Geschrieben von: Administrator Donnerstag, 01. April 2010 um 09:23 Uhr
Poker, Lügen und Video
„I’ll tell what I had for five bucks, I’ll tell you the truth for 10 bucks. I’ll tell you what - I’ll show you for 15.” -- Phil Laak
Wenn es darum geht, Informationen von ihren Gegnern zu bekommen, schrecken Pokerspieler wirklich vor nichts zurück. Nicht mal in Ruhe pinkeln lassen sie dich. Jedenfalls stand ich bei einem Turnier im letzten Oktober in einer Turnierpause endlich vor dem Pissoir, da pirschte sich ein Spanier an mich heran und fragte: What did you have?
Konversation vor den Pinkelbecken ist zwar nicht tabu, aber eher die Ausnahme unter fremden Jungs, findet also dann statt, wenn normal-nüchtern schon etwas länger her ist. Hier war ich unter Pokerspielern, da schien die übliche Zurückhaltung im nüchternen Zustand aufgehoben. Mag sein, dass Spanier das generell anders sehen. Jedenfalls wollte er es wissen. Natürlich hatte ich nicht vor die Wahrheit einfach so auszuplaudern. Wo kämen wir da hin? Pokerspieler sind notorische Lügner, wenn sie Auskunft geben sollen, welche Karten sie auf der Hand hatten. Da mache ich keine Ausnahme. Und schon gar nicht hatte ich vor zuzugeben, dass mein Re-Steal vom Big Blind gegen seine Bet vom Button ziemlich luftig war.
Ich musste mich zusammenreißen. Ich hatte mich vor dem Pinkelbecken sicher geglaubt, unbeobachtet, hatte die eiserne Maske gegen einen Augenblick der Entspannung eingetauscht, aber jetzt fühlte ich mich plötzlich wie Andie MacDowell als Ann Bishop Mullany, die die Frage beantworten soll, wie es ihr gefalle, verheiratet zu sein:
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What did you have? Natürlich musste ich annehmen, dass er wusste, dass ich nie und nimmer mit der Wahrheit rausrücken würde. Möglicherweise kam es ihm gar nicht darauf an, was ich sagte, sondern wie ich es sagte. Allerdings durfte die Hand auch nicht zu leichtfertig gewählt werden. Ass-Dame schien glaubwürdig, ich entschied mich aber binnen Zehntel-Sekunden für ein Paar Jungs, was unterbewusst vielleicht davon beeinflusst wurde, dass zwei Jungs diese Unterhaltung führten, eine Unterhaltung, die ohne Umschweife, lange Vorreden oder höfliche Vorstellungsarien auf den Punkt kam. Und dann sagte ich es: „I had jacks.“ Ich ließ es mir locker über die Zunge gleiten, so beiläufig, wie du an einem strahlend schönen Tag, der dir noch keine Demütigung verpasst hat, zu deinem Zeitungsverkäufer sagst: „Mensch, das ist aber ein Wetterchen heute.“ Er sah mich an, und ich hatte keine Ahnung, ob er mir glaubte; aber ich sah ihm an, dass er überlegte, ob er mir glauben durfte. Vielleicht war ich gar nicht so ein schlechter Schauspieler. So weit die Klogeschichte, so weit zur Ausweitung der Kampfzone.
Lügen gehören zum Pokerspiel, eigentlich dreht sich ein wichtiger Teil des Spiels darum: Sagst du die Wahrheit? Kann ich dir glauben? Bist du glaubwürdig? Oder nimmst du mich schon wieder auf den Arm? Neben der guten Hand, die du gelegentlich triffst, geht es immer um die gut und glaubhaft erzählte Geschichte. Das erfordert Phantasie, analytisches Denken und Kominationsgabe. Oder es geht um das Aufdecken der Lügen deiner Gegner, das Erkennen von Mustern und den angeblichen Tells. Ihr kennt den Witz von dem Poker spielenden Hund: Der Hund, der immer mit dem Schwanz wedelt, wenn er eine gute Hand hat, ist nicht wirklich ein guter Spieler. Denn er hat einen Tell.
