Es ist April, das Wetter macht, was es will, und wer nicht aufpasst, bekommt von seinen Mitmenschen einen Aprilscherz verpasst. Insofern war es ein bisschen vorhersehbar, dass Full Tilt am 1. April seine Pforten wieder eröffnet, Lionel Messi und Tiger Woods als Pokerbotschafter der Gruppe Bernhard Tapie um die Welt ziehen, während Chris „Jesus“ Fergueson in einem thailändischen Tempel zu einem besseren Menschen werden will. Howard Lederer hat Daniel Negreanu eines schönen Sonntagmorgens, natürlich auch im April, angerufen und um Verständnis gebeten. Damn, er wusste wirklich nichts, von dem was da bei Full Tilt schief lief, und bemühe sich jetzt aufrichtig darum, dass die Spieler, denen der Laden noch Moneten schuldet, spätestens Ende 2013 ihr Geld haben.

Das waren die Aprilmärchen. Gut sechs Wochen habe ich mich nicht um Nachrichten aus der Pokerwelt gekümmert, doch die Wirklichkeit kann mit den Märchen locker mithalten. Der lokale Pokerheld Pius Heinz hat inzwischen 30.000 Facebook-Fans. Der immer gut gelaunte und freundlich lächelnde Erick Lindgren hat offenbar eine recht ordentlich funktionierende Technik entwickelt, sich überall Geld zusammenzuleihen und seine Geldgeber zu prellen. Er soll Spielern, dem Finanzamt und einem Laden namens Full Tilt mehr oder weniger acht Millionen Dollar schulden – mehr oder weniger, halt. Dann ist da noch die Geschichte der Epic Poker League. Mit ihrer Frontfrau Annie Duke, zugehörig zum Lederer-Clan, und Jeffrey Pollack, der lange die World Series of Poker mitgestaltete, ist die Epic Poker League nach nur 14 Monaten und drei Turnieren frontal gegen die Wand gefahren. Das zugehörige Unternehmen, Federated Sports and Gaming, hat Verbindlichkeiten von fast acht Millionen Dollar angehäuft (http://www.cardplayer.com/poker-news/13091-epic-poker-statement-shows-more-than-7-8-million-in-liabilities). Und Full Tilt ist imm er noch da, irgendwie. Angeblich hat Full Tilt eine Lizenz beantragt und natürlich wieder bei der AGCC, der Alderney Gambling Control Commission. Da ist der Name nur ein Euphemismus. Kontrolliert hat die AGCC nämlich nie irgendetwas. Sie hat immer alles geglaubt und deswegen von dem wilden Treiben bei Full Tilt Poker nie etwas mitbekommen (http://www.pokerolymp.com/articles/show/news/11670/Full+Tilt+Poker+beantragt+Lizenz+bei+der+AGCC). Es kann eigentlich nur ein Aprilscherz sein.

Jedenfalls hält diese Auswahl den Aprilmärchen locker stand. Was mich zum Image-Problem von Poker bringt. Eigentlich wollte ich in diesem Monat etwas durchweg Positives schreiben. Aber dann musste ich dieses ganze Zeug lesen, einsteigen in diese ganzen absurden Nachrichten aus der Pokerwelt, die einem deutlich machen – der Lack ist ab. Es hat nur wenige Jahre gedauert, von Chris Moneymaker bis zu Full Tilt und Erick Lindgren. Chris Moneymaker war der Star des Pokerbooms, der als Amateur 2003 das Main Event der WSOP gewann. Erick Lindgren hingegen war immer ein Pokerstar, seitdem das Spiel boomte, ein Profi, und nun bleibt nichts mehr übrig von dem schönen Schein, der Strahlemann scheint ein gewöhnlicher Gauner gewesen zu sein.

Poker brauche ein Rebranding, schrieb der Pokerpro Alec Torelli kürzlich in seinem Blog (http://www.alectorelli.com/blog/the-public-perception-a-call-for-change/), (http://www.alectorelli.com/blog/the-game-of-the-future/). Ich habe seine beiden Beiträge neugierig gelesen und war dann doch enttäuscht, ohne dass ich Alec Torelli einen Vorwurf machen könnte. Die beiden Texte zeigen im Grunde nur, wie weit Poker schon war und wie leicht ein Image Schaden nimmt.

Poker war eine Zeit lang raus aus den Hinterzimmern. Poker war kein reines Glücksspiel mehr. Poker hatte tatsächlich gute Aussichten. Warum Torelli sich nun ausgerechnet einen Börsenmakler zum Vergleich gewählt hat, weil der gesellschaftlich akzeptiert sei, das müsste er mir erklären, aber bitte.

Nun macht Torelli Vorschläge, wie das frisch ramponierte Spiel sich wieder herausputzen kann. Mit den Klamotten fängt er an. Wären Spieler adrett gekleidet, würden sich „die Kunden“ wohler fühlen. Dann sind da die Medien, die tendenziell und vor allem lieber negativ berichteten, also irgendwie auch  schuld sind an der Misere. Was etwas naiv ist, zumal es im Poker quasi eine eigene Medienindustrie gegeben hat und gibt, die den ganzen Tag nichts anderes macht, als um jede negative oder kritische Berichterstattung einen möglichst großen Bogen zu machen. Poker war in den letzten zehn Jahren eine Industrie, die sehr erfolgreich ihre Erfolgsgeschichten erzählt hat.

Weitere Lösungsvorschläge: Mehr Helden brauche das Spiel und eine Inszenierung von Rivalität, damit Fans sich auf etwas freuen könnten.

Doch all das gab es schon einmal. Es gab die Identifikationsfiguren, Negreanu, Ivey, Antonius, die alle viel Geld verdient hatten, dann gab es jungen Internetkids, die die alte Garde herausforderten, sie hießen Tom Dwan, Brian Hastings oder Isildur. Es war all das da, was Torelli fordert. Nur ein paar Dumpfbacken haben es gründlich versaut. Das war’s für heute. Zockt weiter!