Geschrieben von: Zartbitter Donnerstag, 17. September 2009 um 01:31 Uhr
oder einfach nur f*** you, f*** you very very much.Ich starre den Monitor an und bin einfach nur fassungslos, sprachlos, leer. Ich schaue mir die Wiederholung an, ja er hat es wirklich getan. Er hat mein all in auf dem flop gecallt, auf einem 7 J A board mit 10 8, ich halte AA und schiebe nach seinem rerais auf meine 22$ conti bet meinen Rest von 163,50$ rein. Turn 3. River 9. Ich schau es mir noch mal an, sehe dabei zu wie die Gewinnerhand markiert wird und sich der 392 $ pot langsam in seine Richtung bewegt. Schreien, gute Idee. Geht aber gerade nicht. Wut, Ärger? Fehlanzeige, da ist nichts. Nichts außer der Hintergrundmusik, und dem Chatfenster wo er gerade bad luck geschrieben hat und Lily Allen die in genau diesem Moment f*** you, f*** you very very much * singt. Und w-i-e recht sie gerade hat.
Und nun? Aufladen und den Wadenbeißer Tick bekommen, alá jetzt erst recht? Aufladen und ganz gepflegt on tilt gehen, da die Wut blind gemacht hat? Ganz Ladylike nach den Taschentüchern greifen und erstmal eine Runde heulen? Einen roten Kopf bekommen, lustige Geräusche von sich geben und nach den Beta Blockern (Herzmedikament) greifen, oder besser gleich zwei Valium (Beruhigungsmittel) einwerfen? Rummotzen; “das darf doch nicht wahr sein, sieht der die Karten vorher oder was?“? Fluchen; “….du…(Bitte setzen Sie das Lieblings Schimpfwort ihrer Wahl ein)…(ggf. noch mal)….? Irgendwas gegen die Wand werfen? Anti- Aggressions- Mantra aufsagen? Pause machen und eine rauchen? Wieder aufladen und normal weiterspielen?
Aufladen, normal weiterspielen, fünf Minuten später alles zu machen und anfangen darüber zu schreiben. Kurz ans Forum denken, da war ja auch noch was. Und zwar das “ Ich finde Verluste akzeptieren schließt sie nicht persönlich nehmen ein!“ (Zitat Dweg85). Also grübele ich ein bisschen darüber nach und stelle fest, ja passt auf den ersten Blick. Um dann auf ein -nein passt nicht!- zu kommen. Ein Verlust zu akzeptieren bedeutet noch lange nicht dass man ihn nicht persönlich nimmt. Wie komme ich jetzt darauf? Verlust bedeute „Verlorengehen“ von Energie, etwas materiellem wie Eigentum, oder einer nahestehenden Person. Die Sache muss einen bestimmten Wert haben, damit wir den Verlust überhaupt bemerken. Okay beim Pokern ist es ziemlich klar und deutlich wenn auf einmal alle Chips weg sind, ist irgendwas schief gelaufen. Aber was ist mit dem Rest, dem den man nicht sieht? Wie kommt es das ein einziger Verlust das Fass zum überlaufen bringt, und solche Dinge wie Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Mut gleicht mit wegspült. Dass das Geld weg, kann man recht schnell akzeptieren, allerdings die Umstände, warum es so ist, manchmal nur sehr schwer. Umstände die es schwer machen einen Verlust nicht persönlich zu nehmen. Umstände die dafür sorgen, dass man nach solch einer Session nur noch alles hinwerfen will. Sich verkriechen will. Decke über dem Kopf und der Welt sagen; Ich bin nicht da! Umstände auf die wir keinen Einfluss haben, Schicksal, Karma, Zufall, schlechtes Timing oder einfach Pech. Umständen denen wir Tag täglich hilflos ausgeliefert sind. Erst wenn wir akzeptiert haben das es eben Dinge gibt auf die wir keinerlei Einfluss haben, auf die Nase fallen, wieder aufstehen können, ohne das jedes Mal etwas elementares wie ein Stückchen Selbstvertrauen verloren geht, dann ist ein Verlust nichts persönliches mehr. Und bis dahin ist es ein weiter Weg.
Von daher frohes fallen und unbeschadet wieder aufstehen allerseits.
Zartbitter
* Textsoundtrack Lily Allen - Fuck you
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Aber dennoch bleibe ich bei meiner Meinung das ein Verlust akzeptieren und einen Verlust nicht persönlich nehmen zwei verschiedene Dinge sind. Allerdings haben wir ja festgestellt das etwas persönlich nehmen wieder individuell interpretiert wird. Und das ist auch gut so.
@Dobijoe: Okay klares Missverständnis. Nein mich macht solch ein suckout nicht fertig. So was gehört dazu. Allerdings bezog sich der Text ab dem 2ten Abschnitt wieder auf den Forumsbeitrag (Ehck´s Pause, siehe Link im Text). Denn ich denke bzw. ich weiß wie es ist wenn dir etwas auf die Psyche schlägt obwohl du das schon 100-mal erlebt hast, aber ein einziges Mal reicht auf einmal um dich fertig zu machen. Das habe ich versucht aufzuarbeiten...siehe Umstände auf die wir keinen Einfluss haben. Das hat in meinen Augen mit Schwäche nichts zu tun, sondern ist meistens von mehreren Faktoren abhängig wie z.B. schlechter Tag gehabt und dann noch so was das kann einem den Rest geben. Hat also weniger mit dieser einen Situation zu tun sondern mit der Summe der Dinge. Ich hoffe du kannst es einigermaßen nachvollziehen was ich meine, ist schwer zu erklären ohne ein konkretes Beispiel.