Wer nicht lügen kann, der muss es lernen, um erfolgreich Poker spielen zu können. Aber es ist vermutlich eine irrige Annahme, dass am Pokertisch mehr gelogen wird als im richtigen Leben. Angeblich lügen Menschen bis zu 200 Mal am Tag, und zwar besonders gerne am Telefon, weil die Körpersprache hier die Lüge nicht preisgibt (http://www.3sat.de/dynamic/
Wer die meiste Zeit online und nur hin und wieder live spielt, der ist immer wieder überrascht, wie viele Informationen an den Tischen in der realen Welt durch die Gegend geistern und verarbeitet und gedeutet werden wollen. In dem folgenden Clip fragt sich Phil Ivey, ob sein Gegner in einer Hand der Hund ist, der mit guten Karten mit dem Schwanz wackelt, oder ob er das nur spielt. Are you doing that on purpose?
Ist das Zittern der Hand Stärke oder Schwäche? Ist es gespielt, ist es echt?
Du kennst die Situation, wenn du online spielst. Es ist ein guter Spot für einen Bluff, und du spielst ihn. Plötzlich rauscht ein Adrenalinschub durch deinen Körper. Dein Gegner kann online nicht sehen, was das mit deinem Körper anstellt, live schon. Der deutsche Poker-Pro Georg Danzer trägt deswegen einen Schal. Wenn er blufft, dann muss er schlucken. Und er wird froh sein, wenn das der einzige Tell ist, den er verdecken muss, weil er ihn offenbar nicht loswerden und auch nicht steuern kann. Andy Bellin erzählt in dem Buch „Poker Nation“, dass er einen Pokerspieler kannte, der über ein Jahr lang seine wöchentliche Pokerrunde aufzeichnete, um seine Tells erkennen und ausmerzen zu können. Mindestens 10 Tells fielen ihm auf, die er auch nach mehr als 30 Jahren Pokererfahrung nicht hatte ablegen können, Tells, die seiner Ansicht nach für jeden guten Beobachter zu erkennen seien. Also, glaub lieber nicht, du hast keine (http://www.youtube.com/v/E2iGJXJLuCI). Und frag dich: How does he know these things?
Victor VegaGeschrieben von: Administrator Mittwoch, 17. März 2010 um 22:54 Uhr
Die Poker-Sinnfrage oder warum Millionäre die Schulbank drücken
„My best advice to someone who is interested in playing poker is: Go back to school, get an education and do something with your life!” – Antonio Esfandiari anlässlich der aktuellen Staffel von High Stakes Poker
Link: http://player.theplatform.com/ps/player/pds/-mymw9FZK0?pid=xeFIMIYP6m7TMdFMcG4s1MPpQCMhNF0S
Was ist los mit Antonio Esfandiari? Läuft es derzeit schlecht für ihn? Leidet er an einer frühen Form von Altersweisheit? Wie alt ist er noch? 32 oder 33? Jedenfalls spricht da derselbe Esfandiari (http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Esfandiari), der sich noch vor kaum mehr als sieben Jahren auf Poker stürzte – als gäbe es kein Morgen, als sei Poker die Antwort auf alle Sinnfragen in einer hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaft. Esfandiari, der Zauberer, war so besessen von Poker, dass er nie wieder damit aufhören wollte. In der Dokumentation „Beyond the felt“ aus dem Jahr 2005 sprach Esfandiari mit funkelnden Augen, manchmal wie im Rausch, über das Spiel. Aber auch damals gab es schon die andere Seite, diesen kleinen Schatten. In einer Szene des Films stellt Esfandiari ernüchtert fest, dass er etwas Produktiveres mit seiner Zeit anfangen könnte. Andererseits, Poker sei eben auch nur ein Job und er müsse Geld verdienen. Deshalb spiele er Tag für Tag.
