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Thema: Handreading

  1. #1
    Avatar von nAIm
    nAIm ist offline Poker Star
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    Standard Handreading

    Ich habe in einem anderem Forum gerade etwas über Handreading geschrieben weil ich 2000 Posts erreicht habe, ich finde es ist gar nicht so schlecht geworden deshalb poste ich es auch mal hier.


    Handreading


    Es ist wichtig zu wissen gegen wen man antritt um schon von vornherein ein Bild davon zu haben welche Hände der Gegner spielt und wie er sie spielt. Deshalb beginnt Handreading schon bevor die Karten überhaupt ausgeteilt werden, mit der Informationsbeschaffung.



    Informationen


    Stats sind ein guter Anfang, sie sind für das Handreading wichtig, es gilt allerdings zu beachten, dass sie vor allem preflop und am Flop hilfreich sind um Entscheidungen zu treffen, in den späteren Straßen sind andere Faktoren wichtiger. Auch Stats sind nur Durschnittswerte und sie geben nur die Tendenz wieder.

    Verwendet man HM, PT oder PO und trifft auf seinem Limit regelmäßig auf die gleichen Spieler, lohnt es sich die Stats dieser Spieler genauer anzusehen und dann Notizen zu machen.

    - Welche Hände spielt er in welchen Positionen?
    - Welche Hände hat er in einem großen Pot am Showdown?
    - Was ist seine reraising Range?
    ...

    Bei fast jeden Pokeranbieter gibt es die Möglichkeit Notizen zu machen, dass sollte man sehr ausgiebig nutzen. Ein Showdown kann einem mehr über die schwächen und stärken eines Spielers verraten als Stats von 1000 Händen.

    Die Notizen sollten aussagekräftig sein. Früher habe ich dazu geneigt einfach nur Notizen wie "Donk", "CS" "weak" zu machen, mittlerweile sehen sie eher so aus: "limpcallt JT UTG gegen BTN raise, callt Flop + Turn auf KJxx board". Ist man wieder in einer Hand mit diesen Spieler ist man über so eine Notiz dankbarer als über ein simples "CS"

    Wenn man keine Stats von Spielern hat aber auch wenn man sie hat, ist es sinnvoll zu wissen wie sich ein durchschnittlicher Spieler Verhält. Hier gibt es verschiedene Tendenzen je nach Limit, Pokerseite und sogar Nationalität. Franzosen, zum Beispiel, sind die geborenen Callingstations.

    Ein weiterer Punkt den man in Betracht ziehen sollte, ist die Action am Tisch ist.

    - Gab es mehrere große Pötte, spielt mein Gegner deshalb jetzt etwas Looser? Sind die Leute in der Stimmung mehr zu gambeln?
    - Flaut die Action ab? Werden die Leute gerade etwas tighter?
    - 3bettet mich der SB jetzt mit mehr Händen weil ich ihn öfter vom BTN raise?


    All diese Infos können später sehr Hilfreich sein. Aber nun zum eigentlichen handreading anhand einiger Beispiele.




    Prefloprange

    Nur selten gelingt es einen Villian auf exakt eine Hand fest zunageln, in der Regel gibt man ihm am Anfang der Hand eine Range und je nachdem wie der Villian spielt nimmt man dann einige Hände aus dieser Range, dazu nachher mehr. Nun erstmal Preflopranges.


    $0.50/$1 No Limit Hold'em - 6 players

    SB: $100.00
    BB: $29.50
    UTG: $223.55 22/18/3 Note: Thinking Player
    MP: $97
    CO: $211.70
    BTN: $122.45


    Pre Flop: ($1.50)
    UTG raises to $3.50

    Der pfr von 18 besagt das Villian Hände wie 22+, Axs, AT und Suited Connectors raist. Allerdings gibt es Unterschiede in den Positionen, UTG fallen oft suited Connectors und schwächere Asse weg und werden von mehr Suitet Connnectors, JTo KTs etc. Händen ersetzt.

