Hi Leute!
Bevor ich anfange, gibts eine kleine Zusammenfassung von meiner bisherigen Spielweise und die kleine "Vorgeschichte"... (damit man die Grundlagen für das Thema hat^^)
Also:
-Das Thema betrifft NL2 SH auf Everest
-Meine Spielweise war bisher "straight forward" (fast keine Bluffs usw...)
-Ich betreibe extrem tightes BRM (50 Stacks+)
-Vor kurzem habe ich die stats meiner ersten 5k Hände mit dem HEM hier im Forum gepostet und einige (sehr hilfreiche) Feedbacks von euch erhalten.
So!
Mit diesen Rückmeldungen (Aggressiver sein, weniger SD, etc.) bewaffnet setzte ich mich wieder an die Tische und versuchte, die Ratschläge auch umzusetzen. Mit mäßigem Erfolg:
Der Gewinn passte zwar noch, aber an den Werten hatte sich nach weiteren 5k Händen nicht wirklich viel verändert.
Vl werdet ihr jetzt denken: "Ja wenn er mit seinem Gewinn zufrieden ist, dann passt doch alles?", aber ich will ja nicht stehen bleiben auf meinem Level und weiterhin meine Skills verbessern.
Denn darum geht es mir hier "unten" auf NL2 hauptsächlich! Der Gewinn steht eher im Hintergrund, da ich damit höchstens meine täglichen Zigaretten finanzieren könnte^^
Ich glaube, ihr wisst, was ich sagen will...
Also dachte ich lange nach und suchte (und suche immer noch^^) die perfekte Strategie für mein Limit und natürlich für mich.
Nur gibt es da ein paar Probleme:
-Auf diesem Level sind die Gegner selten "thinking Players". Sie spielen einfach nur Ihre Karten und machen sich eher wenig Gedanken über andere Spieler. Das macht es schwer, einen anderen Stil als den klassischen TAG anzuwenden, da andere (und loosere) Stilformen eher mir anderen Werkzeugen arbeiten als der reinen Mathematik. Z.B.: spielt hier das Table-Image eine große Rolle. Aber wenn man hier auf NL2 weder ein tightes noch ein looses Image hat, sondern einfach gar keins, kann man auch schwer damit arbeiten...
Dann erinnerte ich mich an die Zeit, als ich erst angefangen habe zu pokern:
Damals machte ich mir auch schon immer brav Spielernotizen und irgendwann stellte ich folgendes fest: bei ca. 90% der Spieler, von denen ich Notizen machte, stand folgender Eintrag: "Maniac!!!"
Was sagt mir das?
Von all meinen Gegner erkannte ich mit meinen damals bescheidenen Fähigkeiten am schnellsten den Spielertyp "Maniac" (ok, damals ordnete ich vl auch den einen oder anderen LAG dazu ein). Schon nach einem kurzen Beobachtungszeitraum hatte so einer eine Notiz dran hängen.
Also dachte ich mir: "Wenn ich damals einen Maniac als solchen erkannt habe, warum sollen nicht auch die ganzen anderen Spieler heute einen Maniac erkennen?"
So kam der Maniac-Style in meine engere Auswahl...
Aber ich war mir dessen bewusst, dass es nicht leicht sein wird, mir diese Spielweise anzueignen. Ich wollte ja kein "schlechter" Maniac werden, wie viele andere, sondern ein "guter" Maniac, der beachtliche Gewinne erzielt!
Und da man ja teilweise von der "richtigen" mathematischen Theorie abweicht, sollte man in den anderen Gebieten umso besser sein.
Was muss ich also beherrschen, um ein guter Maniac zu sein?
-Positionsspiel!
Da ich als Maniac meistens als Außerseiter in die Hand einsteige (oder sogar erhöhe), muss ich in der Lage sein, meine Position voll und Ganz zu meinen Gunsten auszunutzen! Hier war mir durchaus bewusst, dass ich da noch (wahrscheinlich wie viele andere) massenhaft Leaks hatte bzw. habe, aber für NL2 traute ich es mir eigentlich schon zu (zumindest nur zum austesten)
-Postflopskills:
Hier lag eher der Knackpunkt: Ich wusste, dass hier das Hauptproblem an meinem Spiel lag. Vor Allem der Turn war bisher mein Kryptonit. Aber mit meiner bisherigen Spielweise konnte ich meine Postflopskills nicht wirklich gut verbessern, da ich mit dieser solchen Situationen einfach aus dem Weg ging.
Dadurch litt leider auch mein Lernfortschritt gewaltig, und deswegen überlegte ich mir, ob ich meine Postflopskills nicht mit "Learing by doing" verbessern könnte. Und mit dem Stichwort "Kryptonit" kommen wir auch schon zum nächsten Punkt.
-Die Schwächen der Gegner kennen. Da ich als Maniac nicht wirklich einen SD sehen will (außer ich halte eine sehr starke Hand), muss ich wissen, wo die Schwächen meiner Gegner liegen, um sie erfolgreich ausmanöverieren zu können. Und um diese zu erkennen, reicht es nicht, wenn man sich nur die Stats vom HEM anzeigen lässt, sondern man braucht eine gute Beobachtungsgabe.
