Hallo Zocker, 59 Wochen oder 416 Tage oder 10000 Stunden – solange musst du Poker spielen, bevor aus dir ein wirklich guter Pokerspieler wird. Das glaubt zumindest Andrew Robl. Eine Menge Holz. Ich bin nicht sicher, ob ich die Hälfte des Weges schon hinter mir habe. Oder ob ich zu denen gehöre, die schon lange übers Ziel hinaus und trotzdem nicht aus ihrem mediokren Pokerdasein ausgebrochen sind.

Ist natürlich alles eine Frage der Perspektive. Und die Perspektive wechselt. Poker ist das das Spiel, bei dem du dir nicht sicher sein kannst. Zuversichtlich vielleicht, aber nicht sicher. Eben sahst wie der sichere Sieger aus, eine Karte später bist du der größte Verlierer am Tisch. Da staunst du runde Bauklötze. Das härtet ab. Und so war der März, ein einziges Abhärtungstraining. 92 Prozent vorne reichen eben manchmal nicht. Und schon wieder nicht. Und nochmal undsoweiter. Unterm Strich lief es 20 Buy-Ins unter EV und reichte für einen ordentlichen Downswing. Deswegen brauchst du möglichst schwarzen Humor, wenn du Poker spielst. Zeit für einen kleinen „courtesy lick“.

 

 

http://www.youtube.com/watch?v=_KqqRPvM_Sw


Natürlich bringt mich das nicht aus der Spur. Dafür gibt es immer noch Pokernachrichten, die verkrampft aus irgendwelchen Nichtigkeiten vermeintliche Nachrichten drehen. Hochgepokert ist immer schlecht dabei, diesmal soll Mad Marvin Rettenmeier den größten Downswing seiner Karriere erleben. You know what? Ich möchte in einem Artikel über den größten Downswing meiner Karriere auch mal die Zeilen lesen: „Der letzte Sieg liegt sogar noch länger zurück. Im Dezember 2012 gewann er das EPT Prag Highroller Event für gerade einmal €365.000.“ Ist ja eine Dürre biblischen Ausmaßes.

Ach ja, ist es nicht süß? Fast so lächerlich wie der Tweet des Mike „timex“ McDonald, er hasse das Spiel wegen dieser Hand. Den Tweet hat er dann lieber wieder gelöscht, zumal ihm Ben Wilinofsky bei Gott versprach, ihn wie einen Fisch auszunehmen, sollte er jemals wieder tweeten, dass es schlecht für ihn laufe.

Wilinofsky hat seine eigene Geschichte. Wilinofsky hat ein paar Millionen online gewonnen und im Jahr 2011 die EPT Berlin für etwas mehr als 800.000 Euro. Aber das ist nur eine Hälfte seiner Geschichte. Wilinofsky leidet seit seinem zwölften Lebensjahr an Depressionen. Und die sind sein ärgster Gegner.

Vieles ist eine Frage der Perspektive. Schlimm ist es erst, wenn du keine Perspektive mehr sieht. Poker ist nicht das Leben, nur ein Teil, der den Charakter stärken kann, und darauf kommt es an, gerade wenn es nicht läuft. Wie sagte der weise Nick the Greek Dandolos:

The next best thing
to playing and winning is
playing and losing.

The main thing is to play.

Hang loose, zockt weiter.