vv-peatdavidDas erste Mal begegnete mir David “Viffer” Peat in einer Folge von Poker after Dark. Peat hatte seine Haare an den Schläfen lila gefärbt und sah irgendwie aus wie ein Cyberpunk-Verschnitt, der sich bei nächtlichen Touren durch das Internet eine mittelschwere Realitätsstörung eingefangen hatte. Jedenfalls blieb Viffer in der Folge von PAD trotz der Farbe im Haar ziemlich blass, zumindest in meiner Erinnerung.

Inzwischen weiß ich, dass er eine coole Sau ist, einer von den Jungs, die immer einen lässigen Spruch auf den Lippen haben und am Pokertisch hellwach sind.
David „Viffer“ Peat, irgendwie smart, wenn auch auf den ersten Blick nicht der große Sympath, nicht so bescheiden und zurückhaltend wie John Juanda, nicht so lässig kalt und kontrolliert wie Phil Ivey, nicht so fesch und manieriert wie Tom Dwan. Viffer ist Viffer, irgendwie schräg und schlagfertig. Und einer wie Viffer trägt einen Sack schräger Geschichten mit sich herum.

Die schrägste ist die Geschichte, wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist – Viffer. Motorradfans glauben vielleicht, sie haben eine Ahnung, ist aber nur eine falsche Fährte. Vom Viffer kann es nur eine derbe Geschichte geben, aus der wilden, schweren Jugend des David Peat. Er war 16 Jahre alt und befriedigte während einer Party ein Mädchen mit einem Billard Queue, als jemand ins Zimmer kam. Angetörnt wie sie war, sagte das Mädchen „He viffed me“, obwohl sie wohl sagen wollte: „He sticked me.“ Dann lief sie aus dem Zimmer. Und, na ja, vielleicht stimmt’s.

Die harte Kindheit gilt als einigermaßen gesichert.  Er wuchs auf in Ohio, irgendwo in der Gegend von Cleveland. Sein Vater verließ seine Mutter, als er drei war. Die Mutter heirate erneute, der Stiefvater wurde krank und verstarb, als David zehn war. Mit seinem Vater soll er seit 20 Jahren kein Wort mehr gesprochen haben, und mit seiner Mutter kommt er nicht klar. Nicht gerade das, was man enge Familienbande nennt.

Aber das kommt seinem Lebensstil entgegen. Andrew Brokos schrieb in seinem Blog mal, dass Viffer an den High Stakes Tischen von Pokerstars erzählte, dass er gerade den besten Sex seines Lebens gehabt hätte. Und es war irgendwie nicht klar, wie viel es ihn gekostet habe. Es soll irgendwo in London gewesen sein. Gewöhnlich macht Viffer keinen großes Getue um alle möglichen Eskapaden. Falls jemals ein Film über ihn gedreht würde, dann wäre es ein unterhaltsamer. Das sagt er selbst, es wäre eine Mischung aus Rounders, Farbe des Geldes und Blow. Obwohl Blow, das weiße Pulver, das mag Viffer nicht, die schlimmste Droge überhaupt. Viffer hat bis jetzt noch alles überstanden.

Viffer feiert viel und gern. Und wenn er dem vielen Geld und Frauen überdrüssig ist, beklagt er sich in Interviews, wie einsam das Pokerspiel mache und wie sehr er sich ein richtiges Lebens wünsche (http://pokergrump.blogspot.com/2008/10/poker-gems-174.html). Die üblichen menschlichen Probleme. Geld allein reicht nicht, macht die Sache aber tendenziell einfacher. Wer die Schule für Poker aufgebe, sei ein Idiot, findet Viffer. Für ihn selbst war nach der sechsten Klasse Schluss.

Angefangen hat Peat mit Poker auf Limits von $1 und $2 – in Zeiten, als die höchsten Einsätze $2 und $4 waren. Muss lange her sein. Es lief nicht gut, Viffer hatte zum Glück noch einen Job und musste sein Pokerspiel mehrmals mit Geld aus dem Job pampern. So um das Jahr 2000 herum ging er nach Vegas. Dort wurde er zu dem, was er ist. Einer der besten Cash Game Spieler der Welt. Viffer spielt eher selten online. Er spielt live. Die großen Online-Pros fordert er gelegentlich heraus, live gegen ihn zu spielen, zuletzt Viktor Isildur Blom.

Und immer, wenn ich mir Poker in der Glotze anschaue und Viffer sitzt mit am Tisch, dann weiß ich, dass die Zeit nicht ganz verloren ist. Zum Beispiel bei der ersten Episode der siebten Staffel von High Stakes Poker, zum Beispiel in dieser Hand. Vanessa Selbst hielt Damen, Esfandiari Td9d und der Amateur Phil Ruffin, der wohl auch Millionär ist, saß auf 33. Der Flop kam 4c9c3d. Esfandiari spielte $17.100 in den Pot von $20.800 an und Ruffin bezahlte. Doyle Brunson stieg mit einem Gut Shot aus. Selbst war an der Reihe und setzte $63.800, eine leichte Overbet, im Pot waren $55.000. Ruffin wurde nervös und wollte schon erhöhen, noch bevor Esfandiari seine Hand in den Muck senden konnte. Was der dann natürlich recht schnell tat. Ruffin erhöhte um $100.000. Das war der Moment, in dem sich Viffer einschaltete. “You got raised”, ahmte er eine irgendwie von einem Computer modulierte Stimme nach, die ich irgendwo schon mal gehört hatte. Als Warnung.  War aber nicht genug. Selbst ging broke

Das hätte vielleicht auch ein anderer Spieler gesehen, auch Selbst, wenn sie nicht nervös gewesen wäre bei ihrem ersten Auftritt von HSP. Großartig aber war Viffers Read in einer Hand, die etwa 20 Minuten später gespielt wurde. Sechs Spieler sahen den Flop von Jd4d3c, der durchgecheckt wurde. Der Turn brachte eine 6c. Selbst checkt mit 5s5d, Barry Greenstein spielt $10.000 an – im Pot waren $17.000. Esfandiari passt 9h7h, Croak passt 8s6h. Der dritte Amateur am Tisch bezahlt mit einem Flush Draw und Qc7c. Selbst geht mit. Der River bringt die KaroDame, einer der beiden Flush Draws ist damit angekommen. Selbst checkt, Greenstein checkt, Klein, der die beste Hand hält, spielt an – $23.000 in den $47.000-Pot. Selbst steigt aus, aber Barry Greenstein etscheidet sich dafür den Flush zu repräsentieren. Greenstein erhöht um $100.000. Klein legt die beste Hand weg.

Selbst sagt: „Gute Hand.“
Doch Viffer hat alles ganz anders gesehen.
„Das war keine gute Hand. Guter Einsatz, Barry!“

Dann erklärt er, dass es ein Fehler gewesen sei, dass er vor dem Flop ausgestiegen sei.
„Wenn du den Nut Flush hattest, dann war er gut“, sagt Greenstein.
Viffer schüttelt den Kopf, wie es nur ein Cyberpunk mit Realitätsstörung kann, er gackert: „Ah…, he… ich hatte zwei Paare, und die waren gut.“

Oder ihr lest ein altes Stück von Phil Laak über Viffer und habt Spaß. http://www.bluffmagazine.com/magazine/The-Sickest-Hand-Phil-Laak-682.htm