2011-09-24_fulltiltdead„Sein Körper explodierte einfach wie ein mit Fleisch gefüllter Ballon.“ So berichtet Rose, Charly Harpers Stalkerin aus der Serie „Two and a half man“, vom wenig glamourösen Abgang des saufenden Schürzenjägers. Charly nahm das Leben leicht und  kam meistens damit durch. Er verdiente sein Geld fast im Schlaf mit dem Schreiben von Werbejingles. Den größeren Teil davon verprasste er mit Frauen, Sportwetten und Ausflügen nach Vegas. Seine Philosophie war einfach: „Wenn du verlierst, dann musst du einfach höher setzen, um den Verlust wieder reinzuholen. Sonst stehen eines Tages Männer mit Hackfressen vor deiner Tür, die dein Bookie geschickt hat. Und dann hast du ein Problem!“
Dem schnellen Ende des Serienhelden – angeblich wird er von einem Zug überrollt – ging im wahren Leben der lange Abschied des Darstellers Charlie Sheen voraus, der noch ein paar Monate lange um seinen Job gekämpft hatte. Verloren hatte er ihn wegen ein paar Exzessen, Aussetzern und übler Nachrede. Kurz, er hatte sich daneben benommen. Und das offenbar gründlich, denn es geht das Gerücht, dass CBS und Warner nicht einmal davor zurückschreckten, Sheen den Rausschmiss mit 100 Millionen Dollar zu vergolden. So geht eine Ära zu Ende.
Und irgendwie ähnelt diese Dramaturgie dem langen Sterben von Full Tilt Poker. Full Tilt – das war der Sunnyboy der Pokerwelt. Es fiel ihm alles zu, doch irgendwie wurden die, die das Ganze aufgezogen haben, übermütig. Sie glaubten, sie würden mit allem durchkommen, ganz egal, wie schlimm sie es auch trieben. Die Geldmaschine Full Tilt spuckte Dollar auf Dollar aus und Leute wie Lederer, Fergueson und Bitar bedienten sich reichlich. Sie hielten sich für unangreifbar sie konnten sich nicht vorstellen, dass eines Tages ein paar Hackfressen vor der Tür stehen und ihren Anteil wollen.
Vor gut fünf Monaten war es so weit. Die Hackfressen trugen auf der Brust das Abzeichen des Departement of Justice und, anstatt anzuklopfen, vernagelten sie gleich den ganzen Laden. Der Tag ging als Schwarzer Freitag in die Geschichte des Poker ein und wird den meisten in bleibender Erinnerung sein.
Ich kann mich noch gut an die Wochen danach erinnern, als ich mich fragte, ob ich mein Geld wiedersehen würde. Es wäre das zweite Mal gewesen, dass ein Pokerraum einen Teil meiner Bankroll mit ins Nirvana genommen hätte. Ein Freund versuchte  mich zu beschwichtigen. Ich wunderte mich überhaupt, über die überall zur Schau gestellte Gelassenheit, oder sagen wir den Mangel an Vorstellungsvermögen, dass Full Tilt vielleicht nicht so geführt worden war, wie man es sich gewünscht hätte. Der Freund wollte jedenfalls nicht glauben, dass Full Tilt sich ein derart gutes Geschäft vermiesen würde, indem man zum Beispiel die Spieler nicht auszahle. Er glaubte das noch, als PokerStars längst seine Spieler ausbezahlt hatte.
Seither gibt es hin und wieder Nachrichten, die uns hinhalten sollen. Gerüchte, dass doch noch ein Investor gefunden werden könnte, der alles rausreißt und vielleicht auch die 150 bis 300 Milllionen locker macht für die geprellten Spieler. Solche Verlautbarungen kommen aus dem Umkreis der Verhandlungen mit der Alderney Gambling Control Commission, die mit ewiger Verspätung dann doch noch Full Tilt die Lizenz entzogen haben. Seitdem wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Wie obskur das ist, was da verheimlicht werden soll, kann man sich in fünf Minuten zusammenreimen und schon wird einem übel. Es ist wie das Omerta der Mafia. Die Alderney Gambling Control Commission gehört ebenso dicht gemacht wie Full Tilt Poker. Allein schon deshalb: Sie haben viel zu spät gehandelt und sie haben noch nicht einmal im Interesse der Spieler gehandelt. Und dieses erbärmliche Schauspiel schadet dem Spiel, das die meisten von uns gerne spielen.
Aus dem Schwarzen Freitag wurde jetzt der „Terrible Tuesday“ (http://wickedchopspoker.com/wicked-chops-podcast-terrible-tuesday/). Die Staatsanwaltschaft macht ernst. Howard Lederer, Jesus Fergueson und Rafe Furst werden wegen Betrugs angeklagt. Full Tilt habe zum Schluss wie ein Schneeballsystem funktioniert haben. Als wäre das nicht genug, verhandelt die Alderney Gambling Control Commission noch ein bisschen mit dem Kadaver – natürlich hinter verschlossenen Türen (http://www.gamblingcontrol.org/userfiles/frontpage/FTP_statement.pdf).
Es klingelt …
http://www.youtube.com/watch?v=z_MqlNg4nJ4