Es treten viele Pokerspieler in dieser Folge von „Beyond the felt“ auf.
Matusow zum Beispiel: Der sagt, dass Poker als Lebensstil alles andere beeinflusse, deine Beziehungen, dein Zuhause, und nur selten wärst du glücklich. Was dir natürlich in jedem anderen Job auch passieren kann. Und Negreanu, der den Antrieb vermisst, um die Welt zu reisen und Turniere zu spielen. Dutch Boyd sagt, dass sich alles nicht mehr so gut anfühle, der Filz nicht, die Chips auch nicht. Abnutzungs -und Ermüdungserscheinungen wurden sichtbar. Ein wenig vom Zauber des Spiels geht verloren, wenn es dein Tagesgeschäft ist.
Das war 2005. Eine Generation von jungen Spielern hatte in kurzer Zeit sehr viel Geld mit Poker verdient, musste aber feststellen, dass sie dafür auch einen Preis zu entrichten hatte. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder mal. Zuletzt war es Shaun Deeb, der sich Ende letzten Jahres ausgebrannt fühlte, angewidert von der schieren Menge an Turnieren, die er online spielte, obwohl sie ihm jede Menge Geld und Ruhm eingebracht hatten. Ein Pokerholic, der zur Besinnung kam und bemerkte, dass da draußen jenseits des Pokertischs noch eine richtige Welt existiert.
Zeit für den Gastauftritt von Ferris Bueller, der sich zum Glück nicht lange bitten ließ und bereit war, das Intermezzo zu übernehmen:
Nach diesen Fragmenten der Kulturindustrie geht es weiter im Text, obwohl Victor Vega just in diesem Moment ein Unbehagen verspürt, eine Ahnung, dass er in der nächsten Zeile von der Balance zwischen Arbeit und Leben und Poker zu faseln beginnen könnte.
Denken wir lieber von hinten nach vorne. Es ist wahr, das Leben schreitet schnell voran. Es ist aber auch wahr, dass es länger ist, als wir denken. Deswegen können ein paar Optionen nicht schaden. Und dafür müssen wir uns umschauen, auch wenn das diesen Zeiten nicht immer das reine Vergnügen ist. Kurz vor der EPT Berlin erschien im Tagesspiegel ein Portrait über einen Pokerspieler(http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Poker-Online-Poker;art1117,3044474) und darin fanden sich drei Sätze, die auf den ersten Blick nicht so recht zusammenpassen, aber doch zeigen, wie vertrackt die Gegenwart ist: „Wenn Arbeit sich nicht mehr lohnt, dann suchen die Menschen nach etwas anderem. ‚Pokerspieler sind eben die letzten wirklich freien Menschen’, sagt Profi Negreanu. Aber kaum einer schafft es so weit wie er.“ Poker als Alternative zu den wenig attraktiven Angeboten einer Gesellschaft, die versucht eine Krise zu meistern, von der sich kaum noch einer erinnern kann und wann sie wieder aufhört. Aber kaum einer schafft es so weit wie er. Das ist die Warnung. Auch ist der Pokerlebensstil nicht immer so glamourös wie er scheint. Stefan Schüttler beschreibt das im Royal Flush Blog anhand von zwei Beispielen in einem Text über Poker als Beruf (http://community.magnus.de/blogs/royalflush/2010/02/25/warum-spiele-ich-poker-eine-annaherung-in-sechs-teilen-iv-2/#more-9545). Erstens, und das ist das Hauptproblem an diesem Beruf, liegen Sieg und Niederlage dicht beieinander. Da fällt das Aufstehen schon mal schwer, wenn es nicht so gut läuft (Mike Caro). Zweitens geht es um Leute, die 16 Stunden am Tag online spielen und vor sich hin hartzen. Kurzfristig ist es eine legitime Strategie, fraglich ist nur, ob das langfristig die richtige Strategie für ein geglücktes Leben ist. Das scheint eher wie der Ausnahmezustand in einer seltsamen Zeit, der besser nicht zum Normalfall wird. Freiheit Fehlanzeige.
