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„It takes five minutes to learn but a lifetime to master.“ Mike Sexton

Fast alle Pokerspieler haben diesen Satz schon mal gehört. Ihn zu hören ist eine Sache, ihn zu verinnerlichen wäre besser. Wie zum Beispiel Phil Ivey. Im Vorfeld des Final Table der WSOP 2009 sagte er: „Du kannst dich immer verbessern.“ Der da spricht, ist einer der besten und erfolgreichsten Pokerspieler der Welt. Seine Botschaft ist leicht zu verstehen. Egal, wer du bist und wie gut du zu sein glaubst, du kannst dich immer verbessern.

 

Wer sich diese Einstellung zu Herzen nimmt, der ist vor einem unter Pokerspielern weit verbeiteten Irrtum geschützt – meist halten wir uns für besser, als wir es in Wirklichkeit sind. Das Spiel selbst macht es uns leicht, das zu glauben. Habe ich nicht gerade eine sehr gute Session gespielt? Habe ich meine Gegner etwa nicht wunderbar ausgespielt? Kaum haben wir einen Aspekt des Spiels auch nur ein wenig besser verstanden, sind wir geneigt zu glauben, jetzt hätten wir alle Klippen umschifft.  Endlich! Wahrscheinlicher ist, dass wir die anderen Gefahren, die uns begegnen werden, noch nicht erkannt haben. Poker verführt zu diesem Denken. Es befällt den Anfänger, aber auch den fortgeschrittenen Spieler immer wieder. Es ist ein ziemlich guter Kniff: Die Ergebnisse gaukeln uns etwas vor und die menschliche Psyche fällt bereitwillig darauf herein.

Das Schlimmste, was einem Anfänger passieren kann, ist wahrscheinlich, dass er gleich zu Beginn seiner Pokerkarriere einen guten Lauf hat. Er gewinnt und mit jeder gewonnenen Hand bauen sich falsche Erwartungen über das Spiel auf. Gewinnen ist scheinbar leicht, der Spieler hält sich für ein Naturtalent, dem die erfolgreichen Strategien quasi in den Schoss fallen – und verkennt dabei die Tiefe des Spiels. Von außen betrachtet sieht das Bild in etwa so aus: Tatsächlich steht der Spieler am Rande des Abgrunds, nur er sieht ihn nicht. Fällt er hinein, wird er nicht wissen, wie ihm geschieht.  Dieser Abgrund ist all das, was es über Poker zu lernen gibt, und sei es nur über Texas Hold’em. Fürchten musst du diesen Abgrund nicht, nur wenn du ihn nicht siehst, ihn nicht wahrhaben willst, wirst du es als Pokerspieler schwer haben.

Vor ein paar Tagen las ich einen Artikel des Programmierers und „Director of Research“ von Google Inc., Peter Norvig, in dem es darum ging, wie lange ein Mensch benötigt, um es in einer bestimmten Sache zu einer Art Meisterschaft zu bringen (http://norvig.com/21-days.html). Etwa zehn Jahre lautete seine Antwort. Dabei könne es um so unterschiedliche Bereiche wie Schach, Schwimmen, Malen oder das Komponieren von Musik gehen, das spiele eigentlich keine Rolle. Um sich zu verbessern, sei nicht nur die ständige Praxis entscheidend, sondern auch dir selbst Aufgaben zu stellen, die jenseits deines gegenwärtigen Könnens liegen, es auszuprobieren, das Ergebnis zu analysieren und die Fehler zu korrigieren. Und genau das ist, was es die meisten erfolgreichen Pokerspieler tun.  Sie geben sich dem Kreislauf von Analyse und Verbesserung hin. Es ist ein Teil des Spiels, den es zu erlernen und zu meistern gilt.

