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Geschrieben von: Zartbitter Samstag, 19. September 2009 um 03:35 Uhr

[Der folgende Text repräsentiert nicht die Meinung der Betreiber von Pokern.com. Er spiegelt rein die Gedanken und die persönliche Meinung der Autorin wieder.] - Anm. d. Autorin

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über fair play schreiben, aber wie das Leben so spielt war das Forum mal wieder schneller und brachte mich auf einen anderen Gedanken. Und so kamen wir von Marotten beim Pokern auf Drogen und Poker.

Allerdings tue ich mir gerade schwer damit einen Anfang zu finden. Ich muss an Stu Ungar denken, für den Drogen das Karriere Aus bedeutet haben. An Mike Matusow der wegen Drogen ins Gefängnis kam. An das WSOP Satellit Anfang des Jahres, als der ¾ Tisch es lustig fand sich jetzt einen Joint zu bauen und gemeinsam breit online zu spielen, der Chat 15 Minuten später war übrigens sehr unterhaltsam. Also schmeiße ich mal Google an und stelle fest, es gibt keinen einzigen Artikel zu diesem Thema, alles was ich finde sind Spieler die ihre Erfahrung berichten, Forumsbeiträge, Verweise auf die Poker Pros die ich bereits genannt habe. Das lässt sich ändern dachte ich mir, also beginne ich mit meinem Schreibritual, ich suche mir den passenden Textsoundtrack *. Eine halbe Stunde später habe ich dann auch endlich etwas Passendes gefunden, nur um dann das leere Word Dokument anzustarren. Tolle Leistung. Mittlerweile weiß ich warum es keinen Artikel dazu gibt, das Thema ist schwer. Egal wie ich es anstelle am Ende werde ich entweder die Pro oder Kontra Stellung einnehmen. Kopf oder Zahl?

Schlussendlich entscheide ich mich für den schwierigsten Weg, den ehrlichen.

Ich weiß wie es ist dabei hilflos zuzusehen zu wie jemand an Drogen zu Grunde geht. Ich weiß wie viele der Patienten der hiesigen Kinder- und Jugendliche- psychiatrischen Station momentan dort auf Grund Drogeninduzierter Psychose sind. Ich weiß wie fertig mache von den Substitution Patienten sind, die täglich morgens, 30 Minuten vor der Öffnungszeit, auf glühenden Kohlen vor der Apotheke stehen um ihre Methadon Ration einzunehmen. Ich kann die Definition von Drogen und Betäubungsmittel seit dem ersten Semester auswendig. Ich weiß wie Tetrahydrocannabinol chemisch aussieht. Und ich weiß auch wie es wirkt. Wie es sich anfühlt wenn diese süße Schwere einsetzt, man sich hemmungslos über irgendeinen Mist kaputt lacht. Wenn man das Gefühl hat, das Alles irgendwie einen Sinn ergibt und man sich in der Endlosschleife eines Gedanken befindet. Und irgendwo spuckt es penetrant zwischen meinen Gehirnwindungen, das Worte auch verführen können. So hat damals das Buch “Wir die Kinder vom Bahnhof Zoo“, viele Jugendliche neugierig gemacht, und stand deshalb auch stark in der Kritik.

Poker ist ein Glücksspiel und hat eine Suchtkomponente ebenso wie Drogen, das ist einfach Fakt. Allerdings ist Poker auch ein Spiel das einen klaren Verstand benötigt. Wie also passen diese zwei Dinge zusammen? Eigentlich gar nicht und doch irgendwie sehr. Jede Droge wirkt anders auf jeden Mensch. Während der eine zu großartig nichts mehr fähig ist außer breit/ high zu sein, laufen andere zu geistigen Hochformen auf. Und wieder ein andere kommt auf die fixe Idee sich an den Tisch zu setzen und ein bisschen zu spielen. In dem Fall, ich. Kann das gut gehen? Meiner persönliche Erfahrung nach ja, allerdings habe ich den nötigen Respekt, einmal vor der Wirkung einer Droge und deren Auswirkung und vor meinem Geld. Also habe ich mich damals dazu entschieden im Spielgeld Modus zu spielen, 50er sit&gos. Schlussendlich hatte ich an einem Abend ca. 40 gespielt, teilweise 8 gleichzeitig, normalerweise packe ich zwei. Ein paar habe ich gewonnen, bei ein paar bin ich ins (Spiel)Geld gekommen. Dachte zwischenzeitig ich weiß welche Karte als nächstes kommt. Habe die dümmsten calls gemacht. Hatte einen Lachkrampf wegen J A, Jackass. Alles in allem hatte ich meinen Spaß. Würde ich mich breit an einen Cash Game Tisch setzen?

Klares Nein! Denn im Nachhinein könnte ich nicht sagen wer gespielt hat. Die Droge oder ich?

