Geschrieben von: Administrator Montag, 09. August 2010 um 20:36 Uhr
Langsam legt sich der Staub, den die World Series of Poker aufgewirbelt hat, die Fußball-WM und die ganz heißen Tage sind auch vorbei, es wird Zeit sich wieder voll und ganz dem eigenen Pokerspiel zu widmen. Was du jetzt brauchst sind keine halben Sachen oder motivationsloses Rumgedonke. Was du jetzt brauchst ist eine ernsthafte Herausforderung.
Herausforderungen, Challenges sind das Salz in der Suppe, im Leben oder im normalen Pokeralltag. Weil sie dich ein bisschen aus der Normalität herausreißen, schärfen sie die Sinne. Sie erfordern Disziplin, Geduld, einen starken Willen und viel Einsatz. Dabei gilt es dann auch einen kühlen Kopf zu bewahren.
Eine Herausforderung soll nicht zu leicht oder zu schwer sein. Beides ist der Motivation nicht förderlich. Sie soll zu schaffen sein, aber eben nur, wenn du dich konzentrierst, dich am Riehmen reißt und dein Bestes gibt. Sie sollte für dein Spielniveau angemessen sein. Ist es etwas, was dich nicht wirklich reizt, dann geht die Motivation schnell flöten. Du musst dich also selbst ganz gut kennen, um die richtige Challenge für dich zu finden. Kann ich das? Ist es möglich? Es macht keinen Sinn sich eine Challenge auszusuchen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
Von der Challenge des Chris Ferguson hat wohl jeder schon mal gehört. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, aus 0 Dollar 10.000 Dollar zu machen. Angeblich erreichte er sein Ziel im Jahr 2007 nach neun Monaten (http://www.fulltiltpoker.com/de/chris-ferguson-challenge). Nicht schlecht, aber das war natürlich vor allem gute PR für die Seite, zu dessen Miteigentümern er gehört.
Vor ein paar Monaten habe ich aus einer Laune heraus, mir eine dieser $50-Bankrolls, die es für lau gibt, angeschafft. Der Gedanke war einfach: Mal sehen, was ich daraus machen kann. Allerdings stellte ich bald fest, dass meine Motivation auf den kleinen Limits, die ich mit den $50 spielen konnte, ziemlich gering war. Wenn es hoch kam, spielte ich im Monat 500 Hände, und nur dann, wenn ich nichts Besseres zu tun hatte. Selten also. Nach sechs Monaten und 3.000 Händen hatte ich ein paar Dollar gemacht, aber dann gab ich auf. Es fehlte ein motivierendes Ziel. Anfang 2009 hat Negreanu sich mal an einer ähnlichen Challenge wie Ferguson versucht, er wollte aus $10 gleich $100.000 machen. Ende offen. Aber das geht auch nur langsam voran. Derzeit hat Negreanu 6651 Hände gespielt und etwas mehr als $140 gewonnen(http://www.fullcontactpoker.com/poker-forum/index.php?showtopic=132216). Die Luft ist raus.
Es gibt natürlich auch die ganz harten Jungs. Die Legenden, die Steher. Stichwort Boku-Challenge. Boku schaffte es tatsächlich aus $5 innerhalb von ein paar Monaten $100.000 zu machen. Etwa 40.000 Sit-and-Go-Turniere spielte er dafür. Aber der hat wohl nicht mehr viel anderes gemacht in dieser Zeit.
Poker-Challenges müssen aber nicht immer an die große Glocke gehängt werden. Es müssen auch nicht immer die ganz großen Ziele sein. Erstmal geht es darum, dir selbst etwas zu beweisen. Sich einer Sache zu stellen, dran zu bleiben, das Ziel zu verfolgen, aber auch zu akzeptieren, wenn du es vielleicht nicht erreichst. Und es kommt darauf an, dass du dir am Ende das Ergebnis ehrlich anschaust und analysierst. Deswegen macht es Sinn, das Ende der Challenge klar zu benennen. Und wenn es nicht klappt, kannst du es beim nächsten Mal besser machen.
