oder, warum es trash talking auch nicht bringt.

Poker ist ein Konkurrenzspiel, ein Einzelkämpfer Sport, ein Kräfte messen, nur die Starken überleben. Ich könnte das nun ewig weiterführen nur um dann am Schluss zu sagen *mööp* falsche Antwort. Nein!? Stimmt nicht? Schon einmal einen trash talker online am Tisch gehabt? Schon einmal miterlebt wie eine unausgesprochene Absprache, fast einen kompletten Tisch vereinigt hat? Dessen einziges Ziel es war, den trash talker so auszuspielen, das ihm die Lust am schreiben vergeht.

Trash talking wird von einigen als Poker Strategie ansehen, allerdings meistens nur von denjenigen die diese Taktik selbst verfolgen. Diese “Taktik“ unterscheidet sich noch mal zwischen online (hauptsächlich Beleidigungen gegen einen oder mehrere Mitspieler) und live (auf jemanden so einzureden das er die Nerven verliert). Der berühmteste Vertreter dieser Taktik ist wohl Jamie Gold, der beim Main Event der WSOP 2006 nicht durch seine Spielerqualitäten auffiel, sondern hauptsächlich dadurch das er so massiv auf seine Gegner einredete, das diese irgendwann so genervt waren das sie anfingen Fehler zu machen. Dieses Verhalten am Tisch, ist einer der Hauptgründe warum sein Sieg sehr umstritten ist. Paul Wasicka hat in der entscheidenden heads up Hand kein einziges Mal “call“ zu dem all in push von Jamie Gold gesagt, das hat quasi Jamie Gold für ihn gemacht. Nun ist Otto Normalspieler aber nicht Jamie Gold. Sicher wird man mit trash talking den ein oder anderen dazu bekommen on tilt zu laufen, allerdings immer mit der Gefahr rasend schnell einen kompletten Tisch gegen sich zu haben. Und genau ab diesem Punkt wird aus dem Einzelkämpfer Sport schlechthin auf seltsame Weise ein Mannschaftssport. Ich habe lange über dieses Phänomen nachgedacht, denn eigentlich ist es ja auch zu meinem Vorteil wenn jemand on tilt läuft. Wie kommt es also das einer der besten Spieler auf dem Limit, er sonst nie großartig etwas von sich gibt, folgendes (sinngemäß aus dem englischen übersetzt) schreibt; „beruhig dich, setz eine Runde aus, wir kümmern uns um ihn“ und der Tisch geschlossen mitzieht. Nicht an das Aquarium klopfen, war mein erster Gedanke. Aber das war es nicht. Vielleicht kennt er den Spieler? Auch nicht, ich habe Nachgefragt. Fair Play tauchte dann irgendwann im Chatfenster auf. Und genau das war es. Einmal wurde der Spieler geschützt der gerade dabei war on tilt zu laufen. Auf der anderen Seite wurde wirklich schönes Poker gespielt. Es ging nicht darum den trash talker fertig zu machen, sondern darum ihn so zu beschäftigen das ihm die Lust am schreiben verging.

Fair Play:

„Fair Play bezeichnet nicht nur das Einhalten der Spielregeln, Fair Play beschreibt vielmehr eine Haltung des Sportlers: der Respekt vor dem sportlichen Gegner und die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit.
Fair verhält sich derjenige Sportler, der vom anderen her denkt.“

Für mich persönlich war dies bis jetzt, einer der beeindruckendsten Momente in diesem Spiel, in das wir alle doch irgendwie Herzblut investieren.

 

 

Zartbitter

Textsoundtrack beim Schreiben: Broadcast – Tender Buttons