Stellen wir uns mal vor du befindest dich in einem fußballspiel. Du bekommst einen Freistoß aus 20 Metern zugesprochen. Als du gerade anlaufen willst, fällt dir plötzlich auf, daß der Torwart weder Arme noch Beine hat (warum er dann Torwart ist, ist ne andere Frage. Vielleicht ist er den Sohn des Präsidenten oder der Verein ist einfach pleite). Was machst du jetzt?
Versuchst du den Ball mit einem perfekten Schlenzer in den Winkel zu schießen oder schiebst du ihn einfach langweilig und sicher flach und mittig ins Tor.
Gegen Olli Kahn wäre das erste sicher die beste Variante, weil er den zweiten ball einfach fangen und dich auslachen würde. Bei unserem Torwart ohne Arme und Beine sieht das allerdings anders aus. Ich würde den sicheren weg wählen, da mir bei ersterem die gefahr zu groß wäre, am Tor vorbei zu schießen.
Was hat das ganze jetzt mit Poker zu tun?! Viel!
Denn hier ist der beste Spielzug schlicht und einfach der, der die Fähigkeiten des Gegners miteinbezieht. Ich bin der festen Überzeugung, daß viele eigentlich gute Spieler auf den Mikros verlieren, weil sie ihren Gegner zu oft behandeln, als müssten sie einen Freistoß gegen Olli Kahn schießen. Das wird oft noch dadurch verstärkt, daß starke Spieler in Pokerforen und Gesprächen sich oft über langweilige ABC-Spielzüge lustig machen. "LAL FISH, Overbet mit AA am Flop, offensichtlicher geht es ja nicht mehr".
Der beste Move ist aber nunmal nicht der, der in Foren zu großem Beifall führt. Auch nicht der, der perfekt wäre, wenn man annimmt, daß der gegner genauso spielen würde, wie man selbst. Der beste Move ist der, den sich am besten an den Gegner anpasst. Wie in der Evolution...
Level-0-Denker
Wenn dein Gegner ein "Level-0-Denker" ist (z.B. ein 70/0/0 der mit jedem Paar alles callt und bei verfehltem Flop foldet), und du hast einen Flushdraw. Solltest du jetzt den starken Move auspacken, den du gestern bei Negreanu gesehen hast? Einen megastarken Semibluff auspacken? Einfach bis zum River checken und dann allin gehen wenn man trifft ist doch Fischplay hoch 10, das hast du gestern noch im Forum gelesen!
Viel zu offensichtlich? Nein! Du nutzt einfach nur das Level 0 Denken deines Gegners ("Was habe ich auf der Hand") aus, indem du einfach genau ein Level weiterdenkst als er "Was hat er auf der Hand?").
Viele gute Spieler versagen auf niedrigem Niveau, weil sie mehr als ein Level über ihrem Gegner denken. Der Gedanke "Der muß mich in dem Spot auf jeden Fall auf einem Flush haben, so wie ich gespielt habe. Also perfekter Spot für einen Bluff mit Air" wäre Level 2 ("Was denkt er was ich habe?") und gegen einen Erfahrenen Spieler (perfekt wäre ein Level-1-Denker) wohl ziemlich gut. Der würde denken "Der muß hier eigentlich den Flush getroffen haben, schade, jetzt muß ich meine Pocket Rockets folden". Der Level-0-Esel wird allerdings etwas anderes denken, nämlich "Cool, ich hab AA auf der Hand und der Gegner geht allin! Snapcall!".
Was will ich damit sagen: Denkt nicht zu oft zuviel nach. Und lasst euch nicht von Kommentaren in Foren verunsichern, die euer Spiel als zu offensichtlich brandmarken. Diese Leute mögen gute Spieler sein, aber sie kennen weder euren Gegner noch die Tischdynamik. Wenn ihr einen Gegner habt der auf 5000 Hände 100% vpip hat, dann pusht eben einfach preflop Allin mit AA. Völlig egal ob ihr 500 BB deep seid und nur 2 BB im Pot liegen. Einem solchen Gegner ist das auch egal...
(Ja, mir war langweilig!)


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