Es müssen auch nicht immer monetäre Ziele sein, die du verfolgst. Vielleicht willst du seit mehreren Monaten eigentlich mehr Hände im Monat spielen, als dann am Ende des Monat zu Buche stehen. Dann setze dir ein Ziel, überlege dir, wie du dahin kommst, und versuche dich an den Plan zu halten. Oder du forderst dich heraus, in dem du immer zu einer bestimmten Zeit spielst, wenn mit großer Wahrscheinlichkeit viele Fische an den Tischen zu finden sind. Steh früh auf und spiele, wenn die amerikanischen Jungs ein Glas zu viel intus haben und noch ein paar Dollar unters Volk werfen. Du kannst natürlich auch für einen guten Zweck spielen. Eine Boob-Challenge fällt vielleicht in diese Kategorie. Katja Thater hat angeblich mal das Geld einer Freundin genommmen, um daraus 5.000 Euro im Casino für einen Boob-Job zu machen (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,556916,00.html). Sie hat es geschafft.
Aber es kommt nicht immer auf das Ergebnis an. Was wir lernen, wenn wir uns einer Sache stellen, ist manchmal wichtiger als das Ergebnis. Jay Rosenkrantz glaubt, dass sich die Tiefe des Pokerspiels nur ausloten lassen, wenn du dich Herausforderungen stellst. Ganz egal, wie hart die Spiele auch würden, letztlich ginge es immer darum (http://www.dangerlion.com/?p=741) Jede Challenge macht dich besser. Außerdem fühlst du dich lebendiger. So ungefähr, oder so wie diese Jungs hier. Good luck, bandits!
East bound and down, loaded up and truckin'
Are we gonna do what they say can't be done
We've got a long way to go and a short time to get there
I'm east bound just watch ol'Bandit run
Keep your foot hard on the peddle...son, never mind them brakes
let it all hang out cause we've got a run to make ...
http://vimeo.com/13649308
Victor Vega
Geschrieben von: Administrator Dienstag, 29. Juni 2010 um 21:46 Uhr
Seitenwetten gelten im Jargon der Pokerspieler mitunter als „Leak“, als undichte Stelle, durch die das an den Pokertischen erspielte Geld schnell wieder versickert. Besonders anfällig dafür ist der Spielertyp des „degenerierten“ Zockers. Er ist kein kontrollierter Typ wie zum Beispiel Mike Sexton, der nur spielt, um sich und seiner Familie ein besseres Leben zu verschaffen, er ist eher ein Typ wie die Pokerlegende Stu Ungar: „Wenn ich nicht schlafe oder esse, dann zocke ich.“ Er kann nicht anders. Doyle Brunson hat mal über sich und seinesgleichen gesagt: „Wir sind alle degenerierte Spieler, insbesondere die, die dumm genug sind, ihre Pokergewinne bei anderen Wetten zu verzocken.“
Brunson war in Sachen Seitenwetten kein Kind von Traurigkeit, aber im fortgeschrittenen Alter hält er sich angeblich zurück. Eher harmlos war das Gehhilfen-Rennen gegen Amarillo Slim, das er im Rio bei der WSOP 2009 veranstaltete, anstatt Rollatoren waren Scooter im Einsatz. Amarillo Slim gewann, es ging um 2.000 Dollar. Slim hatte am Tag zuvor, verschiedene Scooter auf ihre Geschwindigkeit getestet. Besser so wenig wie möglich dem Zufall überlassen.
Eigentlich hatte ich bei meiner Recherche erwartet, auf wer weiß was für abgedrehte Nummern zu stoßen, aber ich bin nur auf eine ziemlich kranke Sache gestoßen. Als die Wette zustand kam, waren die beiden Beteiligten angeblich betrunken, alle anderen Wetten scheinen so nüchtern kalkuliert, dass sie nur ein ziemlich ernstes Geschäft sein können.
Ok, Esfandiari hat gewettet, dass Laak beim Weltrekordversuch im Dauerpoker die 100-Stunden-Marke knackt, aber vielleicht wusste er mehr als wir. Wenn vor einem Pferderennen ein Gaul eine ganze Ladung Aufputschmittel im Futter hatte, dann scheint der Sieg schon etwas wahrscheinlicher. Andy Bloch hätte von Howard Lederer 25.000 Dollar bekommen, wenn er in 90 Minuten 24 kleine Küchlein gegessen hätte. Aber er gab schon nach der lächerlichen Zahl von sechs Cupcakes auf und spielte das $5.000 Shootout Turnier weiter. Er braucht das Geld einfach nicht dringend genug. Oder ist einfach keiner dieser degenerierten Zocker, die wir suchen.
