Poker, Lügen und Video

I’ll tell what I had for five bucks, I’ll tell you the truth for 10 bucks. I’ll tell you what – I’ll show you for 15.” — Phil Laak

Wenn es darum geht, Informationen von ihren Gegnern zu bekommen, schrecken Pokerspieler wirklich vor nichts zurück. Nicht mal in Ruhe pinkeln lassen sie dich. Jedenfalls stand ich bei einem Turnier im letzten Oktober in einer Turnierpause endlich vor dem Pissoir, da pirschte sich ein Spanier an mich heran und fragte: What did you have?

Konversation vor den Pinkelbecken ist zwar nicht tabu, aber eher die Ausnahme unter fremden Jungs, findet also dann statt, wenn normal-nüchtern schon etwas länger her ist. Hier war ich unter Pokerspielern, da schien die übliche Zurückhaltung im nüchternen Zustand aufgehoben. Mag sein, dass Spanier das generell anders sehen. Jedenfalls wollte er es wissen. Natürlich hatte ich nicht vor die Wahrheit einfach so auszuplaudern. Wo kämen wir da hin? Pokerspieler sind notorische Lügner, wenn sie Auskunft geben sollen, welche Karten sie auf der Hand hatten. Da mache ich keine Ausnahme. Und schon gar nicht hatte ich vor zuzugeben, dass mein Re-Steal vom Big Blind gegen seine Bet vom Button ziemlich luftig war.

Ich musste mich zusammenreißen. Ich hatte mich vor dem Pinkelbecken sicher geglaubt, unbeobachtet, hatte die eiserne Maske gegen einen Augenblick der Entspannung eingetauscht, aber jetzt fühlte ich mich plötzlich wie Andie MacDowell als Ann Bishop Mullany, die die Frage beantworten soll, wie es ihr gefalle, verheiratet zu sein:


What did you have?
Natürlich musste ich annehmen, dass er wusste, dass ich nie und nimmer mit der Wahrheit rausrücken würde. Möglicherweise kam es ihm gar nicht darauf an, was ich sagte, sondern wie ich es sagte. Allerdings durfte die Hand auch nicht zu leichtfertig gewählt werden. Ass-Dame schien glaubwürdig, ich entschied mich aber binnen Zehntel-Sekunden für ein Paar Jungs, was unterbewusst vielleicht davon beeinflusst wurde, dass zwei Jungs diese Unterhaltung führten, eine Unterhaltung, die ohne Umschweife, lange Vorreden oder höfliche Vorstellungsarien auf den Punkt kam. Und dann sagte ich es: „I had jacks.“ Ich ließ es mir locker über die Zunge gleiten, so beiläufig, wie du an einem strahlend schönen Tag, der dir noch keine Demütigung verpasst hat, zu deinem Zeitungsverkäufer sagst: „Mensch, das ist aber ein Wetterchen heute.“ Er sah mich an, und ich hatte keine Ahnung, ob er mir glaubte; aber ich sah ihm an, dass er überlegte, ob er mir glauben durfte. Vielleicht war ich gar nicht so ein schlechter Schauspieler. So weit die Klogeschichte, so weit zur Ausweitung der Kampfzone.

Lügen gehören zum Pokerspiel, eigentlich dreht sich ein wichtiger Teil des Spiels darum: Sagst du die Wahrheit? Kann ich dir glauben? Bist du glaubwürdig? Oder nimmst du mich schon wieder auf den Arm? Neben der guten Hand, die du gelegentlich triffst, geht es immer um die gut und glaubhaft erzählte Geschichte. Das erfordert Phantasie, analytisches Denken und Kominationsgabe. Oder es geht um das Aufdecken der Lügen deiner Gegner, das Erkennen von Mustern und den angeblichen Tells. Ihr kennt den Witz von dem Poker spielenden Hund: Der Hund, der immer mit dem Schwanz wedelt, wenn er eine gute Hand hat, ist nicht wirklich ein guter Spieler. Denn er hat einen Tell.

Wer nicht lügen kann, der muss es lernen, um erfolgreich Poker spielen zu können. Aber es ist vermutlich eine irrige Annahme, dass am Pokertisch mehr gelogen wird als im richtigen Leben. Angeblich lügen Menschen bis zu 200 Mal am Tag, und zwar besonders gerne am Telefon, weil die Körpersprache hier die Lüge nicht preisgibt (http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/nano/bstuecke/09381/index.html). Wird deswegen beim Online-Poker mehr gelogen als live? Ich bezweifle stark, dass dieser Schluss aufgeht und wir unseren Profit online in Zukunft hauptsächlich durch das Aufdecken von Bluffs erzielen können. Das Aufdecken der Lüge ist immer noch viel schwerer als selbst ein guter Lügner zu werden. Obwohl erfolgreiche Pokerspieler beides können müssen.

Wer die meiste Zeit online und nur hin und wieder live spielt, der ist immer wieder überrascht, wie viele Informationen an den Tischen in der realen Welt durch die Gegend geistern und verarbeitet und gedeutet werden wollen. In dem folgenden Clip fragt sich Phil Ivey, ob sein Gegner in einer Hand der Hund ist, der mit guten Karten mit dem Schwanz wackelt, oder ob er das nur spielt. Are you doing that on purpose?

 

Ist das Zittern der Hand Stärke oder Schwäche? Ist es gespielt, ist es echt?

Du kennst die Situation, wenn du online spielst. Es ist ein guter Spot für einen Bluff, und du spielst ihn. Plötzlich rauscht ein Adrenalinschub durch deinen Körper. Dein Gegner kann online nicht sehen, was das mit deinem Körper anstellt, live schon. Der deutsche Poker-Pro Georg Danzer trägt deswegen einen Schal. Wenn er blufft, dann muss er schlucken. Und er wird froh sein, wenn das der einzige Tell ist, den er verdecken muss, weil er ihn offenbar nicht loswerden und auch nicht steuern kann. Andy Bellin erzählt in dem Buch „Poker Nation“, dass er einen Pokerspieler kannte, der über ein Jahr lang seine wöchentliche Pokerrunde aufzeichnete, um seine Tells erkennen und ausmerzen zu können. Mindestens 10 Tells fielen ihm auf, die er auch nach mehr als 30 Jahren Pokererfahrung nicht hatte ablegen können, Tells, die seiner Ansicht nach für jeden guten Beobachter zu erkennen seien. Also, glaub lieber nicht, du hast keine (http://www.youtube.com/v/E2iGJXJLuCI). Und frag dich: How does he know these things?

william-hill-poker-logo

10
Gratis + 1.500 € Bonus
5star
iPoker
Freerolls
no-mobile-icon
Paypal
Unser Tipp

logo-888-poker

88$
GRATIS + 400$ Bonus
5star
Eigenes Netzwerk
Freerolls
mobile-icon
Paypal

logo-pokerstars

600
$ Bonus
45star
Eigenes Netzwerk
Freerolls
mobile-icon
Paypal

logo-netbet

20
Cash GRATIS
45star
iPoker
Freerolls
mobile-icon
Paypal