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pius_2011-11-02Na Leute, habt ihr euch schon einen weißen Hoodie zugelegt, um ihn voller Stolz, als Bekenntnis und als Erkennungszeichen für Eingeweihte durch die graue, deutsche Vorweihnachtszeit zu tragen? Rot ist dieses Jahr out, Weiß ist das neue Rot oder Schwarz oder was auch immer. Lauter Pokermönche in weißer Kutte, überall in Deutschland. So wie sie im Penn & Teller in Las Vegas zu sehen waren, in der Ecke von Pius Heinz.

Okay, ich neige zu Übertreibungen, aber es war ein rührender Moment, als in der letzten Hand am River die Karo Vier fiel und den letzten Rest Hoffnung von Martin Staszko unter sich begrub. Es war aus und vorbei. Der Sieger stand fest. World Series of Pius.

Pius raste in seine Ecke und wurde von einer Horde hysterischer junger Menschen in weißen Kapuzenpullovern umarmt, gedrückt und über den Kopf gestreichelt, mittendrin auch eine junge Frau mit allen Symptomen einer verspäteten Beatlemania. Es war ein Wahnsinn, ein schöner, ein erlösender, und sie hätten ihn fast über die Bande gehoben  - den ersten Deutschen, der das größte Pokerturnier der Welt gewinnt.

Doch ein Champion erinnert sich im Augenblick des größten Triumphs immer auch an den Verlierer. Pius Heinz löste sich aus der Menschentraube, ging auf Martin Staszko zu und tauschte ein paar respektvolle Worte mit ihm aus. Das hatte Klasse. Und der Verlierer Martin Staszko trug es mit Fassung. Das alles waren gute Bilder nach einem stundenlangen Menschen, in denen Pius Heinz lange nicht wie der Sieger aussah.

Es schien einfach nicht zu laufen im Heads Up gegen Staszko. Pius lag vorne, dann hinten, erholte sich, lag wieder deutlich hinten, fast im kritischen Bereich, wenn das Spiel sich auf die Entscheidung zwischen Push oder Fold beschränkt. Die Kommentatoren Lon McEachern und Antonio Esfandiari meinten, im Gesicht von Pius Heinz das langsame Einknicken des Siegeswillens beobachten zu können. Es waren schwierige Augenblicke. Aber irgendwie behielt er die Nerven.

Das war nicht bei allen so. Die erste Hand am zweiten Tag des Finaltischs war seltsam. Noch lagen die Worte des Ansagers in der Luft, gerade noch hatte Antonio Esfandiari Ben Lamb gelobt, wie kontrolliert dieser das gesamte Turnier gespielt habe, ja den Tisch und sich selbst zu jeder Zeit im Griff gehabt habe. Doch dann geht Ben Lamb in der ersten Hand mit KJo nach gegen Martin Staszko im Big Blind nach dessen Reraise auf sieben Millionen mit gut 55 Millionen all in. Und der macht den Call mit ein Paar Siebenern. Die erste Hand war leicht verrückt, irgendwie unwirklich, und gar nicht das, was von Ben Lamb zu erwarten war, nämlich die Gegner in den schwierigen Situationen auszuspielen. Stattdessen verlor er in der ersten Hand am zweiten Tag des Finaltischs die Nerven. Aber auch das ist Poker. Ein Favorit, Player of the Year, hat sich für einen Augenblick nicht im Griff und setzt zu leichtfertig alles aufs Spiel, anstatt zu spielen. Soll doch Esfandiari sagen, was er will. Er meinte: „I like his shove!“

Zurück zum Sieger: Vanessa Selbst wunderte sich noch über das glückliche Händchen das PokerStars jedes Jahr beweist, wenn es darum geht, vor dem Main Event Spieler unter Vertrag zu nehmen, die dann das Turnier gewinnen. Boris Becker hat seinem Tweet, dass Pius Heinz den Main Event der World Series of Poker gewonnen hat, drei Ausrufezeichen hinterhergeschickt !!! Er wird wissen warum (http://www.pokern.com/blog/victor-vega/unser-mann-in-vegas.html), schließlich war er der erste Deutsche, der in Wimbledon gewonnen hat. Danach war Tennis ein anderer Sport. Und nach allem, was ich an diesem Abend gesehen habe, ist Pius Heinz eine gute Wahl, wenn es um einen Botschafter für Poker in Deutschland geht. Wir werden sehen, wie die Medien reagieren, in welcher Talkshow Pius zu sehen sein wird, wie er seine Geschichte erzählt.

Schließen wir mit einer Lebensweisheit aus dem Mund eines 22-Jährigen, der soeben die World Series of Poker gewonnen hat: „Verliert nie den Spaß am Spiel und achtet auf eure Bankroll.“ Die ist gut, auch im übertragenen Sinn.

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