Hallo Zocker, zum Ende des Jahres braucht es einen würdigen Abschluss, nicht zu heilig, also wird es legendär ordinär. Aus dem Twittorium, dem süchtig machenden Stimmenrausch des Internets, meldete Gus Hansen kürzlich, dass er es verabscheue, wenn Pokerspieler den Dealer angingen. Dealer abuse, Gus hasst das. Die folgende Geschichte wird ihm nicht gefallen.

Sie handelt von Puggy Pearson, eine dieser Figuren, die ihre Pokerkarriere in den 1950er-Jahren in Ställen am Wegesrand auf einer selbstgemachten Tour zwischen Salina, Hopkinsville, Bowling Green und Louisville begannen. Unterwegs mit einem verbeulten Schlitten und einer Kanone – für den Fall der Fälle. Zum Spielen nahm er nur so viel Geld mit, wie er brauchte. Den Rest der Bankroll parkte er unter dem linken Vorderreifen. Pearson fing an zu spielen, weil er arm war, bis eines Tages zu spät gewesen sei, noch irgend etwas anderes zu anzufangen. Ihm gefiel das Leben von heute auf morgen, ohne sich große Gedanken zu machen müssen. Er glaubte nicht, dass das Leben mehr hergebe als ein wenig Spaß zwischendrin. „And that's enough. Why hell, there ain't a breeze in the sky floats freer than I do.“

Puggy Pearson wurde ein high-roller. Er erfand das Turnierpoker und gewann 1973 die World Series of Poker. 13 Spieler legten 10.000 Dollar auf den Tisch, der Gewinner bekam alles. Puggys Gesichtzüge ähnelten zu dieser Zeit schon einer Bulldogge, die Nase eingedrückt, eine hohe Stirn und oft eine Zigarre zwischen den Zähnen. Glück sah er als Linie, die eine richtige und eine falsche Seite habe. Aber er glaubte nicht an Glück, mit Glück allein reiche es nicht für die Miete. Es ging nur darum näher an dieser Linie zu sein als alle anderen.

Und dann gibt es diese eine Geschichte, die Gus nicht gefallen hätte. Eine Nacht in einem Casino irgendwann in den 1970er Jahren. Die Einsätze waren hoch. Puggy Pearson bekam einen üblen Bad Beat verpasst und verlor jede Restscham. Er stieg fluchend auf einen Stuhl, ließ die Hosen runter und urinierte auf den Pokertisch. Einige Erzählungen wollen es, dass er dabei auf den Dealer zielte. Sein Sprinkler war angeblich riesig. Das Tohuwabu jedenfalls muss groß gewesen sein, bis der Sicherheitsdienst den immer noch fluchenden Pearson an die frische Luft setzte. Kaum zu glauben, ein Weltmeister pinkelt auf den Pokertisch. Nolan Dalla, der ein großartiges Buch über Stuey „The Kid“ Ungar geschrieben hat, konnte die Geschichte kürzlich verifizieren. Er sprach mit einem Augenzeugen.

Die Gegenwart erscheint im Licht dieses Ausrasters fast gesittet. Ganz oberflächlich gesehen. In Unterhosen online zu spielen, sich den Screennamen „I play naked“ zu geben, ist eines, in Unterhosen einkaufen zu gehen etwas anderes. Deswegen der letzte paternatlistische Rat des Jahres: Immer den Unterhosenradius im Griff behalten, egal wie es gerade läuft. Zieht die Hosen hoch und auf ein Neues. Zockt weiter.