Geschrieben von: Administrator Dienstag, 16. November 2010 um 09:14 Uhr
Vor ein paar Wochen wachte ich nachts auf, und sie stand ganz klar vor mir, die Formel von der verdichteten Varianz. Die Formel konnte nicht nur mathematisch alle Spielsituationen erfassen, mit ihrer Hilfe ließ sich auch berechnen, wie deine Winrate durch glückliche und weniger glückliche Zufälle, die psychische Verfassung, die Kraft deines Denkens und aller Wahrscheinlichkeit nach auch durch Karma beeinflusst wurde. Sie vereinte Equity und Varianz zu einer Pokerweltformel, so eine Art Stringtheorie des Poker. Ich war bereit die Parallelwelten des Poker zu betreten.
Denn was bedeutete es schon, wenn du zum x-ten Mal am Turn das Geld mit der Nut Straight in die Mitte brachtest und deine Hand wieder nicht hielt. Das waren nur Ereignisse, die in einer Welt stattfanden, in den Pokerparallelwelten aber zur gleichen Zeit ganz anders ausgingen. Schau einfach zwei Tische weiter, online, und du wirst sehen, es geht ganz anders aus. Es handelt sich nur um eine Kränkung deines Ego, die dir natürlich nicht gefällt. Erinnert sich wer an den folgenden Dialog:
„Könntest du deinen Egotrip mal kurz unterbrechen? Es ist was Wichtiges passiert.“
„Wenn es irgendwas Wichtigeres als mein Ego gibt, verlange ich, dass man es auf der Stelle verhaftet und erschießt.“
Ja, einige von uns neigen dazu, die Sache persönlich zu nehmen und wehren sich oder suchen zumindest nach einer Erklärung, die Narren. Sie weigern sich die Fakten anzuerkennen, und das ist auch der Grund, warum alle Pokerspieler zeitweise psychotisch oder paranoid erscheinen. Denn es könnte ja sein: „Is spew ever really spew?“ (http://doubleflypoker.blogspot.com/2010/11/well-obviously-i-shouldnt-go-into.html)
Fragen wir in dieser Sache mal vorsichtig bei Joseph Cheong nach, der heute Nacht am Finaltisch des WSOP Main Events den bislang größten Pott in der Geschichte der World Series of Poker spielte. Noch drei Spieler am Tisch, John Racener passt am Button, Joseph Cheong hält As7h im Small Blind und raist auf 2,9 Millionen. Jonathan Duhamel im Big Blind reraist auf 6,75 Millionen. Das macht keinen Eindruck auf Cheong, er greift zu den Chips und spielte seine 4Bet, die Ansage lautet 14,25 Millionen. Duhamel erhöht furchtlos auf 22,75 Millionen (5Bet). Jetzt wäre es an der Zeit für Joseph Cheong sich zu sagen, dass er alles versucht hat, und A7o zu passen - doch was macht er? Nach einer Minute Bedenkzeit, in der er seine Hole Cards noch einmal überprüft hat und spätestens jetzt hätte feststellen können, dass die 7h immer noch nicht zu einem Ass geworden ist, schiebt er seine 95 Millionen Chips in die Mitte (http://www.pokernews.com/live-reporting/2010-wsop/main-event/post.167604.htm). Wir fragen nach: Psychoplayer - Qu'est-ce que c'est?
Die Geschichte wird hier nicht ganz einfach, und es ist nicht auszuschließen, dass sie mir entgleitet. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob die ganze Sache nicht von vornherein darauf angelegt war. So wie in der A7-Hand des Joseph Cheong, bei der durch einen Fehler im Unterbewusstsein die Selbstzerstörungssequenz aktiviert wurde und dabei, um den Sabotageakt perfekt zu machen, alle Leitungen zum Restverstand gekappt wurden.
Der gesunde Menschenverstand, wenn es denn so etwas gibt, hilft hier nur in seltenen Fällen weiter. Jeder Pokerspieler weiß das, eigentlich, was nicht heißt, dass er es kapiert. Die Spielweise des Daniel „jungleman12“ Cates (http://www.pokern.com/blog/victor-vega/poker-patzer-positives-denken.html), zum Beispiel, stammt aus einer Pokerparallelwelt. Bewohner einer dreidimensionalen Pokerwelt kapieren’s nicht. Ist ja auch schwer: „...aber die ganzen calls immer mit nichts. manchmal hat er einfach garnix und callt und callt und callt und verliert sinnlos $ :“ (http://www.pokern.com/forum/poker-strategien/18934-wtf-jungleman12.html) Harte Suppe aus der Pokerparallelwelt. Und köstlich, irgendwie.
