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Geschrieben von: Zartbitter Samstag, 26. September 2009 um 11:14 Uhr

oder, warum es trash talking auch nicht bringt.

Poker ist ein Konkurrenzspiel, ein Einzelkämpfer Sport, ein Kräfte messen, nur die Starken überleben. Ich könnte das nun ewig weiterführen nur um dann am Schluss zu sagen *mööp* falsche Antwort. Nein!? Stimmt nicht? Schon einmal einen trash talker online am Tisch gehabt? Schon einmal miterlebt wie eine unausgesprochene Absprache, fast einen kompletten Tisch vereinigt hat? Dessen einziges Ziel es war, den trash talker so auszuspielen, das ihm die Lust am schreiben vergeht.

Trash talking wird von einigen als Poker Strategie ansehen, allerdings meistens nur von denjenigen die diese Taktik selbst verfolgen. Diese “Taktik“ unterscheidet sich noch mal zwischen online (hauptsächlich Beleidigungen gegen einen oder mehrere Mitspieler) und live (auf jemanden so einzureden das er die Nerven verliert). Der berühmteste Vertreter dieser Taktik ist wohl Jamie Gold, der beim Main Event der WSOP 2006 nicht durch seine Spielerqualitäten auffiel, sondern hauptsächlich dadurch das er so massiv auf seine Gegner einredete, das diese irgendwann so genervt waren das sie anfingen Fehler zu machen. Dieses Verhalten am Tisch, ist einer der Hauptgründe warum sein Sieg sehr umstritten ist. Paul Wasicka hat in der entscheidenden heads up Hand kein einziges Mal “call“ zu dem all in push von Jamie Gold gesagt, das hat quasi Jamie Gold für ihn gemacht. Nun ist Otto Normalspieler aber nicht Jamie Gold. Sicher wird man mit trash talking den ein oder anderen dazu bekommen on tilt zu laufen, allerdings immer mit der Gefahr rasend schnell einen kompletten Tisch gegen sich zu haben. Und genau ab diesem Punkt wird aus dem Einzelkämpfer Sport schlechthin auf seltsame Weise ein Mannschaftssport. Ich habe lange über dieses Phänomen nachgedacht, denn eigentlich ist es ja auch zu meinem Vorteil wenn jemand on tilt läuft. Wie kommt es also das einer der besten Spieler auf dem Limit, er sonst nie großartig etwas von sich gibt, folgendes (sinngemäß aus dem englischen übersetzt) schreibt; „beruhig dich, setz eine Runde aus, wir kümmern uns um ihn“ und der Tisch geschlossen mitzieht. Nicht an das Aquarium klopfen, war mein erster Gedanke. Aber das war es nicht. Vielleicht kennt er den Spieler? Auch nicht, ich habe Nachgefragt. Fair Play tauchte dann irgendwann im Chatfenster auf. Und genau das war es. Einmal wurde der Spieler geschützt der gerade dabei war on tilt zu laufen. Auf der anderen Seite wurde wirklich schönes Poker gespielt. Es ging nicht darum den trash talker fertig zu machen, sondern darum ihn so zu beschäftigen das ihm die Lust am schreiben verging.

Fair Play:

"Fair Play bezeichnet nicht nur das Einhalten der Spielregeln, Fair Play beschreibt vielmehr eine Haltung des Sportlers: der Respekt vor dem sportlichen Gegner und die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit.
Fair verhält sich derjenige Sportler, der vom anderen her denkt."

Für mich persönlich war dies bis jetzt, einer der beeindruckendsten Momente in diesem Spiel, in das wir alle doch irgendwie Herzblut investieren.

 

 

Zartbitter

Textsoundtrack beim Schreiben: Broadcast - Tender Buttons

Kommentare (4)
Müllsprech
4 Dienstag, 29. September 2009 um 22:27 Uhr
Thrym
Ich finde es in Live-Partien völlig OK. Gehört definitiv zum Spiel durch Gespräche Infos rauszukitzeln, wobei man hier natürlich höfich bleiben sollte.

Online ist es meistens einfach nur lächerlich, da ist in der Regel einfach Fremdschämen angesagt. Ich habe mehrere Millionen Hände gespielt in den letzen Jahren, und ich habe NOCH NIE einen guten Spieler beleidigungen im Chat schreiben sehen. Wer im Chat rumpöbelt, dem kann man beruhigt ne Note "Fisch" machen.
Gute Spieler interessiert ein einzelner Badbeat einfach zu wenig, sie haben den ganzen Wahrscheinlichkeitskram zu sehr verinnerlicht, um eine Luckbox übel zu beschimpfen. Kein Shark würde es riskieren seinen besten Kunden am Tisch durch Pöbeleien zu vergraulen ;-)
netter artikel
3 Sonntag, 27. September 2009 um 17:49 Uhr
Brrrrrrruuuuuuuuuuuuuumselbiene
Ich kenne auch so einige leute, die gerne mal "trash talking" anwenden und ich muss schon sagen, dass dieses durchaus einen Einfluss auf die Wahrnehmung und Einschätzung des Spielers hat. Jedoch nur solange, bis man durch eine gespielte bzw. gesehene Hand eines besseren belehrt wurde und das "trash talking" als das identifiziert hat, was es ist, eine Taktik.

Ansonsten finde ich den Artikel sehr gut geschrieben und was ich vorallem an deinen Artikeln mag ist, dass immer ein roter Faden bzw. eine Geschichte vorhanden ist, in welche die pokerrelevanten Infos eingebunden sind.

Daumen Hoch weiter so.

Lieben Gruß,

die Brumselmupfel
...
2 Sonntag, 27. September 2009 um 01:24 Uhr
Zartbitter
Ich denke so etwas erlebt man nicht oft. Aber wenn dann prägt es eben auch ein Stück weit.
trash
1 Samstag, 26. September 2009 um 12:28 Uhr
Dobijoe
kann ich so nicht bestätigen bzw nicht mitreden.online störts mich nicht was im chat abgeht ausser man railt nen buddy zb.live kommts drauf an.in nem turnier is der ipod mein freund und cg spiel ich fast nur in holland wo es eher lustig ist den tabletalk (nicht trashtalk) zu verfolgen.live hab ich glaub ich aber auch weniger als 200 h gespielt weshalb ich da mit meiner erfahrung sicher nicht der maßstab bin.

online nervt mich eher wenn zb 4 franzosen chatten und ich nicht weiß was da grade evtl beredet wird.ansonsten is es mir wie gesagt egal was da abgeht.ob schnorrer oder sonstwas.

finde die von dir beschriebene aktion aber gut und würde wohl auch mitziehen ohne grosse absprache wenn ich es mal erleben würde.

gruß
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