Justin Bonomo hat auf seine Nachbarn gesetzt, die Bewohner der Luxusherberge Panorama Tower in Las Vegas. Zumindest einer von ihnen sollte in diesem Jahr ein Armband bei der WSOP gewinnen, Quote 10:1. Die Liste der Poker spielenden Bewohner ist ziemlich beeindruckend, 68 Namen insgesamt (http://forumserver.twoplustwo.com/61/mtt-community/2010-wsop-prop-bet-thread-782205-post19178328/?highlight=#post19178328). Darauf zu finden sind zum Beispiel Phil Laak, Antonio Esfandiari, Barry Greenstein, Joe Sebok, David Williams, Scott Seiver, Justin Bonomo, Michael Binger, John van Fleet, Shaun Deeb, Liv Boeree, Noah Boeken, Lex Veldhuis, Evelyn Ng, Jimmy Fricke undsoweiter. Keine schlechte Mannschaft, zu dieser Quote lässt sich von dieser Wette nur abraten. Bereits nach 19 der 57 Turniere hatte Bonomo gewonnen – dank David „Bakes“ Baker, der sich das Armband beim $10.000 2-7 Draw Lowball Turnier sicherte. Im Jahr zuvor war die Quote übrigens noch schlechter, 7:1, aber auch da gewann Bonomo. Bonomo ist einfach nicht der Typ, der Geld verschenkt. Wer sich noch daran erinnert: Einen Teil seiner Bankroll erspielte er sich über Multi-Accounting bei Online-Turnieren und kam ziemlich glimpflich davon, als er 2006 aufflog (http://www.pokerplayernewspaper.com/node/6548).
Dann wäre da noch Tom Dwan und sein Versuch in diesem Jahr ein Armband zu gewinnen. Wenn er es schafft, das hat durrrr durchblicken lassen, wäre es der größte Zahltag seiner Karriere. Und, ach ja, Rafe Furst wird an Tag 1 des Main Events in Frauenkleidern spielen, weil er eine Seitenwette um was auch immer gegen Joe Sebok verloren hat.
Nun endlich zu den beiden Betrunkenen, Mike Matusow und Ted Forrest. Ihre Wette geht so: Wenn Forrest bis zum 15. Juli 22 Kilo abnimmt, bekommt er von Matusow 2 Millionen Dollar. Schafft Forrest es bis zum 15. September, bekäme er immerhin noch eine Million Dollar. Scheitert er, muss er $150.000 an Matusow berappen(http://www.fulltiltpoker.com/poker-blog/2010/06/night-with-ted-forrest-part-ii-mike-matusow-is-the-voice-of-reason-1038-2010-wsop-19.php). Das ist wahrscheinlich, denn Forrest darf weder Drogen einsetzen noch sich überflüssige Pfunde wegoperieren lassen. Außerdem spielt er Turniere der WSOP bis Mitte Juli, sitzt also den lieben langen Tag. Als er die Wette Anfang Mai abschloss, wog Forrest gut 85 Kilo (http://www.cardplayer.com/poker-news/9249-ted-forrest-and-mike-matusow-weigh-in-on-world-series-of-poker-prop-bet). Zu High-School-Zeiten will Ted Forrest zum letzten Mal 63 Kilo gewogen haben, was schon eine Weile her ist, Forrest ist heute ein properer Mittvierziger. Matusow ist deswegen sicher, dass er gewinnt. Er hält es für wahrscheinlicher, dass Forrest tot umfällt, lange bevor er das Zielgewicht erreicht. Aber das hofft natürlich selbst Matusow nicht.
Das ist das Ende meiner Recherche. Ziemlich lahm eigentlich, wenn man sich überlegt, dass Pokerspieler als so wilde Zocker gelten und in Zeiten der WSOP jeder Schwachsinn mit Medienaufmerksamkeit belohnt würde. Also vielleicht ist das lahme Ergebnis gar nicht so lahm oder langweilig, sondern einfach nur ein Zeichen, dass der Anteil der Wahninnigen unter Pokerspielern auch nicht größer ist als im Rest der Bevölkerung.