Geld? Baller!
"Das hier ist 'ne verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!"
Nicht immer so einfach. Leveling, Balancing, all dieses Zeuch, und das auch noch immer gegen die richtigen Spieler. Gegen Level eins Poker spielst du Level 2 Poker, und wenn du dich vertan hast, spielt er Level 4 Poker, in etwa: Er weiß, dass wir wissen, dass unsere Hand sehr stark aussieht, wenn wir am Turn wetten, was damit gleichzeitig ein guter Spot für einen Bluff ist. Da es ein guter Spot zum Bluffen für uns ist, kann er mit einer weiten Range von Bluffcatchern bezahlen. Ein bisschen paranoides Poker, aber unterhaltsam.
Die Berechnungen der Pokerformel haben übrigens folgendes Ergebnis hervorgebracht: 42. Tja, was habt ihr erwartet?
Victor Vega
Geschrieben von: Administrator Freitag, 22. Oktober 2010 um 09:49 Uhr
Same procedure as every year. In der Poker Hall of Fame wurde kürzlich Platz gemacht für zwei neue, aber natürlich allseits bekannte Gesichter: Eric Seidel und Dan Harrington. Ich habe mich umgehört und habe niemanden gefunden, der sagte, die beiden hätten es nicht verdient. Beide erfüllen die Bedingungen (http://de.wikipedia.org/wiki/Poker_Hall_of_Fame), ihre Erfolge sprechen für sich (http://www.pokern.com/news/allgemein/seidel-und-harrington-schaffen-es-in-die-poker-hall-of-fame.html). Beide sind außerdem langjährige Freunde und haben ihr Pokerspiel im berühmten Mayfair Club in New York geformt.
Es gibt aber etwas, was sie unterscheidet. Harrington ist ein Lehrer, ein Wissensvermittler. Seine Bücher über Turnierpoker hatten großen Einfluss auf die Entwicklung des Spiels. Und es gibt wohl kaum einen Turnierspieler, der sich daran nicht geschult hätte. Seidel hingegen ist ein Schweiger, der sich wahrscheinlich lieber die Zunge abbeißen würde, als die Geheimnisse seines Pokererfolgs unters Volk zu streuen.
Seidel glaubt sogar, dass Poker-Trainingsseiten wie Cardrunners schlecht für das Pokerspiel seien. Zu viele Spieler würden dadurch zu schnell gut, sie zahlten dafür wenig Lehrgeld und das Spiel wird allgemein schwerer.
Seine Vorstellung, wie man ein guter Spieler wird, sieht so aus: Du spielst 10.000 Stunden mit guten Spielern und dann bekommst du den Dreh irgendwie raus. Und wenn nicht, Pech gehabt. Es sei ihm ein Rätsel, warum so viele gute Spieler so begierig darauf seien ihr mühsam erworbenes Wissen zu teilen und damit bereitwillig ihren Vorteil preiszugeben. Schließlich würde ein Phil Ivey auch nicht in der Gegend herumlaufen und Ratschläge verteilen, sondern sich einfach an den Tisch setzen und spielen (http://www.pokerplayer.co.uk/news/features/10783/are_training_sites_good_for_poker.html).
Das Dilemma ist alt. Schon Doyle Brunson fand, dass ihn sein Bestseller Super System vermutlich mehr Geld gekostet als es ihm eingebracht hat, weil eben die Spieler dadurch so viel besser geworden seien. Das ist ein bisschen kokett. Andererseits unterschlägt es wie wichtig sein Buch, die Bücher von Harrington und viele andere Bücher für die Entwicklung des Spiels und den Boom waren, den Poker in den letzten Jahren erlebt hat.
Seidel ist die Trainingsindustrie, die um das Spiel entstanden ist, aber nicht nur deswegen nicht ganz geheuer. Er sieht da jede Menge Self-Promoter, die andere davon überzeugen müssten, dass sie großartige Spieler sind. Mag sein, dass für manchen Coach das Training der anderen schon wichtiger ist als das eigene Spiel. Und ich erinnere mich, dass es noch nicht so lange her ist, dass ich selbst etwas genervt war von den Trainingsseiten weil ich drei Stunden mit eher schlechten Videos verbracht hatte.
Aber dann gibt es eben auch die Sternstunden, in denen dem Durchschnittspieler klar wird, was es wirklich bedeutet ein guter Spieler zu sein - zu sehen wie sie diese Spielsituationen durchdenken und ihre verschiedenen Optionen analysieren.
