Norweger, Holländer, Italiener, Franzosen und sogar schon ein Gynäkologe haben es zu High Stakes Poker geschafft, nur deutsche Spieler waren in der besten Pokersendung noch nicht zu sehen, und deutsche Gynäkologen erst recht nicht. Natürlich spielt es bei High Stakes Poker keine Rolle, wer aus welchem Land kommt, schließlich ist High Stakes Poker keine Weltmeisterschaft. Nur ein Cash-Game mit schön großen Pötten, die den Normalverdiener vor der Flimmerkiste das Schaudern lehren. Dwans Riverbet ist so groß wie dein Einkommen in zehn Jahren? Kann schon mal vorkommen, schockt aber vermutlich keinen mehr in diesen schrägen Zeiten, in der die Krise boomt und es in den Nachrichten Tag für Tag um Milliarden für Banken oder Staaten geht. Nehmen wir also an, es geht um gutes, ehrliches Poker, irgendwo angesiedelt zwischen Geschick und Zockerei. Also, wie wäre es mit einer kleinen Seitenwette, wer nämlich der erste Deutsche bei High Stakes Poker sein wird?

 

Die Auswahlkriterien, wer warum eingeladen wird, sind nicht so richtig transparent. Sie erklären sich aber ungefähr aus der Zusammensetzung der letzten Jahre. Die Mischung lautet in etwa: Viele große Namen wie Ivey, Brunson, Negreanu, Esfandiari oder Elezra, dazu die eine oder andere Cash-Cow wie Guy Laliberte, Jerry Buss oder eben der Gynäkologe Amir Nasseri und schließlich die aufstrebenden Spieler mit guter Bankroll, einem entsprechenden Marketingeffekt für die Show, die Spieler selbst und das Spiel im jeweiligen Land. Ein Schuss Persönlichkeit gehört auch dazu. Und wer hinter den Kulissen über die Besetzung mitredet, darüber lässt sich nur fantasieren. Ich wäre gerne mal dabei.

In der letzten Staffel, der Nummer 6, jedenfalls waren unter den Newcomern viele Europäer. Der Norweger Andreas Hoivold, Gewinner der EPT Dortmund 2007, trat an gegen sein Idol Phil Ivey und holte sich eine ordentliche Tracht Prügel. FELTED. Der Holländer Lex Veldhuis, obwohl längst eingemeindet und in Vegas lebend, bluffte munter darauflos, was ununterbrochen schief ging, aber er wollte unbedingt seinem Image treu bleiben. Lustig anzusehen. Der Italiener Dario Minieri ließ sich von Tom Dwan auseinander nehmen, ungestüm, aber nicht gerade kunstvoll. Die beste Figur machte da noch der Franzose Betrand „Elky“ Grospellier. Und in diese Truppe soll kein Deutscher passen?

 

Jetzt kommt der schwierige Part. Die Seitenwette. Wenn also beim Main Event der diesjährigen World Series of Poker kein Deutscher aus dem Nichts auftaucht und am Finaltisch genug Geld abräumt, um in der nächsten Staffel von High Stakes Poker eine Million an Leute wie Doyle Brunson oder Tom Dwan zu verschleudern, wer käme irgendwie in Frage?

Das Theater geht natürlich schon mit der Bankroll los. Wer bekommt nicht sofort eine Krankheit namens SHAKYNESS, wenn er merkt, dass Tom Dwan schon vor dem Flop zur Triple Barrel ansetzt. Boris Becker, Pokernacht gestählt, hat vielleicht noch genug Asche, vermute ich, aber ob er sich trotz seines neuen Coaches Johannes Strassmann als Laliberte-Ersatz hergeben will, ist fraglich. Dann sein Coach, Johannes Strassmann selbst, jung, einer der besten Deutschen, kann sich ein Buy-In von $200.000 sicher leisten. Nur fürchten die HSP-Veranstalter nach seinem Auftritt beim EPT Snowfest, dass er Doyle Brunson vom Stuhl schubst, nachdem der auf dem River noch seinen Flush getroffen hat. Danach aus dem dem Raum rennt und sagt: SHIT HAPPENS. Aber Strassmann ist immerhin der Mann, der Sandra Naujoks erzählte, dass er Frauen mehr zu bieten habe als nur Geld. Was die zum Lachen brachte. Sandra Naujoks könnte es auch versuchen, aber es steht zu befürchten, dass ihr der deutsche Boulevard hinterher eine Affäre mit dem Tiger Woods des Poker andichtet. Und der Po auf dem Foto ist schon wieder nicht ihrer (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/474/508617/text/).

Dann wäre da noch das German High Roller-Kollektiv um Ben Kang, Jan Heitmann, Georg Danzer, Joram Voelklein und Simon Münz, allesamt geschäftstüchtig, die vielleicht zusammenlegen und einen Mutigen vorschicken. In meiner kranken Fantasie stehen sie am Set, als deutsche „Firma“, und beten: „Mach’ jetzt keinen Scheiß, Georg.“ In echt sind sie natürlich ganz cool, echt jetzt.

Dragan Galic könnte sein Preisgeld von fünften Platz bei der EPT San Remo 2009 investieren und vielleicht unterstützt ihn sein neuer Sponsor PartyPoker auch noch. Aber wetten würde ich darauf nicht.

Letztlich läuft alles auf einen hinaus: Tobias Reinkemeier. Gut ausgerüstet nach seinem Cash im High-Roller-Event der EPT Monte Carlo mit knapp einer Million Euro, erst 22 Jahre alt, und wenn er dann noch mit Phil Ivey ein Tänzchen hinlegt, das dem mit Roland de Wolfe gleicht hat, schreibt er Geschichte, na ja Pokergeschichte zumindest. Also, auch wenn es nicht gerade die feine Art war, die Hand gegen Wolfe, und er eigentlich ein Turnierspieler ist, so zeigt die Hand, das Reinkemeier hat, was Dwan die „toughness“ nennt. Er wird Durrrrs Triple Barrel ohne mit der Wimper zu zucken kontern und hinterher sagen: Womit soll er hier den River Shove bezahlen? Deswegen meine Wette: Reinkemeier ist der erste Deutsche bei High Stakes Poker. Und jetzt die Gegenwetten, bitte!

 

Victor Vega