Aber dann sind da ja auch noch die, die es geschafft haben. Die nächste Generation der Pokermillionäre, Leute wie Brian Hastings, David Benefield und Isaac Baron – sie beherzigen den Rat von Antonio Esfandiari. Sie gehen wieder aufs College, sie lesen Platon, besuchen Boxkurse und vertreiben sich die Zeit in Cafés mit Freunden. Isaac Baron (http://blogs.cardrunners.com/Mr-Menlo/back-to-school) begründete den Schritt damit, dass er sich eines Tages das ganz normale Leben eines Jugendlichen zurückwünschte. Was ihn und die anderen nicht hindert, weiter Poker zu spielen, aber im Grunde wehren sie sich gegen die Einseitigkeit, es gibt ein Leben jenseits des Pokertischs, welches auch immer. Zeit für Vegas Abgang:
„...I recall central park in fall
how you tore your dress
what a mess,
I confess...”
Victor Vega
Geschrieben von: Dapapst Mittwoch, 10. März 2010 um 14:40 Uhr
Nachdem unser Blog ja jetzt von unserem neuem Blogger Victor dominiert wird, dachte ich mir, wird es mal wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag. Trotzdem natürlich auch nochmal von mir "Hallo Victor" und super Blogeinträge.
Was gibt es so neues ? In letzter Zeit habe ich öfters mal etwas mit der anderen Pokerspielern aus Münster gemacht. Und so ist es dann passiert, dass ich von Andre aka Horror zum perfekten Pokerdinner eingeladen wurde. Wem das nichts sagt. Diese Sendung ist einer TV Show , "Das perfekte Dinner" auf Vox nachempfunden. Natürlich habe ich auch dem Gastgeber ein Gastgeschenkt gemacht. Von mir gab es Flasche Wein, Zitronengras Pfeffer und ein paar Nudeln. So die Basics für ein Essen.Neben mir waren noch halt der Gastgeber Andre aka Horror, Robert aka Kobeyard und Helge aka Rifter eingeladen.Zu Essen gab es ein total leckeres 3 Gänge Menue:
1.Gang: Aubergine Türmchen mit Schafskäse und Tomaten und allerlei
2.Gang: Steak mit einer Kruste und kleinen Kartöffelchen
3.Gang: Drei verschiedene Nachspeisen.
Das ganze wurde von dem Donkmag gefilmt und abgedruckt http://donkmag.net/donktube.php.
Hier ist das entstande Video:
Es könnte sein, dass es noch weitere Folgen geben wird. Würde mich also nicht wundern, wenn ich bald die Kochschürze um habe. Pokertechnisch spiele ich viel Rushpoker. Einfach aus dem Grund, da ich jeden Tag meinen Bonus erspielen möchte. Beim Headsup bekomme ich leider kaum Volumen rein, jedoch könnte sich das bald ändern, da ich als Videoproduzent bei PS anfangen werde. Aber mal schauen, was die Zukunft so bringt.Das wars auch schon.
Gruß Dapapst
Geschrieben von: Administrator Mittwoch, 03. März 2010 um 18:31 Uhr
“If it’s not money, what are we playing for?” – Johnny Chan
Mitte Februar gab Patrik Antonius ein bemerkenswertes Interview. Der große Gewinner des Jahres 2009, der an den virtuellen Pokertischen von Full Tilt Poker so um die neun Millionen Dollar verdient hatte, räumte ein, dass das Jahr deswegen noch lange kein gutes für ihn gewesen sei. Millionen habe er mit anderem Zeug verloren, nämlich mit Sportwetten und vor allem beim Golfen. Dann aber folgte ein Satz, den wir entweder für Koketterie halten können oder der vielleicht ein Fünkchen Wahrheit enthält: „Es scheint fast so zu sein, dass es egal ist, wieviel du gewinnst, du hast niemals viel Geld.“ Fast klingt Antonius wie Stu Ungar, der 1981 nach dem Gewinn der World Series of Poker auf die Frage, was er mit dem Preisgeld von 375.000 Dollar anfangen werde, antwortete: „Ich werd’s verlieren.“
Für Normalsterbliche schwer nachvollziehbar: Wie kann ein Patrik Antonius nicht viel Geld haben – einer, der gegen Isildur1 mit 1.35 Millionen Dollar den bislang größten Pot in der Geschichte des Online-Poker gewann ...