Ich hatte kürzlich so ein Erlebnis, als ich das erste Video von John „Nicolak“ Kim sah (http://nicolakpoker.blogspot.com/). Kim rang übrigens mit sich, ob es denn der richtige Schritt sei Videos zu machen, wenn er doch mehr Geld durch das Spielen verdienen könne. Er fürchtete, dass es seinen Gegnern leichter fallen könnte sein Spiel zu durchschauen, nahm es dann aber als Herausforderung. Und vermutlich spielten auch noch ein paar langfristige Überlegungen eine Rolle, mögliche Deals mit Pokerseiten etc.
Oder nehmen wir Vanessa Selbst, die kürzlich die NAPT Mohegun Sun gewann (http://en.wikipedia.org/wiki/Vanessa_Selbst). Ich könnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie über Poker spricht. Sie tut das mit Begeisterung für das Spiel, völlig frei von Arroganz oder dem Willen unbedingt Recht haben zu müssen. Mir wird dann immer schlagartig klar warum ich das Spiel mag und nie aufgeben würde auch wenn es mal nicht so läuft. It’s fun to think poker.
Deswegen sind Trainingsseiten gut für das Spiel. Sie machen klar, dass Poker eine echte Herausforderung ist, dass es viel Zeit und viel Arbeit kostet ein besserer Pokerspieler zu werden. Und dass Poker nicht nur Glücks- sondern Geschicklichkeitsspiel ist. Deswegen werden eines Tages wahrscheinlich auch Taylor Caby und Jay Rosenkrantz in die Hall of Fame aufgenommen, sie werden ihren Platz finden an der Seite von Henry Orenstein, dem Erfinder der Hole Cam. Bis es soweit ist, vertreiben sich Caby und Rosenkrantz die Zeit mit einem Film, den sie produzieren wollen: Boom – The Incredible True Story Of Online Poker. (http://www.dangerlion.com/?p=750)
Victor Vega
Geschrieben von: Administrator Dienstag, 12. Oktober 2010 um 07:47 Uhr
Früher einmal galt Poker als das Spiel der großen und kleinen Gauner, die aus der Spiellust und der Gutgläubigkeit der Gelegenheitsspieler Kapital zu schlagen versuchten. Wenn es ums Spiel ging, war der Betrug, so will es die Legende, an der Tagesordnung. Und zu Zeiten von Wild Bill Hickock flogen sogar die Kugeln.
Das Spiel zog genug Charaktere an, die das bürgerliche Leben fürchteten wie der Teufel das Weihwasser und sich deshalb auf etwas waghalsigere Karrieren einließen, auf eine Existenz als Spieler. Der Spieler kannte keinen steten Lebenswandel, der Spieler fühlte sich frei und war es vielleicht auch, er war unterwegs, immer auf der Suche nach dem richtigen, dem guten Spiel. Der Spieler galt aber auch als Grenzgänger, als Hasardeur, als Gegenteil des guten Bürgers. Doyle Brunson berichtete von einer Begegnung mit einem ehemaligen Schulkameraden, der ostentativ die Straßenseite wechselte, als er sah, dass Brunson ihm entgegen kam.
In dem Spielfilm „How the West Was Won“ von 1962 bezeichnet eine Szene das Verhältnis zwischen Spieler und gutem Bürger. Gregory Peck spielt den smarten Zocker Cleve van Valen, der sich einem Treck nach Westen anschließen will, aber zurückgewiesen wird. „Wenn ein Wagenrad bricht“, begründet der Treckführer seine Entscheidung, „dann will ich Männer haben, die ein Rad reparieren können, und keine, die darauf wetten, wie lange es dauert.“ Pokerspieler wetten auch heute auf so ziemlich alles, aber sie wirken im Vergleich zu Börsenspekulanten fast wie brave Mitglieder der Gesellschaft, mit Starpotenzial noch dazu. Ein Pokerspieler wird nicht mehr unbedingt als schlecht angesehen, zumindest nicht mehr von allen.