 

 

Zartbitter, die auch nur einen weiteren Erfahrungsbericht geschrieben hat

 

* Textsoundtrack Pixies – Where is my mind

Kommentare (8)
Alk
8 Dienstag, 29. September 2009 um 22:35 Uhr
Thrym
Also bei mir erhöht Alkohol ziemlich massiv die Varianz. Ich spiele gerne abends, auch wenn ich mal wirklich stark angetrunken nach Hause komme. Mein Spiel wird deutlich aggressiver und ich streue deutlich mehr Moves ein. Das wirkt sich allerdings nur sehr wenig auf die Winrate aus, dafür aber stark auf die Varianz. Wenn 4Bet-Bluffs klappen wirds halt gern mal ne fette winning-Session, wenn mehrere gecallt werden siehts schnell düster aus

Manchmal biste der Hund, manchmal der Baum!

Gibt übrigens noch ne Quelle, im Brunson-Buch, wo er seine 50 denkwürdigsten Hände beschreibt. Wärend einer dieser Hände fällt sein Gegner tot vom Stuhl, weil er sich völlig mit Drogen zugedröhnt hatte und seit 72 Stunden an diesem Tisch saß
...
7 Samstag, 26. September 2009 um 11:44 Uhr
Zartbitter
Danke für das Lob MACHiNE86 =)
Und ganz ehrlich das ist nicht gerade ein Thema bei dem man stolz darauf sein muss wenn man mitreden kann.
...
6 Samstag, 19. September 2009 um 23:48 Uhr
MACHiNE86
Du hast da ein ziemlich sensibles Thema angesprochen und das auch echt gut umgesetzt. Kann leider nur begrenzt mitreden, da ich nur die "gesellschaftlich akzeptierten Drogen" konsumiere.

Hier aber meine Erfahrungen mit Alk u. Online-Poker: ein Kumpel und ich machen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Online-Nächte bei denen wir zu zweit meistens ne Kiste Beck's leer kriegen.
Wie ja jeder weiß, hat Alkohol eine enthemmende Wirkung, was beim Pokern eigentlich kein Vorteil ist. Jedoch hab ich meine lukrativsten MTT-Cashes in solchen Nächten gezogen. Man macht einfach sehr aggressive Moves, für die man nüchtern nicht immer die Eier hat. Ich nenne das den "Donk-Faktor". Deshalb nehme ich mir auch immer vor in diesen Nächten nur SNGs und MTTs zu spielen. Ab und zu setzt die Selbstdisziplin aber aus und ich spiele auch dann Cash, was absolut tödlich ist. Bei der letzten Nacht 6 volle Stacks verbrannt und dann im Suff NL50 statt NL25 gespielt und auch ein Tisch PLO 25c/50c aufgemacht, obwohl ich eigentlich keinen Plan von Omaha habe... Zum Glück hab ich dann einen Teil der Verluste zurückgeholt, Schwein gehabt...

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?
..
5 Samstag, 19. September 2009 um 19:57 Uhr
Zartbitter
Ich bin mal wieder Überrascht, ich dachte entweder kommentiert diesmal gar niemand oder es gibt Mord und Totschlag.

Alkohol, Koffein und Nikotin sind nun mal gesellschaftlich akzeptiert im Gegensatz zu Cannabis. Cannabis ist für mich persönlich eine der Heilpflanzen mit dem größten Potenzial, allerdings wird die Forschung im Medizinischen/ Pharmazeutischen Bereich auch massiv blockiert. Wobei sich da momentan etwas tut.
Standard....
4 Samstag, 19. September 2009 um 11:06 Uhr
Dweg85
....achja, natürlich gut geschrieben! Nicht das ich wieder ärger krieg, dass ich mich immer kontrapositioniere.
lol
3 Samstag, 19. September 2009 um 11:03 Uhr
Dweg85
Halte es auch nicht für ideal/gut....aber wenn du so breit bist, dass du dich über J A totlachst, is ja klar, dass des nix werden kann! ;)
level
2 Samstag, 19. September 2009 um 10:51 Uhr
Dobijoe
hi,

wieder ma n gut geschriebener eintrag!die meinungen gehen wie bei so vielem auseinander....

ich schrieb ja schon das es mir beim pokern nix bringt.weder downer noch upper.

merkwürdig finde ich jedenfalls das man als kiffer zb immer noch als drogie betitelt wird.als starker bierkonsument is man eher cool und es wird völlig geduldet.naja.....
der betreff hats nötig
1 Samstag, 19. September 2009 um 06:08 Uhr
Phigo
guter beitrag! ich halte es so wie früher in der schule: Wenn ich breit bin brauch ich auch nicht hin.
:D dasselbe wie pokern, betrunken machts kaum sinn und bekifft hau ich mir lieber n film rein oder spiel playstation. poker ist ja für mich arbeit und da sollte man sich schon diziplinieren.
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