Am Pokerhimmel ist ein neuer Stern aufgegangen. Er heißt Daniel „jungleman12“ Cates und ist gerade einmal 20 Jahre alt. Wie lange sein Stern scheint, wird davon abhängen, wie er als Herausforderer von Tom Dwan bei dessen „durrrr-Challenge“ (http://www.fulltiltpoker.com/de/durrrr-vs-antonius) abschneidet. Wird Dwan ihm den Hintern so heftig versohlen, wie er es schon mit Antonius gemacht hat, dann dürfte Cates vorerst in die jüngere Pokergeschichte eingehen als ein Stern, der nur kurzfristig von einer Sonne namens Dwan angestrahlt wurde.
Aber natürlich ist Cates mehr als ein One-Hit-Wonder oder das Produkt eines extrem guten Laufs. Wer es mit Dwan aufnimmt und 50.000 Hände gegen ihn spielen will, der muss schon ein paar Qualitäten mitbringen, und seien es, je nach Standpunkt des Betrachters, Risikobereitschaft, Waghalsigkeit oder Selbstbewusstsein. An diesen Eigenschaften fehlt es Cates bestimmt nicht, Cates hat aber noch mehr zu bieten, nämlich eine gute Geschichte. Er kam von unten, ganz unten, arbeitete sogar mal einen Monat bei einer in aller Welt bekannten Burgerbraterei, weil sich seine Pokerkarrierre anfänglich schwierig gestaltete, und so einer steht jetzt tatsächlich vor dem Pokerhimmel und will rein.
„On the Doorstep to the Sky“ überschrieb Cates kürzlich einen Eintrag in seinem Blog und fragte sich, warum er so verdammt erfolgreich beim Poker sei (http://www.cardrunners.com/blog/JungleMan/on-the-doorstep-to-the-sky). Sein Erklärung war einfach. Der Mensch habe die Wahl, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die er beeinflussen könne, oder auf die Dinge, die ihm nicht nur nicht gefallen und die er dazu auch nicht ändern könne. Es nütze ja nichts sich darüber aufzuregen, wie viel Geld wir an einem schlechten Pokertag verloren hätten, oder darüber nachzudenken, wie sehr wir es hassen, dass irgendein Penner sein zweites Paar an einem Spot trifft, wo er auch sonst seinen Stack verblasen hätte. Selbstmitleid sei keine gute Antwort, es käme lediglich darauf an, ob und was aus dem unglücklichen Verlauf zu lernen sei. Cates setzte nach: Positives Denken würde noch mehr positive Gedanken hervorbringen und sogar gute Gewohnheiten formen, schließlich seien wir glücklicher. Das klingt amerikanisch, wo mitunter mit Optimismus und positivem Denken jeder Widerspruch zugekleistert werden soll. Wie ein Arzt, der dem todkranken Patienten rät, die Krankheit positiv und als eine Art Geschenk zu sehen (http://www.tagesspiegel.de/zeitung/positives-denken-macht-uns-alle-dumm/1907594.html). Mancher Pokerschreiber fand das reflexhaft „geradezu unerträglich“, aber das ist nicht ganz fair. Denn Cates fordert ausdrücklich realistische, positive Gedanken, keine zwanghaften. Das sei es gewesen, was ihn in seinen Anfängen als Pokerspieler, als er verlor und schlecht spielte, bei der Stange gehalten hätte. Nicht der kurzfristige Gewinn habe ihn interessiert, er glaubte daran, dass er auf lange Sicht gewinnen könnte, solange er nur seinen Verstand einsetzte und hart genug an seinem Spiel arbeitete.
Ob das gegen Dwan reicht, wird sich zeigen. Denn Dwan hat was Radfahrer Tempohärte nennen. Mal eben eine knappe halbe Million in den Sand gesetzt und immer noch zum Scherzen aufgelegt.
Das sah bei Cates schon mal anders aus, als er eine halbe Million gegen Isildur verloren hatte. Er starrte auf den Bildschirm und wollte weinen.
Und falls das alles nichts hilft, wenn dich der nächste Bad Beat oder eine miese Session ereilt, dann sing doch einfach...
And although there’s
Pain in my chest
I still wish you the best
With a
F...
Victor Vega
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