Tarnen und Tricksen gehört dennoch zu seinem Geschäft. Der Spieler ist in den meisten Fällen ein Individualist, der auf seinen Vorteil bedacht ist und ihn in jeder Situation suchen muss. In dem Film „The Hustler“ von 1961 spielt Paul Newman Fast Eddie Felson, einen Poolprofi, der von Stadt zu Stadt zieht und seine Opfer zunächst anfüttert. In der Anfangszene des Films besucht er mit seinem Partner eine Kneipe und spielt. Fast Eddie mimt den Betrunkenen, dem ein Kunstschuss gelingt. Sein Partner erklärt für alle Anwesenden hörbar: Ein Sonntagsschuss, reines Glück, unmöglich zu wiederholen. Sie fangen an zu wetten, was die Aufmerksamkeit aller erregt, und natürlich gelingt Eddie der Schuss nicht ein weiteres Mal. Es sieht so aus, als wisse Eddie nicht, was er tue, zu betrunken und zu sehr von sich selbst besoffen. Nun wollen andere gegen ihn wetten, und Eddie wird immer verlieren, bis die Einsätze schließlich hoch genug sind. Eddie nutzt sein Image aus. Und das ist ein Konzept, mit dem die meisten Pokerspieler vertraut sind.
Sie nennen es Skill oder Geschick. Es ist Teil des Spiels. Etwas anders verhält es sich mit dem so genannten „Angle Shooting“. Das sind die fiesen, kleinen Tricks, die sich an der Grenze des Erlaubten bewegten. Spieler, die zum Beispiel die Stärke ihrer Hand am River falsch ansagen und dich damit zum Passen bewegen wollen. Sie sagen Flush, du passt und sie zeigen dir Ass hoch. Das Antäuschen eines Einsatzes fällt ebenso darunter. Diskussionen gab es kürzlich um eine Hand, die Prahlad Friedman in diesem Jahr im Main Event der WSOP gespielt hat. Sein Gegenspieler, der während der Hand auch gerne mal bellte, hatte nach der Uhr verlangt. Friedman machte den Call Zehntelsekunden, bevor die Uhr abgelaufen war, und war offenbar geschlagen. Doch der Floorman erklärte die Hand für tot und rettete Friedman dadurch vor dem Turnier-Aus. Glück für ihn, aber meiner Meinung nach kein Angle Shooting, was ihm so mancherorts vorgeworfen worden war
#t=8m42s
Nicht ganz die feine Art ist es, wenn Profis in Las Vegas oder anderswo an einem Tisch sitzen und gemeinsame Kassen machen, während der gutgläubige Tourist noch glaubt, er spiele gegen jeden von ihnen allein und dabei doch gegen alle gleichzeitig antritt. Auch online hat es solche Arbeitsgemeinschaften schon gegeben. Was nicht heißt, dass ein Online-Spieler an jeder Ecke den Betrug fürchten muss. Die meisten Pokerräume versuchen Spieler, so gut es geht, zu schützen. Nur, wo Geld im Spiel ist, gibt es auch Betrüger. Manchmal geht es nur um einen kleinen Vorteil, dann wieder um das gnadenlose Abzocken. Die Bande von Russ Hamilton, der Mann hinter dem Ultimate Bet-Skandal, spielte und konnte dabei die Hole Cards ihrer Gegner sehen. Ihre Gier war so groß, dass sie durch ihre zum Teil wahnwitzige Spielweise und die außerordentliche Höhe ihrer Gewinne auffielen. Sie folgten nicht den Ratschlägen, die David Sklansky allen künftigen Superusern in seiner typischen Art vor gut einem Monat gab, frei nach dem Motto, wenn ihr schon bescheißt, seid wenigstens nicht dämlich (http://forumserver.twoplustwo.com/29/news-views-gossip/catching-superusers-847916/).
Solche Horrorgeschichten beschädigen das Ansehen des Spiels. Ganz ausbleiben werden sie wohl auch in Zukunft nicht. Es besteht aber die Hoffnung, dass die meisten Betrüger irgendwann auffliegen und ihre Opfer vom Pokerraum entschädigt werden. Das zumindest war der Fall, als auf PokerStars in diesem Jahr ein Bot-Ring (http://www.examiner.com/online-poker-in-national/online-poker-scandal-poker-bots-caught-after-winning-58k-at-pokerstars) aufflog. Ebenso wie eine Truppe Chinesen, die sich bei Sit-and-Gos absprachen und dadurch fast eine halbe Million erbeuteten (http://www.pokernewsdaily.com/pokerstars-responds-to-chinese-collusion-ring-scandal-14892/). Diese Geschichte war auch der Aufhänger für einen BBC-Recherche, die im September gesendet wurde. Darin ist unter anderem zu erfahren, wie PokerStars versucht, den Betrügern auf die Schliche zu kommen. Es gibt offenbar automatische Systeme, die das Spiel überwachen und bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlagen. Über 70 Prozent der Untersuchungen gehen auf Hinweise von Spielern zurück. In Zeiten des Pokerbooms soll es mitunter so viele Beschwerden gegeben haben, dass die Mitarbeiter sich schwer getan haben, diese abzuarbeiten.
