Langsam legt sich der Staub, den die World Series of Poker aufgewirbelt hat, die Fußball-WM und die ganz heißen Tage sind auch vorbei, es wird Zeit sich wieder voll und ganz dem eigenen Pokerspiel zu widmen. Was du jetzt brauchst sind keine halben Sachen oder motivationsloses Rumgedonke. Was du jetzt brauchst ist eine ernsthafte Herausforderung.
Herausforderungen, Challenges sind das Salz in der Suppe, im Leben oder im normalen Pokeralltag. Weil sie dich ein bisschen aus der Normalität herausreißen, schärfen sie die Sinne. Sie erfordern Disziplin, Geduld, einen starken Willen und viel Einsatz. Dabei gilt es dann auch einen kühlen Kopf zu bewahren.
Eine Herausforderung soll nicht zu leicht oder zu schwer sein. Beides ist der Motivation nicht förderlich. Sie soll zu schaffen sein, aber eben nur, wenn du dich konzentrierst, dich am Riehmen reißt und dein Bestes gibt. Sie sollte für dein Spielniveau angemessen sein. Ist es etwas, was dich nicht wirklich reizt, dann geht die Motivation schnell flöten. Du musst dich also selbst ganz gut kennen, um die richtige Challenge für dich zu finden. Kann ich das? Ist es möglich? Es macht keinen Sinn sich eine Challenge auszusuchen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
Von der Challenge des Chris Ferguson hat wohl jeder schon mal gehört. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, aus 0 Dollar 10.000 Dollar zu machen. Angeblich erreichte er sein Ziel im Jahr 2007 nach neun Monaten (http://www.fulltiltpoker.com/de/chris-ferguson-challenge). Nicht schlecht, aber das war natürlich vor allem gute PR für die Seite, zu dessen Miteigentümern er gehört.
Vor ein paar Monaten habe ich aus einer Laune heraus, mir eine dieser $50-Bankrolls, die es für lau gibt, angeschafft. Der Gedanke war einfach: Mal sehen, was ich daraus machen kann. Allerdings stellte ich bald fest, dass meine Motivation auf den kleinen Limits, die ich mit den $50 spielen konnte, ziemlich gering war. Wenn es hoch kam, spielte ich im Monat 500 Hände, und nur dann, wenn ich nichts Besseres zu tun hatte. Selten also. Nach sechs Monaten und 3.000 Händen hatte ich ein paar Dollar gemacht, aber dann gab ich auf. Es fehlte ein motivierendes Ziel. Anfang 2009 hat Negreanu sich mal an einer ähnlichen Challenge wie Ferguson versucht, er wollte aus $10 gleich $100.000 machen. Ende offen. Aber das geht auch nur langsam voran. Derzeit hat Negreanu 6651 Hände gespielt und etwas mehr als $140 gewonnen(http://www.fullcontactpoker.com/poker-forum/index.php?showtopic=132216). Die Luft ist raus.
Es gibt natürlich auch die ganz harten Jungs. Die Legenden, die Steher. Stichwort Boku-Challenge. Boku schaffte es tatsächlich aus $5 innerhalb von ein paar Monaten $100.000 zu machen. Etwa 40.000 Sit-and-Go-Turniere spielte er dafür. Aber der hat wohl nicht mehr viel anderes gemacht in dieser Zeit.
Poker-Challenges müssen aber nicht immer an die große Glocke gehängt werden. Es müssen auch nicht immer die ganz großen Ziele sein. Erstmal geht es darum, dir selbst etwas zu beweisen. Sich einer Sache zu stellen, dran zu bleiben, das Ziel zu verfolgen, aber auch zu akzeptieren, wenn du es vielleicht nicht erreichst. Und es kommt darauf an, dass du dir am Ende das Ergebnis ehrlich anschaust und analysierst. Deswegen macht es Sinn, das Ende der Challenge klar zu benennen. Und wenn es nicht klappt, kannst du es beim nächsten Mal besser machen.
Es müssen auch nicht immer monetäre Ziele sein, die du verfolgst. Vielleicht willst du seit mehreren Monaten eigentlich mehr Hände im Monat spielen, als dann am Ende des Monat zu Buche stehen. Dann setze dir ein Ziel, überlege dir, wie du dahin kommst, und versuche dich an den Plan zu halten. Oder du forderst dich heraus, in dem du immer zu einer bestimmten Zeit spielst, wenn mit großer Wahrscheinlichkeit viele Fische an den Tischen zu finden sind. Steh früh auf und spiele, wenn die amerikanischen Jungs ein Glas zu viel intus haben und noch ein paar Dollar unters Volk werfen. Du kannst natürlich auch für einen guten Zweck spielen. Eine Boob-Challenge fällt vielleicht in diese Kategorie. Katja Thater hat angeblich mal das Geld einer Freundin genommmen, um daraus 5.000 Euro im Casino für einen Boob-Job zu machen (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,556916,00.html). Sie hat es geschafft.
Aber es kommt nicht immer auf das Ergebnis an. Was wir lernen, wenn wir uns einer Sache stellen, ist manchmal wichtiger als das Ergebnis. Jay Rosenkrantz glaubt, dass sich die Tiefe des Pokerspiels nur ausloten lassen, wenn du dich Herausforderungen stellst. Ganz egal, wie hart die Spiele auch würden, letztlich ginge es immer darum (http://www.dangerlion.com/?p=741) Jede Challenge macht dich besser. Außerdem fühlst du dich lebendiger. So ungefähr, oder so wie diese Jungs hier. Good luck, bandits!
East bound and down, loaded up and truckin'
Are we gonna do what they say can't be done
We've got a long way to go and a short time to get there
I'm east bound just watch ol'Bandit run
Keep your foot hard on the peddle...son, never mind them brakes
let it all hang out cause we've got a run to make ...
http://vimeo.com/13649308
Victor Vega
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