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... und auch sonst gern gegen Phil Ivey nicht unerhebliche Summen darauf setzt, welche Farbe oder Zahl auf dem Flop erscheint? Natürlich hat Patrik Antonius viel Geld, aber was ist schon viel Geld, wenn du am nächsten Tag schon wieder um $100.000 pro Loch Golf spielst und froh bist, wenn du auf 18 Löchern unter 100 Schlägen bleibst, also nicht gerade ein begnadeter Golfer bist. Dann ist viel wieder relativ. Wieviel Geld du hast, hängt im Grunde nur von der Höhe deines nächsten Einsatzes ab.
All das kann als dekadentes Treiben bezeichnet werden, aber das trifft heute auf viele Dinge unserer aus den Fugen geratenen Zeit zu. Deswegen ist Poker nicht schlimmer als das Geschachere, sagen wir mal, am Kunstmarkt. Der Pokerspieler Mickey Appleman (http://de.wikipedia.org/wiki/Mickey_Appleman) meinte,
Poker mit hohen Einsätzen sei eben ein Sport mit großem Risiko – wie das Fahren eines schnellen Rennwagens. Und es gebe einen Unterschied zwischen dem Grinder, der des Geldes wegen spielt und Poker wie ein Geschäft betreibt, und einem echten High Roller, für den das Spiel nicht nur Geschäft, sondern auch Vergnügen und vor allem Wettbewerb ist.
Antonius gab in dem Interview zu, dass ihn die Phasen, in denen die Bankroll abwärts rauscht, immer noch aus der Ruhe bringen. Das macht ihn menschlicher, Antonius, der sonst keine Miene verzieht, wenn ein großer Pot verloren geht. Auch erfolgsverwöhnte High-Stakes-Spieler leiden. Brian Townsend wünschte sich kürzlich gar ein Roboter zu sein, dann würde ihn ein schlechter Lauf nicht so frustrieren (http://blogs.cardrunners.com/brian/it-just-wont-end).
Und wahrscheinlich lässt sich nur erahnen, was der rasante Aufstieg und der noch schnellere Fall des Isildur1 mit seinem Nervenkostüm angestellt haben. Brian Hastings, der Isildur1 an einem Tag allein mehrere Millionen abknöpfte, schreibt in seinem Blog ziemlich unverhohlen darüber, dass Isildur1 Probleme mit Tilt habe (http://blogs.cardrunners.com/Stinger885/reflecting-on-a-very-special-day-1260413695). Als die Karten anfingen gegen ihn zu fallen, habe er noch aggressiver gespielt, als könnte seine Aggressivität die Karten zwingen. Und so verlor er mehr, als er hätte verlieren müssen.
Die Bankroll der oben genannten Spieler dürfte einen schlechten Lauf aushalten können. Und wenn nicht, müssen sie halt ein paar Limits tiefer spielen. Was ist tatsächlich daran so schlimm? Leute wie Antonius wissen das natürlich. Es ist die Spielsituation, auf die es ankommt und nicht die Höhe des Einsatzes. Im besten Fall denkst du über den realen Wert des Geldes gar nicht nach, sagte Antonius in einem Interview anlässlich des Full Tilt Million Dollar Cash Games 2009.