 

Lernerfolge stellen sich nicht von heute auf morgen ein. Du brauchst Geduld und Ausdauer. Falsche Erwartungen müssen durch realistische Ziele ersetzt werden. Sie können auch ein Gegengift gegen den Frust sein, wenn es mal nicht so läuft. Wie oft habe ich schon gelesen, dass Leute aus Frust über ihre mittelmäßigen Ergebnisse über ihrem Limit gespielt haben.  Weil sie sich zu schade waren für das Limit darunter und weil sie den Erfolg erzwingen wollten. Meist gehen solche Experimente in die Hosen, und zwar so gründlich, dass so mancher die Karten ganz an den Nagel hängen will. Vielleicht besser für sie, wer weiß. Denn zwei Tugenden muss ein Pokerspieler mitbringen: Geduld und Ausdauer.

 

Wer mit Poker Geld verdienen möchte, akzeptiert die kurzfristigen Risiken und spielt für den langfristigen Erfolg. Du wirst dich an die Regeln für solides Bankrollmanagement halten. Die Bad Beats, die dich ereilen, interessieren dich nur, um zu überprüfen, ob du die Hand in der bestmöglichen Weise gespielt hast. Den Traum vom schnellen Geld überlässt du den Träumern. Poker ist kein Sprint, Poker ist ein Marathon. Wer sich darauf einlässt, dabei die Freude am Spiel bewahrt und seine Rätsel als geistige Herausforderung begreift, der wird erfolgreich sein. Und wenn dich das Glück dann doch noch ereilt, hast du es dir wahrscheinlich verdient.

 

Victor Vega

Kommentare (8)
re: joa...
8 Montag, 25. Januar 2010 um 18:16 Uhr
Victor Vega
thrym, talent - gut für alle, die es haben, die anderen müssen büffeln;-) es gibt spieler, denen es leicht fällt, pokerkonzepte umzusetzen. taylor caby sagt über brian hastings, dass er noch niemanden erlebt, der so einen "natürlichen" zugang zum spiel gehabt hätte wie hastings. und ivey? ivey der soll ja nach ansicht vieler, die ihn aus früheren tagen kennen, nicht immer gut gewesen sein, gelegentlich sogar ziemlich schlecht. ich vermute, es ist eine mischung aus talent, erfahrung, ausdauer und dem willen sich zu verbessern, die einen guten spieler ausmacht.
joa...
7 Freitag, 22. Januar 2010 um 23:52 Uhr
Thrym
schöner artikel, auch wenn ich gerne noch einen abschnitt über den faktor "talent" gelesen hätte
very...
6 Freitag, 22. Januar 2010 um 06:12 Uhr
Figool
...nice!

Du bringst es auf den Punkt.
Ich kann jedem Punkt, den du aufzählst nur zustimmen.
Sehr hübscher Artikel
5 Donnerstag, 21. Januar 2010 um 04:05 Uhr
Dweg85
!
Re: nice
4 Mittwoch, 20. Januar 2010 um 10:12 Uhr
Victor Vega
Freut mich, Chris. Ich stelle hier nur meine Gedanken zum Spiel vor und gerne zur Diskussion. Gleichzeitig spreche ich in diesem Text auch zu mir selbst, so wie Ivey es tut, wenn er sagt: "Du kannst dich immer verbessern." Den Satz richtet er zur Erinnerung zunächst an sich und dann an die anderen.
nice!
3 Mittwoch, 20. Januar 2010 um 08:45 Uhr
Chris918
:o)

Ich lese gerne deinen privaten Blog und freue mich über solche Beiträge hier. Das steigert das Niveau erheblich.

Gruß,
Chris
re: wat
2 Mittwoch, 20. Januar 2010 um 07:56 Uhr
Victor Vega
Mensch, wenn ich das wüsste, wär' mein Leben einfacher. Außerdem steht doch gleich im ersten Absatz, is' egal, wer du bist.
wat
1 Mittwoch, 20. Januar 2010 um 00:30 Uhr
Alexius
wer bist du denn?
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