Victor Vega
Geschrieben von: Dapapst Freitag, 11. Juni 2010 um 10:56 Uhr
Das Leben ist hart. Seit 6 Monaten stehe ich auf eigenen Beinen. Das bedeutet für mich eine Menge Rechnungen müssen bezahlt werden und ich lande in der "Armut". Viele werde jetzt lachen, aber der Druck seine Miete, Essen,Strom,Telefon etc jeden Monat bezahlen zu MÜSSEN, ist einfach enorm. Klar sind 1000$ "relativ" schnell reingegrindet. Aber was wenn es mal schlecht läuft oder man mal im Urlaub ist oder wenn man mal keine Lust zu pokern hat. Dann müssen die Reserven her. Ich bin eigentlich nicht der Typ der im Real live groß mit Geld rum spewt. Deswegen lebe ich auch wirklich bescheiden. Gönne mir halt ab und an was. Ich habe halt auch kein Auto und ich rauche nicht. Da kann man eine Menge einsparen. Dieses Jahr Vegas wurde deswegen auch gestrichen. Es war letztes Jahr einfach zu teuer...
So genug gejammert. Ich will mich gar nicht beklagen, mir geht es besser als die meisten anderen. Bin jetzt auch kurz vor meinem Diplomabschluss und nur Gott weiß wie es dann weitergeht :). Typisch Pokerspieler: Ab den 1 August sitze ich wieder auf der Straße. Wohnung ist gekündigt... Whats my Line? Go to Mama ? :)

Pokerteschnich läuft es immernoch ziemlich gut. Ich spiele immernoch zu 90% Headsup. Ich bringe nur nicht genug Spielvolumen jeden Monat rein. Es reicht halt einfach nicht jeden Monat nur 40 Stunden zu pokern. Deswegen habe ich versucht noch ein paar Sachen nebenher zu machen, siehe PS.de oder ein paar Reallive Jobs. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich nicht weiter bei pokern.com semiaktiv :) bleibe. Ich war vom ersten Tag an hier und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Es ist einfach ein Superteam und eine nette kontroverse Community "You are my heart, you're my Soul" :)
Letzte Woche war ich für 6 Tage in Gibraltar einen ex Münster Kollegen besuchen. Da dort eine Menge Pokerspieler wohnen, sind wir natürlich ab auf den Golfplatz und hier konnte ich so richtig auftrumpfen. Ich habe JEDE Wette gewonnen. Das war ein guter Tag. Auch sonst ist das Wetter und Partytechnisch eine super Sache. Also jeder der im Sommer noch keinen Urlaub gebucht hat. Ab nach Spanien :)
Das wars mal wieder von mir. In letzter Zeit gibts ja hier ne Menge gutes von Victor Vega zu lesen und sporadisch von mir und den anderen Bloggern. Also reinschauen lohnt sich. Bis zum nächsten Blogeintrag.
GZ Dapapst
Geschrieben von: Administrator Donnerstag, 10. Juni 2010 um 16:43 Uhr
In diesen Tagen fühle ich mich ein bisschen wie Michael Ballack. Es ist Weltmeisterschaft, und ich bin nicht dabei. Natürlich rede ich nicht von der Teilnahme an der Fußball-WM, sondern von der World Series of Poker. Wobei auch das Erstere nicht ausgeschlossen war, wenn nicht eine üble Verletzung in jungen Jahren meiner sonst unausweichlichen Nationalmannschaftskarriere ein frühes Ende beschert hätte. Das Ende fing damit an, dass der Innenverteidiger der gegnerischen Mannschaft mir in der 15. Spielminute drohte: „Mach das noch einmal!“ Nach Spielschluss wusste ich, dass er es ernst gemeint hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich bin nur eines von vielen gescheiterten Talenten. Das ganze Land ist derzeit voll davon. Sie glauben, sie haben das Zeug dazu (z. B. Merkel/ Westerwelle / von der Leyen), aber sie sind verflucht, von Jürgen Wegmann: Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Ok, ein alter Spruch, aber hätten wir damals schon gewusst, dass Wegmann nicht über Fußball sprach, sondern über deutsche Politik und das Pokerspiel, dann hätten wir erkannt, welche tiefe Wahrheit dieser Satz ausdrückt.
Wenn also bei einem der letzten Qualifikationsturniere nicht noch ein Wunder geschieht, dann ist WORLD SERIES OF POKER, und du bist wieder nicht dabei. Überall höre ich den Notruf: Las Vegas, wir haben ein Problem..., doch Vegas antwortet nicht.
