vw-psychoVor ein paar Wochen wachte ich nachts auf, und sie stand ganz klar vor mir, die Formel von der verdichteten Varianz. Die Formel konnte nicht nur mathematisch alle Spielsituationen erfassen, mit ihrer Hilfe ließ sich auch berechnen, wie deine Winrate durch glückliche und weniger glückliche Zufälle, die psychische Verfassung, die Kraft deines Denkens und aller Wahrscheinlichkeit nach auch durch Karma beeinflusst wurde. Sie vereinte Equity und Varianz zu einer Pokerweltformel, so eine Art Stringtheorie des Poker. Ich war bereit die Parallelwelten des Poker zu betreten.

Denn was bedeutete es schon, wenn du zum x-ten Mal am Turn das Geld mit der Nut Straight in die Mitte brachtest und deine Hand wieder nicht hielt. Das waren nur Ereignisse, die in einer Welt stattfanden, in den Pokerparallelwelten aber zur gleichen Zeit ganz anders ausgingen. Schau einfach zwei Tische weiter, online, und du wirst sehen, es geht ganz anders aus. Es handelt sich nur um eine Kränkung deines Ego, die dir natürlich nicht gefällt. Erinnert sich wer an den folgenden Dialog:

„Könntest du deinen Egotrip mal kurz unterbrechen? Es ist was Wichtiges passiert.“

„Wenn es irgendwas Wichtigeres als mein Ego gibt, verlange ich, dass man es auf der Stelle verhaftet und erschießt.“

Ja, einige von uns neigen dazu, die Sache persönlich zu nehmen und wehren sich oder suchen zumindest nach einer Erklärung, die Narren. Sie weigern sich die Fakten anzuerkennen, und das ist auch der Grund, warum alle Pokerspieler zeitweise psychotisch oder paranoid erscheinen. Denn es könnte ja sein: „Is spew ever really spew?“ (http://doubleflypoker.blogspot.com/2010/11/well-obviously-i-shouldnt-go-into.html)

Fragen wir in dieser Sache mal vorsichtig bei Joseph Cheong nach, der heute Nacht am Finaltisch des WSOP Main Events den bislang größten Pott in der Geschichte der World Series of Poker spielte. Noch drei Spieler am Tisch, John Racener passt am Button, Joseph Cheong hält As7h im Small Blind und raist auf 2,9 Millionen. Jonathan Duhamel im Big Blind reraist auf 6,75 Millionen. Das macht keinen Eindruck auf Cheong, er greift zu den Chips und spielte seine 4Bet, die Ansage lautet 14,25 Millionen. Duhamel erhöht furchtlos auf 22,75 Millionen (5Bet). Jetzt wäre es an der Zeit für Joseph Cheong sich zu sagen, dass er alles versucht hat, und A7o zu passen – doch was macht er? Nach einer Minute Bedenkzeit, in der er seine Hole Cards noch einmal überprüft hat und spätestens jetzt hätte feststellen können, dass die 7h immer noch nicht zu einem Ass geworden ist, schiebt er seine 95 Millionen Chips in die Mitte (http://www.pokernews.com/live-reporting/2010-wsop/main-event/post.167604.htm). Wir fragen nach: Psychoplayer – Qu'est-ce que c'est?

Die Geschichte wird hier nicht ganz einfach, und es ist nicht auszuschließen, dass sie mir entgleitet. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob die ganze Sache nicht von vornherein darauf angelegt war.  So wie in der A7-Hand des Joseph Cheong, bei der  durch einen Fehler im Unterbewusstsein die Selbstzerstörungssequenz aktiviert wurde und dabei, um den Sabotageakt perfekt zu machen, alle Leitungen zum Restverstand gekappt wurden.

Der gesunde Menschenverstand, wenn es denn so etwas gibt, hilft hier nur in seltenen Fällen weiter. Jeder Pokerspieler weiß das, eigentlich, was nicht heißt, dass er es kapiert. Die Spielweise des Daniel „jungleman12“ Cates (http://www.pokern.com/blog/victor-vega/poker-patzer-positives-denken.html), zum Beispiel, stammt aus einer Pokerparallelwelt. Bewohner einer dreidimensionalen Pokerwelt kapieren’s nicht. Ist ja auch schwer: „…aber die ganzen calls immer mit nichts. manchmal hat er einfach garnix und callt und callt und callt und verliert sinnlos $ :“ (http://www.pokern.com/forum/poker-strategien/18934-wtf-jungleman12.html) Harte Suppe aus der Pokerparallelwelt. Und köstlich, irgendwie.

Geld? Baller!

„Das hier ist 'ne verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“

Nicht immer so einfach. Leveling, Balancing, all dieses Zeuch, und das auch noch immer gegen die richtigen Spieler. Gegen Level eins Poker spielst du Level 2 Poker, und wenn du dich vertan hast, spielt er Level 4 Poker, in etwa: Er weiß, dass wir wissen, dass unsere Hand sehr stark aussieht, wenn wir am Turn wetten, was damit gleichzeitig ein guter Spot für einen Bluff ist. Da es ein guter Spot zum Bluffen für uns ist, kann er mit einer weiten Range von Bluffcatchern bezahlen. Ein bisschen paranoides Poker, aber unterhaltsam.

Die Berechnungen der Pokerformel haben übrigens folgendes Ergebnis hervorgebracht: 42. Tja, was habt ihr erwartet?

http://www.youtube.com/watch?v=iwWNOFQ8S0A

Victor Vega