„Glück ist ein sehr dünner Draht zwischen Überleben und Desaster, und nicht viele Leute können darauf die Balance halten.“ – Hunter S. Thompson, Angst und Abscheu in Amerika

Er ist nicht der erste, und er wird auch nicht der letzte Pokerspieler sein, der Pleite geht. Am 8. Mai gab der Pokerspieler Jean-Robert Bellande über Twitter (http://twitter.com/brokelivingjrb) bekannt, dass der Boden erreicht war: „Cash 0 Stars 0 FTP 0 I feel sleepy.“

Etwa einen Monat zuvor, am 14. April, stand seine Bankroll noch bei knapp 100.000 Dollar, dann ging es mit kurzen Zwischenstationen abwärts. Am 11. Mai aber fand sein Zimmermädchen in irgendeiner Seitentasche 1.900 Dollar, und es konnte wieder losgehen. Immerhin, es reicht noch für ein Zimmermädchen, ein ehrliches noch dazu.

 

Bellande ist manchen vielleicht ein Begriff durch die wundersame Art und Weise, wie er aus de Main Event der WSOP 2008 geflogen ist:

Der ganze Tisch brach damals in Stöhnen und Gelächter aus, als sein Gegner den Gut Shot traf, nachdem der bereits vor der Flop angekündigt hatte, er werde die Hand gewinnen. Und sogar Phill Hellmuth bescheinigte Bellande großes Pech. Er schüttelte ihm die Hand und sagte: „That was the sickness, dude.“

Bellande aber ist auch eine Type, dem das Lachen nicht so schnell vergeht. Angeblich dreht Bellande sogar einen Fernsehfilm mit dem Titel: „Broke and Living like a Millionaire.“ Der Film will die wenig glamourösen Seiten der Pokerwelt beleuchten, die, die im Fernsehen selten zu sehen seien. Jetzt fragt man sich natürlich, was zuerst da war – die Idee zum Film oder die Pleite? Ist das Selbstironie oder nur Konzept? Oder ist der Film einfach nur die nächste Pleite?

Jedenfalls kann sich Bellande in eine ansehnliche Galerie von Pokerspielern einreihen, die schon mal pleite waren, die meisten von ihnen mehr als einmal.

 

Nur wenige reden offenherzig über ihren Absturz, wenn er gerade aktuell ist. Doyle Brunson soll mehrmals im Laufe seiner Karriere unten aufgeschlagen sein, Mike Matusow nach eigenen Angaben sechsmal („That sucks!“), und Gus Hansen gab zu, dass sein Bankrollmanagement nicht immer klug gewesen ist. Die, die hinterher noch mal im Rampenlicht auftauchen, konnten sich davon erholen, die anderen sind untergegangen. Eine der tragischsten Geschichten ist die von Stu Ungar, ein begnadeter Pokerspieler, aber ein unsteter Mensch, der scheinbar immer alles aufs Spiel setzen musste, um sich lebendig zu fühlen. Mit 45 Jahren war er am Ende, ein Crack-Wrack, das in einer Absteige in Vegas starb.

Drogen und Alkoholmissbrauch sind potenzielle Fallstricke für Pokerspieler.

 

Ebenfalls beliebt sind Sportwetten, auch die gehen auch nicht immer gut aus für die Beteiligten. Und T.J. Cloutier hätte besser einen großen Bogen um die Craps-Tische gemacht. Der Lebensstil der Pokerspieler birgt wahrscheinlich mehr Versuchungen als ein anderer Brotberuf und nicht alle können ihnen widerstehen. Wie sagte Marge Simpson zu ihrem Homer: „Wenn ich gewusst hätte, dass es in Las Vegas leichte Mädchen gibt, hätte ich dich nicht gehen lassen.“

Aber was soll’s? In diesen Zeiten sind wir angesichts wachsender Staatschulden doch alle ein bisschen Bellande. Die Banken, die gestern gerettet wurden, wird das morgen nicht interessieren. Sie freuen sich über Hyperliquidität und neue Spekulationsgewinne, die vom Rest der Welt bestaunt werden. FAST MONEY. Gestern am Abgrund, heute wieder gut im Geschäft. Dagegen sind Hobbypokerspieler, die Pleite gehen, wahre Waisenknaben. Das Spiel geht weiter. Unseres auch. Da wir aber unsere Lektion schon gelernt haben, gehen wir lieber nicht Pleite. Wir wissen, dass Matusow recht hat: Es nervt.

 

Victor Vega