Vegas ist mit der WSOP beschäftigt, mit 57 Turnieren in 51 Tagen, mit den großen Namen des Poker und mit den mehr oder weniger wichtigen Fragen: Kann Phil Hellmuth sein zwölftes Bracelet gewinnen? (Ich wette dagegen.) Oder überholen ihn Brunson oder Chan, die beide je 10 Armbänder gewonnen haben? Wer wird der neue Shooting-Star? Wird es einen Nobody geben,
der eine ähnlich märchenhafte Pokergeschichte schreibt wie Darvin Moon im Jahr 2009? Wie wirkt sich die Finanzkrise auf die Teilnehmerzahlen aus? Überlebt Phil Laak seinen quälenden Weltrekordversuch, bei dem er 80 Stunden nonstop Poker spielen will? Nach 40 Stunden konnte er zumindest noch sprechen und auch lachen: „Noch 40 Dollar, dann bin ich wieder bei Plus-Minus-Null.“ Nach fast 60 Stunden gähnte er hin und wieder. Und eigentlich fragt man sich, mit welchen Stimulanzien Laak nachhilft (Modafinil?). Wer sich die letzten Minuten des Rekordversuchs des bisherigen Rekordhalters Paul Zimbler antun will, das sah gar nicht gut aus.
Sogar Matusow war besorgt: „That was mental shutdown at it’s finest!“ Laak war besser drauf, er stellte nicht nur den Rekord ein, er legte auch deutlich vor: 115 Stunden waren es am Ende. Zwischenzeitlich glaubte er sogar, dass seine Sinne geschärft seien, zumindest in Teilen.(http://www.pokernewsdaily.com/phil-laak-breaks-world-record-video-interview-12280/)
Dann sind da noch Tom Dwan und Phil Ivey, die sich mit Seitenwetten für ihre Jagd nach den Armbändern motivieren. Angeblich hat Phil Ivey mit Howard Lederer um mehrere Millionen gewettet, dass er bis Ende 2011 mindestens zwei weitere Armbänder einfährt. Als Tom Dwan aka durrrr beim $1.500 No Limit Hold’em Turnier (Event #11) nur haarscharf an seinem ersten Armband vorbeischrammte, war die eigentliche Geschichte nicht der mögliche Gewinn des Armbands, sondern wie viel Geld er durch die Seitenwetten eingenommen hätte. Es kursieren absurde Zahlen im Bereich von fünf bis 15 Millionen Dollar. Allein Ivey hätte der Sieg von Tom Dwan angeblich 9 Millionen gekostet (http://taopoker.blogspot.com/2010/06/2010-wsop-day-10-most-likely-you-go.html). Negreanu ist auch dabei, die genaue Summe ist nicht bekannt. Er konnte sein Glück kaum fassen, dass Simon Watt Dwan so kurz vor dem Ziel noch abfing (http://www.fullcontactpoker.com/poker-journal.php?subaction=showfull&id=1275986654&archive=). Negreanu weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Dwan das erste Armband einsackt. Und seine letzte Hoffnung ist, er möge bis zum nächsten Jahr warten.
Kein Mangel an Geschichten also, aber so richtig vom Hocker hauen sie einen nicht, wenn du nicht selbst gerade die eine oder andere Million gegen durrrr gesetzt hast. Zuschauen ist einfach nicht so gut wie selber spielen. Denn das Großartige beim Poker ist, dass du dabei sein kannst. Theoretisch. Bei welcher anderen Sportart kannst du dir schon Hoffnung darauf machen, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen? Beim Curling vielleicht, aber wenn du schon Schwierigkeiten mit dem Staubsaugen in deiner Wohnung hast, wird das mit dem Curlingbesen wahrscheinlich auch nichts.
Das ist es wieder, das Problem. Es ist WSOP, und du bist nicht dabei. Aber sehen wir es positiv. Wir verschieben den Traum nur um ein Jahr, genießen den Sommer, schauen Fußball-WM und reifen dabei auf fast magische Weise zu besseren Pokerspielern und zu noch besseren Menschen. Denn was kann einem ungefestigten, jungen Menschen nicht alles zustoßen, in Sin City, in einer schwachen Minute? Du gehst aus, trinkst zuviel und am nächsten Morgen wachst du als verheirateter Mann auf. Die Frau, die neben dir liegt, hast du noch nie zuvor gesehen, aber du bist sicher, dass sie ihr Geld nicht als Showgirl verdient. Das Einzige, an das du dich dunkel erinnerst, ist ein Priester, der behauptete, Bugsy Siegel zu sein. Las Vegas, wir haben ein Problem... diesmal antwortet Vegas: „Toodaloo Motherf...“
Victor Vega
Geschrieben von: Administrator Dienstag, 18. Mai 2010 um 12:15 Uhr
„Glück ist ein sehr dünner Draht zwischen Überleben und Desaster, und nicht viele Leute können darauf die Balance halten.“ – Hunter S. Thompson, Angst und Abscheu in Amerika
Er ist nicht der erste, und er wird auch nicht der letzte Pokerspieler sein, der Pleite geht. Am 8. Mai gab der Pokerspieler Jean-Robert Bellande über Twitter (http://twitter.com/brokelivingjrb) bekannt, dass der Boden erreicht war: „Cash 0 Stars 0 FTP 0 I feel sleepy.“
Etwa einen Monat zuvor, am 14. April, stand seine Bankroll noch bei knapp 100.000 Dollar, dann ging es mit kurzen Zwischenstationen abwärts. Am 11. Mai aber fand sein Zimmermädchen in irgendeiner Seitentasche 1.900 Dollar, und es konnte wieder losgehen. Immerhin, es reicht noch für ein Zimmermädchen, ein ehrliches noch dazu.
