelt sind, umso geringer die FE auf allen möglichen Flops, da meistens irgendwer etwas getroffen hat.
Die Spielweise des Gegners/der Gegner:
Auch dieser Faktor spielt für unsere Contibet eine Rolle. Gundsätzlich sollte man gegen loose Spieler weniger bluffen, weil sie zuviel callen. Solche Pfeifen überlassen uns ihren Stack sowieso irgendwann mit einem gefloppten Mid-Pair, also können wir einfach stur Valuebetten und auf Bluffs verzichten. Gegen tighte Spieler können wir mehr bluffen, da sie solche Hände ohne mit der Wimper zu zucken wegfolden. Viele hämmern wahrscheinlich ohenhin schon längst wie die Wahnsinnigen auf den Fold-Button, bevor wir überhaupt die Flop-Struktur realisiert haben. Gegen einen 8/5-Setminer kann man sowieso jeden Flop cbetten, da er im Falle eines coldcalls pre fast immer ein kleines Pocket hält und nur in sehr wenigen Fällen sein Set erwischt. Und falls Herr Valium unsere cbet callt, bekommt er nur noch Action, wenn wir sein mögliches Set schlagen können.
Verknüpfung der Faktoren:
Wenn wir nun alle Faktoren berücksichtigen, können wir eine Entscheidung treffen. Das schöne daran ist, dass wir nicht nur unsere Cbet abfeuern (oder eben nicht), weil wir es können – sondern wir wissen den Grund, WARUM wir es machen. Und darauf kommts an!
Gruß,
Joey
EDIT:
Ich wollte diesen Artikel eigentlich noch von einigen Leuten probelesen lassen, aber das ist mir zuviel Aufwand (kann eine PM immer nur an 5 Leute gleichzeitig schicken). Außerdem kann wahrscheinlich nicht jeder dieses Format öffnen...
Stattdessen könnt ihr mir ja noch sagen, was euch daran noch fehlt oder was man noch verbessern kann. Hoffe zwar nicht, dass etwas völlig falsch ist, aber wenn doch, dann bin ich dankbar für Hinweise und Erklärungen.
Dann legt mal los....


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im Cutoff und es wird zu uns gefoldet. Wir erhöhen bei einer effektiven Stacksize von 100BB auf 3BB und werden nur vom Bigblind gecallt. Natürlich rauschen wir mit unserer schönen Hand komplett am Flop vorbei, der uns diese Karten zeigt:



– Board, da auf dem A-high-Flop der gegner keine Overcards zu bieten hat und mit einer Hand wie KQs eher folden wird. Auf dem T-high-Flop könnte er mit dieser Hand evtl doch noch callen, in der Hoffnung, am Turn zu hitten. 
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