„Geld bedeutet gar nichts“, sagte der 2007 so früh verstorbene Chip Reese. „Wenn dir Geld wirklich viel bedeuten würde, dann könntest du dich nicht an einen Pokertisch setzen und $50.000 verbluffen. Wenn ich darüber nachdächte, was ich damit kaufen könnte, dann könnte ich kein guter Spieler sein.“ Für Reese, den Phil Ivey für den besten Pokerspielern aller Zeit hielt, war Geld nur die Einheit, in der Erfolg oder Misserfolg bemessen wurde. Im Spiel verschwendete er keine Gedanken an den realen Wert des Geldes. „Scared money“ spielt nicht gut Poker.
Im Grunde durchlaufen alle Pokerspieler eine Schule der Unempfindlichkeit gegenüber dem Geld, immer wieder und gerade dann, wenn sie ein Limit aufsteigen. Das Spiel ist immer noch Poker, aber der Pot um den es am River geht, ist plötzlich doppelt so groß, und du kannst dir doppelt so viel dafür kaufen. Am Pokertisch aber ist Geld nur ein Arbeitsmittel, die Sprache, in der kommuniziert wird. Es hat keinen Wert an sich. Es ist nur Poker, ein Wettbewerb. Wenn wir uns an den Pokertisch setzen, akzeptieren wir die Regeln dieses Wettbewerbs. Wenn wir es nicht tun, laufen wir Gefahr uns lächerlich zu machen. Am Rande des Million Dollar Cash Games wurde Phil Ivey danach gefragt, was er von einem der typischen Aussetzer von Phil Hellmuth hielt. Hellmuth war nach einem großen Pot, den er verloren hatte, aus dem Saal gestürmt. Ivey kommentierte das lakonisch: Manche Spieler seien einfach nicht darauf vorbereitet zu verlieren. Sie erwarteten, dass es immer zu ihren Gunsten ausging. Aber so sei Poker nunmal nicht. Und während er den Satz beendete, rollte er mit den Augen als sichtbares Zeichen seiner Geringschätzung. Am Ende des Tages aber, oder am Ende des Monats, das weiß auch Ivey, wird abgerechnet, und was dann unterm Strich steht, das bestimmt über die Höhe deines nächsten Einsatzes oder das Limit, das du spielst. Das gehört zur Disziplin des Pokerspielers und ist seine Art von Respekt gegenüber dem Geld.
Victor Vega
Link: Card Player-Interview mit Patrik Antonius
http://www.cardplayer.com/poker-news/8476-one-on-one-with-poker-pro-patrik-antonius-part-1
Geschrieben von: Administrator Montag, 15. Februar 2010 um 10:57 Uhr
„You’ve got to play the player, not the cards.“ – Doyle Brunson
Full Tilt hat in letzter Zeit für Furore gesorgt - mit Rush Poker, so eine Art Blitzpoker, bei der du jede Hand an einem neuen Tisch mit anderen Spielern sitzt. Es gibt einen Quick Fold-Button. Gefällt dir deine Hand nicht, passt du und schon wirst du am nächsten Tisch platziert. Damit entfällt, was mancher vielleicht als unnötigen Ballast empfindet, nämlich sich tiefschürfend über die Spielweise seines Gegners Gedanken machen zu müssen. Denn es ist eher die Ausnahme, dass du in einer Session mehrmals mit dem gleichen Spieler in eine Hand verwickelt bist.
Howard Lederer sagte, Rush Poker sei ein guter Weg für Anfänger das Spiel zu erlernen. Über diesen Satz aus dem Munde des Pokerprofessors habe ich mich anfangs gewundert, entspricht Rush Poker so gar nicht der abwägenden Art von Lederer. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob dieser Satz ursprünglich nicht aus dem Skript der Marketingexperten stammt und Lederer in den Mund gelegt wurde. Schließlich gewinnt die Aussage an Glaubwürdigkeit, wenn der Pokerprofessor ihn sagt. Was also lernt der Anfänger durch Rush Poker? Es vermittelt wahrscheinlich ein gutes Gefühl für Position und die relative Stärke einer Hand in der jeweiligen Position, was eines der Schlüsselkonzepte des Poker ist. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es dafür Rush Poker gebraucht hätte, aber das ist noch lange kein Grund Rush Poker zu verteufeln. Rush Poker macht durchaus Spaß, und es machen sich bereits jede Menge Leute Gedanken darüber, was eine erfolgreiche Strategie für Rush Poker sein könnte – Position spielen, 3-Betting aus Position heraus mit einer relativ weiten Range, das dürfte zunächst einmal erfolgreich sein, zumindest oft genug.