    Weil Villian UTG ist, reduzieren wir nun also seine Range auf 22+, KQs, AJ+, ATs+

    Preflop ist es am leichtesten die Range des Villians zu bestimmen, hat man dem Villian erstmal eine Range gegeben ist es wichtig diese Postflop nicht mehr zu erweitern nur weil man nicht darauf kommt mit welcher Hand seiner Range ein Villian einen bestimmten Move macht, das führt nur zu Fehlern. Aus diesem Grund ist es wichtig schon preflop die Spieler genau auf eine Range zu setzen. darum noch ein Beispiel:

    $0.50/$1 No Limit Hold'em - 6 players

    SB: $100.00 40/6/0.8
    BB: $29.50 18/15/2.5
    UTG: $223.55
    MP: $97
    CO: $211.70
    Hero (BTN): $122.45

    3folds, Hero raises to 3,5$,

    Hier gibt es jetzt schon sehr viel mehr zu beachten, am Button lohnt es sich so gut wie immer Looser zu spielen. In diesem Fall ist ein TAG im BB dem man hier oft vom den BB stehlen kann und eine Callingstation im SB die man hier gleichzeitig durch einen raise sehr oft isoliert.

    Der BB wird hier in der Regel eine viel tightere Range spielen als der UTG im vorherigen Beispiel.

    Gehen wir davon aus das der BB ein Winningplayer ist und sein Spiel anzupassen kann. Wenn der SB foldet besteht die Range vom BB überwiegend aus Premium Händen und aus Pocket Pairs zum Setmineing. Wobei er die Premium Hände hier öfter 3bettet und mit den PP´s öfter callt. Das heißt allerdings nicht das er bei einem Call nur PP´s hat, er ist hier auch in der Lage, Premium Hände nur zu callen um uns auf das Glatteis zu führen, deshalb fallen Premium Hände nicht aus der Range wenn er nur callt, allerdings werden sie schwächer gewichtet als die Pocket Pairs.

    Nun wie sieht es aus wenn wir sehr oft vom BTN raisen? Wir gehen davon aus das der BB in der Lage ist sein Spiel anzupassen. D.h. Er wird anfangen mit mehr Händen 3Bets zu machen, Ax Hände vielleicht sogar Suited Connectors. Die Lehre daraus ist, das sich die Range von Spielern verändern kann, dies trifft vor allem auf gute Spieler zu. Nun beziehen wir noch den SB, die Callingstation in unsere Überlegungen ein. Der BB hat Position auf den SB und deshalb kann er auch mit einer Looseren Range callen, wenn der SB callt, bzw. auch mit einer Looseren Range 3betten.

    Ich sage „kann“ weil sehr viele Spieler ihre Range nicht anpassen, auch dies gilt es zu beachten.

    Genug dazu.




    Postflop Handreading

    Handreading funktioniert in zwei verschiedene Richtungen. Einmal vorwärts, das ist wie wir es bisher betrachtet haben und dann funktioniert es noch Rückwärts am besten lässt dich das an einem Beispiel erklären.


    $1/$2 No Limit Holdem
    5 players

    Stacks:
    Hero (UTG) ($292.25)
    CO ($379.40) 20/14/1.5
    BTN ($200.10)
    SB ($248.20)
    BB ($547.65)

    Pre-flop: ($3, 5 players) Hero is UTG 9 9
    Hero raises to $7, CO calls $7, 3 folds

    Flop: 9 8 2 ($17, 2 players)
    Hero bets $12, CO calls $12

    Turn: A ($41, 2 players)
    Hero bets $28, CO calls $28

    River: 7 ($97, 2 players)
    Hero bets $60, CO raises to $210,

    CO hat hier preflop eine sehr große Range, bestehend aus 22+, Ax Hände, Suited Hände, Suited Connnectors und Connectors.