Es klingt jetzt vl etwas arrogant, aber hier hatte ich eher weniger Bedenken, da ich vorher lange ohne HEM gepokert habe und mir diese Fähigkeiten sozusagen "gezwungenermaßen" schon relativ gut selbst beigebracht habe (naja.. Auch das eine oder andere Büchlein wird mir hier etwas geholfen haben^^)
-tightes BRM! Diese Voraussetzung brachte ich schon von Haus aus mit, aber trotzdem finde ich, dass das ein sehr wichtiger Faktor ist, um als Maniac erfolgreich zu sein (oder überhaupt, wenn man etwas neues ausprobieren möchte). Als Maniac muss man ja ständig schwere Entscheidungen treffen und das wirkt sich wiederum auf die Varianz aus.
-Die Einstellung zum Geld. Diesen Punkt habe ich erst erkannt, als ich schon angefangen habe, als Maniac zu spielen, aber er ist nicht unwesentlich. Man muss dazu fähig sein, seine chips und damit auch sein Geld als Waffe einzusetzen. Und das funktioniert nur mit der richtigen Einstellung dazu.
(Hier fällt es mir ehrlich gesagt etwas schwer, die richtigen Worte zu finden, aber ich hoffe, ihr wisst, was ich meine. Falls nicht, werde ich es einfach nochmal versuchen)
- Und natürlich kommen auch die ganzen "üblichen" Punke dazu:
Man muss wissen, wenn man geschlagen ist
Man soll gewisse Hände (AA, KK,...) nicht überspielen
Man muss (auch als Maniac^^) in der Lage sein , gute Laydowns zu machen
etc,
etc,
...
Nachdem ich mir also diese Punkte überlegt habe, erkannte ich natürlich, dass ich noch nicht alle Voraussetzungen komplett erfüllte, aber ich probierte es schlussendlich trotzdem.
Meine Erfahrungen als Maniac:
Am Anfang traute ich mich noch nicht so wirklich, richtig auf den Putz zu hauen und hatte eher stats eines LAGs. Doch mit der Zeit wurde ich immer Aggressiver und jetzt habe ich in den meisten Sessions in etwa 40/35/8.0.
(hoffe, es stimmt so: Vpip/Pfr/AF)
Auch der WtSd-Wert nimmt ständig ab: Hier habe ich meist so um die 20.
Auch meine größte Befürchtung, dass es sich wegen der vielen CS auf diesem Limit eventuell nicht rendieren könnte, diese Taktik anzuwenden, bewahrheitete sich gottseidank nicht. Der Schlüssel liegt auch gegen CS offenbar in der Aggressivität und im genauen beobachten...
Ich spiele jetzt seit gut 10k Händen diesen Stil und bereits jetzt habe ich spürbare Lernfortschritte bei meinem Postflop-Game. Die Erfahrung, die ich jetzt in nur einer Session sammle, hätte ich mit meiner "alten" Spielweise nicht in 100 Sessions erlangt. Auch das Feingefühl wird immer besser! Außerdem ist ein gutes Training fürs Gedächtnis: Immerhin muss man sich soviele Moves der Gegner merken, wie man kann^^.
Mein "Maniac-Starthandchart" (<-- LoL):
Eigendlich hat man hier keine Richtige Tabelle, sonst wär man ja kein Maniac. Aber es gibt hier doch einige kleine Punkte, die ich beachte:
Grundsätzlich spiele (erhöhe) ich jedes Blatt mit einer Broadway, wenn ich damit eine Strasse floppen kann. Also K9o+, Q8o+, J7o+
Jeden connector, jeden one-two und threegaper (threegaps eher late) zwischen 3 und 10, egal ob suited oder nicht.
Mit kleinen Assen sollte man hier etwas vorsichtiger sein, weil man damit am Flop meistens ein Kickerproblem hat. Hier spiele ich nur A2s+, wegen Flush Value, aus early aber eher A8s+. Bei K9o+ hat man hier oft ähnliche Situationen, aber ich hab trotzdem das Gefühl, das ich damit noch +ev bin.
Und dann natürlich jedes PP und die Premium Hände.
(Mann, gar nicht so einfach, meine Preflop Range aufzuschreiben...^^)
Das wäre jetzt mal eine grobe Zusammenfassung meiner Range, aber davon weiche ich auch oft ab. Aus early + Blinds spiele ich eher tighter (oder besser: nicht soo loose). Hier fallen K9o+, Q8o+ , J7o+ und wie oben gesagt, die suited Baby-Asse weg. K9s+ Q8s+ und J7s+ je nach Gegner...
Auch viele Limper grenzen meine Range leicht ein, aber nicht so stark. Ich raise meist 4BB + 1/Limper und damit dezimiert sich das Feld meist noch recht stark.
Einen Preflop raise calle ich sogut wie nie (außer eben PP auf Set-Value). Hier wechsle ich auch am Flop gegen TAGs wieder in meine alte Spielweise.
Grundsätzlich hätte ich einfach den berühmten Spruch "Es kommt darauf an" hier hin schreiben können, aber so habt ihr zumindenst eine Ahnung von meinem Preflop Game...
Wie ihr seht, ist das Preflop game als Maniac schon ein weites Feld und jetzt detailliert auf das Postflop-Game einzugehen, würde jeden erdenklichen Rahmen sprengen. Wenn man mit den oben genannen Händen zum Flop kommt, kann es zu fast jeder erdenklichen Situation kommen, aber mit der Zeit wird man immer besser und wählt immer öfter die richtige Option...


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