Varianz ist sowas wie die dunkle Seite der Macht beim Poker. Sie erhebt ihr janusköpfiges Haupt, grinst sich eins und macht aus siegessicheren Spielern verzweifelte Tilter, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Frust. Varianz hält sich nicht an Regeln, sie kennt kein Maß und keine Mitte. Nur langfristig sollte alles wieder ins Lot kommen, irgendwann. Bis dahin gilt es die Nerven zu behalten, irgendwie.

Du verlierst Coin Flips in Serie – Varianz. Der große Fisch stellt wieder mit einer marginalen Hand sein Chips in die Mitte und dann kommt der River – autsch, Varianz. Der schräge Schwede liebt die großen Einsätze und bringt seine 100 BB gern schon vor dem Flop mit Dame Vier im Pott unter und die Asse verlieren trotzdem. Das geht noch eine Weile so weiter – Varianz, Varianz, Varianz. Eine Beschwörung, es ist doch nur Varianz. Macht dich natürlich natürlich trotzdem wahnsinnig, wenn der Schwede mit seinen 800 BB zu einem höheren Limit rennt und die ganze Kohle in nur einer Hand in den Sand setzt.

Trotzdem, in diesem Monat lief es ziemlich gut, definitiv einer der besseren Monate. Nach 14.000 Händen liegt die Winrate bei 6 BB/100. Also, kein Jammern. Im Poker habe ich so ziemlich alles erlebt, den guten Lauf, aber auch die schlechten, auch solche, bei denen du dich fragtest: Hört das wieder auf? In solchen Phasen kann es schon mal vorkommen, dass du dir überlegst, das Spiel an den Nagel zu hängen. Meist ist es das nur ein kurzer Gedanke. Ich bin sicher, ich spiele bis ans Ende meiner Tage.

Aber ich bekenne mich schuldig. Gefühlt, glaubte ich immer, lief es schlechter, als ich es verdient hätte. Ein Phil-Hellmuth-Syndrom. Ich bekomme Bad Beats, teile aber weit weniger welche aus. Ich könnte ja auch mal aussucken. Im Januar entwickelte ich dann noch ein Phil-Hellmuth-Syndrom. Nicht, weil ich ausrastete – immer wieder schön, Phil's Top 5:

http://www.youtube.com/watch?v=kIgvhkfTyQM 

Hellmuth hatte mal eine Phase, da wollte er sich immer versichern für den Fall, dass er eine Hand doch noch verlöre. Er versuchte bei seinen Mitspielern, eine Versicherung abzuschließen. Für den Fall der Fälle hätte er dann einen Teil des Geldes zurückbekommen. Gewann er, musst er nur den Versicherungsbetrag abgeben. Eigentlich keine schlechte Idee.

Im Januar lief es, wie gesagt, gut, aber dabei gleichzeitig auch schlecht. Unterm Strich lag ich nach 9.000 Händen zwar vorne, aber laut All-In EV hätte ich fast dreimal so gut dastehen können. Hätte ich eine Versicherung gehabt, hätte ich wenigstens einen Teil des Geldes in der Tasche gehabt von jenen Händen, bei denen es mich derbe erwischte.

Durch eine Versicherung ließe sich zumindest die Varianz des Spiels leichter ertragen. Tatsächlich gibt eine Seite, die das anbietet, InsuredPlay. Du kannst jede Hand versichern, bei dem du vor dem River all-in bist. Ich mache hier jetzt keine Mathestunde, um auszurechnen, wie viel Equity ich bereit wäre abzugeben, um meine Nerven zu schonen. Ich habe mich nicht angemeldet bei InusredPlay, dies ist also auch keine Empfehlung (bei 2+2 gibt es einen langen Thread mit Pro und Contra) Ich bin nicht sicher, ob das Geschäftsmodell schon ausgereift ist und der Laden seriös ist, aber die Idee hätte das Zeug, das Pokerspiel zu verändern.

Andererseits, Poker ist halt wie das Leben. Da bekommst du auch nur selten das, was du erwartet hast. Und die Versicherungen zahlen eher nicht, wenn es drauf ankommt. Außer du bist eine Bank, da zahlt der Steuerzahler. Und wenn es mal wieder ganz anders kommt: Don't forget to breath!

http://www.youtube.com/watch?v=MN0gu37yRmQ

Zockt weiter!