    Jetzt stellt sich die Frage was hat der Villian hier? Nun kann man nach dem Ausschlussverfahren vorgehen. Mit Händen wie Ax (selten), Sets, Two Pair sowie Straight- und Flushdraws kann er hier bis zu dem River callen. Das ist allerdings noch eine ziemlich weite Range, der Push in Verbindung mit dem niedrigen AF sagt das der CO hier mit großer Wahrscheinlichkeit weder Ax Hände, noch Two Pair pusht, auch sagt der AF das der Villian hier den River nur sehr selten blufft auch wenn es eine ganz gute Karte dafür ist, die Möglichkeit eines Bluffs kann man allerdings auch nicht ganz aus der Range ausschließen, unsere Line könnte für den Villian auch nach AK/AQ aussehen mit dem der Flop gecebettet und der Turn getroffen wurde. Deshalb kann man die Möglichkeit für einen Bluff mit um die 10% Wahrscheinlichkeit in seine Range einbeziehen. Nun was ist mit den Sets. Er könnte hier ein 44, 88 und AA haben. AA hätte selbst ein passiver Spieler in dieser Hand am Flop reraist, deshalb ist diese Hand am unwahrscheinlichsten. Das 4er und das 8er Set schlagen wir und Villian hat es auch oft am River, doch würde er es reraisen? Unwahrscheinlich. Deshalb Schätzen wir die Wahrscheinlichkeit für ein Set auf maximal 15%.

    Was übrig bleibt sind die Straight und der Flush, wobei man hier klar Gewichten muss das die Straight hier wahrscheinlicher ist als der Flush den würde der Villian hier mit einer Hand wie 54:club callen? Oder Ax? Unwahrscheinlich doch auch das Flush kann man nicht ausschließen. Hände wie 10J können den Flop callen.

    Doch was ist wenn der Villian statt einen AF von 1.5 auf einmal einen AF von 3.5 hätte? Die Wahrscheinlichkeit das er hier am River blufft ist höher aber die Wahrscheinlichkeit, das er hier 88, 99, AA hat wird gleichzeitig kleiner, den ein aggressiver Spieler würde diese Hände oft schon am Flop oder Turn raisen, weil das Board viele Draws ermöglicht.

    Nun noch eine letzte Annahme, diesmal hat Villian wieder einen AF von 1.5 , Hero bettet den River hier nicht und CO bettet.

    River: 7 ($97, 2 players)
    Hero checks, CO bets $80,

    In diesem Spot kann Villian hier einen großen Teil seiner Range betten. Missed Draws, Ax (als Bluff) Sets, und natürlich auch bessere Hände wie Flush und Straights. Das Villian hier mit schlechteren Händen eine Bet macht ist viel wahrscheinlicher als im ersten Beispiel.
    Geändert von nAIm (09.05.2009 um 18:24 Uhr)

  2. #2
    Avatar von nAIm
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    Der Showdown

    Es endet, wie es angefangen hat, mit dem Sammeln von Informationen. Mit jedem Showdown bei dem man die Hand eines Spieler sieht, sieht man auch wie er Hände dieser Art spielt. Ich habe hier jetzt viel anhand von Stats erklärt doch diese helfen einem nur dabei herauszufinden welcher Spielertyp einem entgegensteht. Bei dem lesen von Händen kommt es vor allem darauf an zu wissen wie verschiedene Spielertypen, verschiedene Hände in verschiedenen Spots spielen. Das zu lernen braucht vor allem eines, Zeit. Je mehr Showdowns man sieht desto genauer kann man mit der Zeit die Ranges von Spielern ermitteln und bestimmte Hände ausschließen oder eben auch Hände nicht ausschließen. Deshalb ist der beste Ratschlag den ich nach all dem hier geben kann, aufmerksam das Geschehen während des Spiels zu verfolgen und im Forum Hände posten sowie lesen. Das Forum hat den Vorteil das man mehr Zeit hat und die Ergebnisse später auf das Spielgeschehen übertragen kann. Den was am Ende zählt ist vor allem die Erfahrung. Handreading heisst learning bei doing.

    So far, Naim
    Geändert von nAIm (09.05.2009 um 18:23 Uhr)

  3. #3
    HumanPlayer ist offline Angler
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    Guter Artikel, aber

    Zitat Zitat von nAIm Beitrag anzeigen
    Hände wie 10J können den Flop callen oder aber auch 89
    89 kann nicht callen, da:

    Zitat Zitat von nAIm Beitrag anzeigen
    Flop: 9 8 2

  4. #4
    Avatar von nAIm
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    Stimmt, danke. Hab ich übersehen.

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