@Ehck: Danke für deinen Kommentar, freut mich das mein Text bei der richtigen Person ankam. Und du hast eine PN von mir.
Ich bin kein Anhänger der "Online-Poker ist rigged"-Theorie. Ein Anbieter hätte nichts und auch garnichts davon einen Spieler einem anderen gegenüber zu bevorzugen.
Aber es ist doch ganz offensichtlich so, dass es im Leben Glückspilze und Pechmaries gibt. Man kann sicherlich auch durch sein eigene Einstellung den persönlichen Erfolg beeinflussen. Wenn ich mit der Einstellung in ein Vorstellungsgespräch gehe, dass ich den Job eh nicht bekommen werde, werde ich mich mehr oder weniger unbewusst so verhalten, dass ich diese Erwartungen auch erfülle (Stichwort self-fullfilling-prophecy). Umgekehrt trifft dies natürlich auch zu.
Eventuell ist das ja auch beim Pokern so. Gehe ich schon im Vorfeld einer Hand davon aus, mit TT den Drilling zu treffen, treffe ich ihn dann vielleicht eher als wenn ich nicht daran glaube? Und irgendwo an diesem Punkt setzt die Downswing-Theorie ein. Nach einigen derben suckouts geht man doch schon im Vorfeld einer Hand davon aus wieder zu verlieren. Dann spielt man unsicher und foldet auf scary boards auf bluffs zu oft oder hat nicht den Mumm eine Top-Hand zu folden, wenn sie offensichtlich geschlagen ist.
Die große Frage ist aber doch, wie kommt jemand zu einer solchen Einstellung, sowohl in der einen wie in der anderen Richtung?
Gibt es vielleicht doch Menschen, die vom Schicksal ge*ups*t werden und solche, denen einfach die Sonne aus dem Allerwertesten scheint? Oder ist das alles Teil einer "kosmischen Gerechtigkeit"?
Ein Freund von mir hatte beispielsweise vor einigen Jahren einen schweren Fahrradunfall, in Folge dessen er Hirnschäden davontrug. Seine berufliches und privates Leben ging den Bach runter, weil er permanent Kopfschmerzen hatte und müde war. Heute ist er zwar einigermaßen wieder auf dem Damm und hat aufgrund der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers auch ein finanziell mehr als entspanntes Leben. Das kann aber den Verlust des früheren Lebens nur in begrenztem Umfang wieder ausgleichen. Wenn wir mit diesem Freund Pokern, schaut er pre-flop nicht mal seine Karten an und callt mit jeder Hand auch große raises. Und ich kann euch garnicht beschreiben, welche unglaublichen Hände er sich damit schon gezogen hat. Sowas hat einfach nur mit Glück zu tun, sonst nichts. Ein Versuch der "kosmischen Gerechtigkeit"?
Mein Problem liegt wahrscheinlich auch darin, dass ich Ungerechtigkeiten einfach zu persönlich nehme und mich manche Sachen einfach zu sehr betroffen machen. Als ich zum Beispiel von dem Vorfall in der Münchner S-Bahn gehört habe, wurde ich so wütend und auch traurig, als ob ich das Opfer gekannt hätte. Ich weiß nicht was ich getan hätte, wenn man mir diese beiden dreckigen Assos überlassen hätte! Es macht mich einfach rasend, dass man gegen so viele Ungerechtigkeiten auf dieser Welt nichts tun kann!
ich hab nach meinem wechsel zu plo auch gedacht das spiel würde mich fertig machen...im gegenteil...es macht gelassener.
eure disk verstehe ich zwar nicht aber wer verluste persöhnlich nimmt zeigt schwäche imo
wenn ich etwas mehr zeit hab und nich so genervt bin schreib ich dazu mal was ausführlicher.
gruß
Gruß Dapapst
Bei dem Beispiel mit dem "Wie kann der mich da callen..." dachte ich, Persönliches steht für den "persönlichen Hass gegen jmd bestimmtes."
Zum Beispiel wenn man einen Hass auf einen bestimmten Spieler kriegt, dann nimmt man die Verluste persönlich und akzeptiert sie nicht. Wenn man dagegen 3 Coinflips in Folge verliert, und deswegen tiltet, dann nimmt man die Verluste evtl nicht persönlich, aber akzeptiert sie trotzdem nicht. [Hier ist persönlich so gemeint, dass man einen Hass auf jmd bestimmtes hat.] Imho ist es leichter zu akzeptieren, dass man 3 Coinflips verliert, als dass man drei Coinflips gegen ein und des selben verliert! Also ist "nicht persönlich nehmen" für mich eine schwierigere Form von Verlusten akzeptieren, aber trotzdem eine Form davon.
Wenn wir dagegen deine Definition aus dem letzten Post nehmen, dann ist "nicht persönlich nehmen" das Gleiche wie "Verluste akzeptieren".
Glaubst jmd ausser uns liest den Mist!?!
Weil "Verluste persönlich nehmen" "Verluste akzeptieren" logisch ausschließt!