Die Online-Kasinos wehren sich, so gut es geht. Mitarbeiter spähen nach Spielern, die sich auffallend mechanisch verhalten. Verdächtige werden aufgefordert, eine bestimmte Zeichenfolge einzutippen. Bleibt die Antwort aus, fliegen sie aus dem Spiel. Die Gegenseite hat die Aufforderung zum Wettrüsten angenommen. Die Schwindler lassen ihre Pokerbots einfach häufiger von Tisch zu Tisch wechseln, damit ihnen niemand auf die Schliche kommt.
Schaeffers Gruppe in Kanada forscht unterdessen schon an der nächsten Generation des Pokercomputers. Er soll schwache Spieler gründlicher rupfen. Mit der Spieltheorie allein geht das nicht. Die ist nur dafür gut, dass der Computer möglichst keine Fehler macht - immer angenommen, auch der Gegner spielt optimal. Wenn er aber dumm ist, erkennt die Spieltheorie keinen Vorteil. Folge: Der Computer gewinnt weit weniger als möglich.
Die Kanadier erproben deshalb eine neue Software, die den Gegner taxiert. Der Computer merkt sich, mit welchen Karten der Spieler jeweils riskant oder zögerlich umgeht. Zeigt er Schwächen, passt der Computer sein Vorgehen an.
KI-Forscher Sandholm in Pittsburgh ist skeptisch: "Alle Gegnermodelle haben einen Nachteil", sagt er. "Sie lassen sich in die Irre führen." Ein Spieler könnte sich ängstlich stellen und den Computer aus der Reserve locken, um ihn dann schonungslos auszunehmen.
Sandholm setzt lieber auf die schiere Mathematik des Pokerns. "Der Vorteil ist, dass uns nur die verfügbare Rechenleistung Grenzen setzt. Je schneller die Chips werden, desto besser das Spiel." Lang wird es nicht mehr dauern, meint der Forscher, bis die ersten künstlichen Kartenhaie den Weltmeister des Menschengeschlechts bezwingen - "eher Jahre als Jahrzehnte".
Auch Kollege Schaeffer in Alberta träumt schon von der finalen Partie Mensch gegen Maschine. "Ich wäre gern dabei", sagt Schaeffer, "wenn der Computer plötzlich den Einsatz um 100.000 Dollar erhöht und dem menschlichen Gegner der Schweiß ausbricht."
ENDE
musste es auseinander ziehn weil mehr als 10000 zeichen
