Ziigmund, der auch unter dem bürgerlichen Namen Ilari Sahamis bekannt ist und online um die höchsten Einsätze spielt, braucht keinen HUD. Ziigmund braucht nicht mal Poker Tracker, um seine Ergebnisse aufzuzeichnen. In einem Interview gab er in seiner typischen Art zu Protokoll: “What the fuck is Poker Tracker?” Klingt, als sei es Ziigmund ziemlich egal, ob andere eine Analysesoftware benutzen oder nicht.

Aber das ist Ziigmund, und für einen wie Ziigmund gelten nicht die gleichen Regeln wie für normalsterbliche Pokerspieler. Alle anderen kleinen Fische, solche wie mich, freuen sich über jede kleine Hilfstellung. Poker Tracker oder Holdem Manager helfen nicht nur im Nachhinein dabei das eigene Spiel und das deiner Gegner zu analysieren, sondern durch das HUD (Head-up-Display) die wichtigsten Statistiken an den Tischen abzulesen, und das fast in Echtzeit (http://www.pokern.com/forum/poker-tools/15559-zeigt-her-eure-huds.html). Dein Gegner passt fast auf 100 Prozent deiner 3bets, dann wirst du ihn vermutlich ordentlich damit eindecken, oder zumindest solange, bis er sein Spiel anpasst. Spielt er auf dem Flop in 70 Prozent der Fälle eine sogenannte Continuation Bet und sinkt die Quote am Turn auf 30 Prozent, werden wir unseren Gegner am Flop oft bezahlen, um am Turn den Pot zu stehlen. Das HUD ersetzt nicht das Pokerspiel, aber es hilft.

Wer mehrere Tische gleichzeitig spielt, und wie ich meist mehr als gut für sein Spiel sind, der weiß, wie nützlich das HUD ist, um die vermeintlich schwächeren Spieler am Tisch ausmachen zu können. Das HUD lügt meistens nicht. Und wer die Statistiken seines HUD richtig interpretieren kann, der hat einen Vorteil gegenüber Spielern, die das nicht können oder gar keine Software zur Analyse benutzen.

Nur ist der Einsatz von Analysesoftware und HUD auch fair gegenüber Mitspielern, nur weil er auf den meisten Pokerseiten geduldet wird? Wäre es vielleicht besser, wenn zumindest das HUD untersagt wäre, damit Online-Poker für Gelegenheitsspieler wieder attraktiver würde und sie sich nicht benachteiligt fühlen müssten? Und müsste dann nicht auch unterbunden werden, dass eine Website wie Pokertableratings “Hand Histories” trackt und an Spieler verkauft, die damit die Datenbanken ihrer Software füttern.

Andrew Brokos, Mitglied vom PokerStars Team Online, ist der Meinung, dass es legitim sei einen HUD zu benutzen, solange sie auf der jeweiligen Seite nicht verboten sind. Denn dann seien sie Bestandteil des Spiels. Jeder, der spiele, akzeptiere das (http://www.thinkingpoker.net/2011/01/the-poker-ethicist-heads-up-displays/). Wer lange genug Online-Poker spielt, der wird wissen, welche Werkzeuge es gibt, welche von den Seiten akzeptiert werden und welche nicht. Irgendwie gehört diese technische Entwicklung zu Geschichte des Online-Poker-Boom. Nur der Neuling, der hat vielleicht davon gehört. Er ahnt, dass er einen Nachteil hat und macht deswegen lieber einen großen Bogen um Online-Poker. Dabei stehen die Chancen des Neulings eh nicht gut. Er hat nicht nur keinen HUD und keine Analysesoftware, er hat weniger Erfahrung, weniger Pokerbücher gelesen, weniger Videos gesehen. Braucht es da noch das HUD? Es könnte zumindest sein, dass die Hemmschwelle für Neulinge durch die ständige Weiterentwicklung der Werkzeuge beständig größer wird.

Pokerspieler sind immer auf der Suche nach dem kleinen Vorteil, nach dem “edge”. Es ist noch nicht lange her, da gab es Ärger, weil Brian Hastings, Cole South und Brian Townsend “Hand Histories” nach ihren Matches gegen Viktor “Isildur1” Blom getauscht hatten. Hastings knöpfte wenig später Blom ein paar Millonen ab. Das Studium der Hand Histories hat sicher nicht geschadet. Blom fühlte sich betrogen. Unter den damals herrschenden Bedingungen schien es ziemlich naiv von Blom, wenn er glaubte, dass sich South, Hastings und Townsend nicht austauschten. Der Reihe nach gegen die damaligen Cardrunner-Pros anzutreten, war sicher nicht die beste “Table Selection”. Es war klar, dass sie über die Spielweise von Blom redeten, wenn es um Millionen geht, schließlich kennen sich die drei seit Jahren. Nur: Ohne Analysesoftware hätten sie längst nicht so viel präzises Anschauungsmaterial gehabt.

Victor Vega