Bellande ist manchen vielleicht ein Begriff durch die wundersame Art und Weise, wie er aus de Main Event der WSOP 2008 geflogen ist:
Der ganze Tisch brach damals in Stöhnen und Gelächter aus, als sein Gegner den Gut Shot traf, nachdem der bereits vor der Flop angekündigt hatte, er werde die Hand gewinnen. Und sogar Phill Hellmuth bescheinigte Bellande großes Pech. Er schüttelte ihm die Hand und sagte: „That was the sickness, dude.“
Bellande aber ist auch eine Type, dem das Lachen nicht so schnell vergeht. Angeblich dreht Bellande sogar einen Fernsehfilm mit dem Titel: „Broke and Living like a Millionaire.“ Der Film will die wenig glamourösen Seiten der Pokerwelt beleuchten, die, die im Fernsehen selten zu sehen seien. Jetzt fragt man sich natürlich, was zuerst da war – die Idee zum Film oder die Pleite? Ist das Selbstironie oder nur Konzept? Oder ist der Film einfach nur die nächste Pleite?
Jedenfalls kann sich Bellande in eine ansehnliche Galerie von Pokerspielern einreihen, die schon mal pleite waren, die meisten von ihnen mehr als einmal.
Nur wenige reden offenherzig über ihren Absturz, wenn er gerade aktuell ist. Doyle Brunson soll mehrmals im Laufe seiner Karriere unten aufgeschlagen sein, Mike Matusow nach eigenen Angaben sechsmal („That sucks!“), und Gus Hansen gab zu, dass sein Bankrollmanagement nicht immer klug gewesen ist. Die, die hinterher noch mal im Rampenlicht auftauchen, konnten sich davon erholen, die anderen sind untergegangen. Eine der tragischsten Geschichten ist die von Stu Ungar, ein begnadeter Pokerspieler, aber ein unsteter Mensch, der scheinbar immer alles aufs Spiel setzen musste, um sich lebendig zu fühlen. Mit 45 Jahren war er am Ende, ein Crack-Wrack, das in einer Absteige in Vegas starb.
Drogen und Alkoholmissbrauch sind potenzielle Fallstricke für Pokerspieler.
Ebenfalls beliebt sind Sportwetten, auch die gehen auch nicht immer gut aus für die Beteiligten. Und T.J. Cloutier hätte besser einen großen Bogen um die Craps-Tische gemacht. Der Lebensstil der Pokerspieler birgt wahrscheinlich mehr Versuchungen als ein anderer Brotberuf und nicht alle können ihnen widerstehen. Wie sagte Marge Simpson zu ihrem Homer: „Wenn ich gewusst hätte, dass es in Las Vegas leichte Mädchen gibt, hätte ich dich nicht gehen lassen.“
Aber was soll’s? In diesen Zeiten sind wir angesichts wachsender Staatschulden doch alle ein bisschen Bellande. Die Banken, die gestern gerettet wurden, wird das morgen nicht interessieren. Sie freuen sich über Hyperliquidität und neue Spekulationsgewinne, die vom Rest der Welt bestaunt werden. FAST MONEY. Gestern am Abgrund, heute wieder gut im Geschäft. Dagegen sind Hobbypokerspieler, die Pleite gehen, wahre Waisenknaben. Das Spiel geht weiter. Unseres auch. Da wir aber unsere Lektion schon gelernt haben, gehen wir lieber nicht Pleite. Wir wissen, dass Matusow recht hat: Es nervt.
Victor Vega
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