Das will ich hier nicht vertiefen. Rush Poker hat mich eher auf etwas aufmerksam gemacht, was mir gelegentlich unterläuft, wenn ich multitable. Ich schalte auf Autopilot. Angeblich multitabeln wir, damit unsere Gewinnrate höher ist. Natürlich spielen wir auch gern, also warum nicht noch ein bisschen mehr davon, manchmal mehr als gut für unser Spiel ist. Warum nur drei oder vier Tische, wenn du auch acht, zwölf oder noch mehr Tische spielen kannst. Bei Hardcore-Grindern wie Ryan Daut oder Elky wird mir schon beim Zusehen schwindlig, obwohl es zugegeben ziemlich beeindruckend ist. Bei Elky sieht es immer noch relativ entspannt aus: Er nimmt nicht mal die Sonnenbrille ab und bewegt den Kopf wie eine Eule.
Im Sinne der Anklage aber bekenne ich mich schuldig. Ich spiele mehr Tische als gut für mein Spiel ist. Manchmal nehme ich mir vor, nur vier Tische gleichzeitig zu spielen, eine halbe Stunde später stelle ich fest, dass ich doch wieder an sieben oder acht sitze. Aus Neugier, könnte sich ja lohnen, vielleicht treffe ich an Tisch sieben oder acht den schönsten Fisch. Also, Gründe finden sich immer, und wenn sich keine finden, dann erfinde ich welche – na ja, ihr wisst schon, was ich meine.
Jedenfalls sind acht Tische für mich schon fast wie Rush Poker. Es fällt mir schwer, Reads zu entwickeln, ich denke nur schlampig darüber nach, wie mein Gegner da jetzt eigentlich spielt und verlasse mich viel zu oft auf die Statistiken von Poker Tracker anstatt auf meine Beobachtung –manchmal verpasse ich es einfach, wie eine Hand gespielt wurde, weil ich schon wieder mit einem anderen Tisch beschäftigt bin. Und nach einer Weile fällt mir auf, dass ich auf Autopilot spiele, ein Effekt, der sich bei mir nach einer Stunde Rush Poker auch einstellte. Mein Nachdenken über Spielsituationen hat sich verkürzt und richtig Spaß macht das gerade dann nicht, wenn es mir auffällt. Und es fällt mir auf, wenn ich genau die Informationen brauche, die ich vorher nur unzureichend gesammelt habe.
Natürlich weiß ich, warum ich diesen Weg gehe. Ich will Action, spielen, aber ich bin in diesen Momenten denkfaul, ich lasse mich einlullen vom Lauf der Karten, vom gleichmäßigen Klicken, ich spiele Poker wie ich Auto fahre, da brauchst du über das Schalten auch nicht nachzudenken. Das bringt dich aber auch um die guten Gefühle, die das Spiel hergibt, nämlich so tief in einer Spielsituation zu sein, dass du einfach genau weißt, wie dein Gegner spielt, sein Handspektrum relativ klar ist, sein Spiel auf dem Flop vorhersehbar, und du genau weißt, was nun zu tun ist. Du hast ein akkurates Bild von den Spielern an deinem Tisch, und auch von denen die dir falsche Bilder anbieten. Und wenn du dann gegen jeden dieser Spieler richtig spielst und nicht nur deine Karten, dann macht zumindest mir das Spiel einfach mehr Spaß.
Victor Vega
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