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Alt 27.12.2006, 23:59
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Standard kleine Pocket Pairs

Hier ein sehr guter Artikel über kleine Pocket Pairs von PokerOlymp.de

Zitat:
Wer kennt es nicht: Man erhöht vor dem Flop mit einem hübschen Paar Asse und ein Gegner erdreistet sich, mitzugehen. Auf dem harmlosen 7♣3♥2♦ Flop wird fröhlich gesetzt, der Gegner erhöht und all unser Geld landet im Pot. Fisch im Netz? Nein, der Fisch zeigt 22 und hat durch unverschämtes Glück einen Drilling getroffen!

In diesem Artikel will ich der Frage nachgehen, unter welchen Bedingungen es sich lohnt, Jagd auf einen solchen Drilling zu machen und wie allgemein mit kleineren Paaren (22-77) vor dem Flop zu verfahren ist. Ausgegangen wird dabei von einem der derzeit sehr populären No Limit 6erTische mit €1/2 Blinds.

Eines vorweg: Im No Limit sind kleine Paare starke Hände! Die Möglichkeit, einen Drilling zu treffen und einem ahnungslosen Gegner damit seinen ganzen Stack abzunehmen, rechtfertigt es, sie aus (fast) allen Lagen zu spielen und selbst zu raisen oder raises zu callen. Damit unterscheiden sie sich strategisch stark vom Limit Holdem, wo es fast immer verkehrt ist, mit einem kleinen Paar einen Raise zu callen.

Nun steht die Chance, einen Drilling zu machen, aber bei 7.5-1 gegen uns. Es gilt daher stets abzuwägen, wie viel wir im Erfolgsfalle gewinnen können (wie viel hat der Gegner vor sich liegen??), was es uns kostet, den Flop zu sehen und ob wir vielleicht auch gewinnen können, ohne einen Drilling zu erwischen. Lassen Sie uns ein paar Szenarien durchgehen:

Erste Situation

Sie sind als Erster im Pot. Wenn Sie die Action eröffnen, empfiehlt sich ein Raise auf 3-4 Big Blinds, also €&nbps;6-8, abhängig davon, was Ihr Standard Raise ist (ich bevorzuge 3BB, aber 3.5 oder 4 sind genauso vertretbar). Ein guter, aggressiver Spieler wird an einem 6er Tisch immer raisen und nicht etwa callen, wenn er als Erster dran ist und seine Hand spielen will. Dies setzt nicht nur die Blinds unter Druck, die den Flop nun nicht umsonst sehen können, Sie mästen auch schon den Pot für den Erfolgsfall. Sprich, Sie können leichter einen großen Pot nach dem Flop aufbauen, wenn Sie denn treffen. Dazu übernenehmen Sie die Initiative und haben vielleicht die Chance, den Pot auf dem Flop durch schlichtes Nachsetzen (einen sog. Continuation bet) zu gewinnen, selbst wenn Sie keinen Treffer haben. Also: Wenn Sie in erster Position 33 finden, raisen Sie!

Zweite Situation

Ein Spieler vor Ihnen raist auf € 6. Er hat wie Sie € 200 vor sich liegen. Sie sind am Button mit 44. Was tun? Sie sollten callen. Ein Fold kommt nicht in Frage, beide Spieler haben genug Geld, dass es sich sehr lohnen könnte, den Drilling zu treffen. Und ein Reraise hat auch Nachteile: Schließlich muss Ihr Gegner nicht brav passen oder callen, er könnte auf die Idee kommen, selbst noch einmal zu raisen. Und das passt Ihnen mit 44 nun gar nicht. Denn vor dem Flop mit 44 gegen AA oder KK um viel Geld zu spielen, ist naheliegenderweise keine gute Idee. Faustregel: Callen Sie einen normalen Raise mit jedem Paar 22-77. Und zwar sowohl in Position (also wenn Sie nach dem Flop nach Ihrem Gegner dran sind) als auch out of Position (also wenn Sie in den Blinds sitzen). Machen Sie sich aber darauf gefasst, sich von der Hand zu trennen, wenn der Flop nicht den erhofften Drilling beschert.

Dritte Situation

Sie raisen auf € 6 mit 55 und ein Gegner erdreistet sich, auf €&nbps;21 zu reraisen. Was tun? Hier fängt es an, knifflig zu werden. Sie müssen ganz genau abwägen, a) wie viel es kostet mitzugehen, b) wie viel Ihr Gegner und Sie vor sich haben und c) was Ihr Gegner für ein Spielertyp ist. Nehmen wir an, Sie haben beide 200 in Ihrem Stack. Es kostet Sie 15 mehr, den Flop zu sehen und Sie können maximal 209 gewinnen, wenn Sie den Flop treffen. Die Chancen auf einen Drilling liegen bei 7.5-1, zu gewinnen gibt es aber 209 für 15, also ca. 14-1. Also ein einfacher call? Leider nicht. Denn es ist ja nicht gesagt, dass Sie immer den ganzen Stack Ihres Gegners gewinnen, wenn Sie treffen. Hat dieser AA oder KK, wird er in der Regel nicht von seiner Hand wegkommen (allerdings auch in 18% der Fälle ein höheres Set treffen, oder anders bis zum River eine bessere Hand machen und Sie verlieren alles). Aber wenn er nun AK hat und den Flop verpasst? Hier wird er wohl kaum seinen ganzen Stack wegwerfen. Ebensowenig wenn er JJ hat und der Flop A-5-2 kommt. Was lehrt uns das alles? Zum Einen kann es komischerweise besser sein, den Reraise zu callen, wenn Ihr Gegner sehr tight ist und nur mit AA-QQ erhöhen würde. Denn die Chancen, ihm alles abzunehmen stehen besser als gegen jemanden, der auch mit AK, AQ oder JJ reraisen würde. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Position. Wenn Sie nach dem Flop in Position sitzen, werden Sie vielleicht auch manchmal gewinnen, selbst wenn Sie den Flop verpassen, etwa weil Ihr Gegner aufgibt und auf dem Flop nicht nachsetzt. Out of Position ist dies sehr viel schwieriger.

Falls ich Sie nun völlig verwirrt habe, eine Faustregel zur Wiedergutmachung: Sie können mit einem kleinen Pocket Pair bis zu 8% Ihres Stacks vor dem Flop investieren, um auf Drillingsfang zu gehen. Wenn Sie mehr zahlen müssen, wird die Jagd zu teuer und Sie sollten passen. Obiges Beispiel ist somit ein Grenzfall, Call oder Fold nimmt sich nicht viel.

Frohe Weihnachten und viele Drillinge!

Jan Gustafsson
Quelle: PokerOlymp - No Limit Holdem: Was tun mit kleinen Paaren?

Geändert von nAIm (28.12.2006 um 00:03 Uhr).
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