Dann wäre da noch das Multi-Accounting, dessen sich schon eine ganze Reihe von Pros schuldig gemacht haben (http://www.fuckonlinepoker.com/cheaters.html). Einige wurden bestraft, andere nicht, manche kostete es ihren Ruf, andere erstmal ihren Job als Coach wie zum Beispiel Nick „stoxtrader“ Grudzien, der außerdem seine Anteile an „stoxpoker“ verkaufen musste (http://www.examiner.com/online-poker-in-national/nick-grudzien-resigns-from-stox-poker-for-multi-accounting). Stoxpoker ist heute unter dem Dach von Cardrunners zu finden. Angeblich wusste CR-Chef Taylor Caby vom Multi-Accounting von Nick Grudzien, unternahm aber nichts. Dabei ist Multi-Accounting nicht gerade ein Kavaliersdelikt, auch und gerade weil der tatsächlich entstandene Schaden nicht leicht nachzuweisen ist. Beliebt ist es aber immer noch, mit mehreren Accounts ein- und dasselbe Turnier zu spielen und sich dadurch gegenüber anderen Spieler einen großen Vorteil zu verschaffen. Unterwegs sind gegenwärtig offenbar Pokerfluffer (http://www.thinkingpoker.net/2010/08/poker-fluffer/). Sie lassen sich von einem sehr guten Spieler bei lukrativen Turnieren staken. Schaffen Sie es tatsächlich weit ins Turnier, übernimmt der bessere Spieler ihren Account über einen Dienst wie GoToMyPC und verschafft sich damit sehr gute Aussichten auf einen Turniererfolg. Die Gefahr aufzufliegen, ist relativ gering. Ob, wie oft und wie organisiert das tatsächlich praktiziert wird, ist nicht bekannt. Die Sache hat außerdem einen kleinen Haken. Der Spieler, unter dessen Account gespielt wurde, könnte das Geld einfach einsacken. Doch solange wir nicht mehr wissen, bleibt uns die Hoffnung, dass die Mehrheit der Pokerspieler heute edel, hilfreich und gut ist.
Victor Vega
Geschrieben von: hasch-poker Montag, 11. Oktober 2010 um 17:20 Uhr
Wie viele von euch sicher mitbekommen haben lebe ich momentan auf Gran Canaria. Wenn alles soweit läuft wie ich es mir vorstelle, und ich nicht vorher Broke gehen sollte mindestens für die nächsten 6 Monate. Meine Erlebnisse und Erfahrungen in Gran Canaria möchte ich in einem eigenem Blog festhalten.
Zu finden unter www.hasch-poker.de
Ich bedanke mich bei Pokern.com dafür das mir hier eine Plattform zum bloggen gegeben wurde, auch wenn ich sie zuletzt selten genutzt habe. Und wünsche weiterhin viel Erfolg.
Ich würde mich freuen wenn ihr mir für meine Zeit auf der Insel die Daumen drückt, und vllt gelegentlich im neuen Blog vorbei schaut.
Sonnige Grüße
Hasch-poker
Geschrieben von: Administrator Donnerstag, 26. August 2010 um 19:09 Uhr
Am Pokerhimmel ist ein neuer Stern aufgegangen. Er heißt Daniel „jungleman12“ Cates und ist gerade einmal 20 Jahre alt. Wie lange sein Stern scheint, wird davon abhängen, wie er als Herausforderer von Tom Dwan bei dessen „durrrr-Challenge“ (http://www.fulltiltpoker.com/de/durrrr-vs-antonius) abschneidet. Wird Dwan ihm den Hintern so heftig versohlen, wie er es schon mit Antonius gemacht hat, dann dürfte Cates vorerst in die jüngere Pokergeschichte eingehen als ein Stern, der nur kurzfristig von einer Sonne namens Dwan angestrahlt wurde.
Aber natürlich ist Cates mehr als ein One-Hit-Wonder oder das Produkt eines extrem guten Laufs. Wer es mit Dwan aufnimmt und 50.000 Hände gegen ihn spielen will, der muss schon ein paar Qualitäten mitbringen, und seien es, je nach Standpunkt des Betrachters, Risikobereitschaft, Waghalsigkeit oder Selbstbewusstsein. An diesen Eigenschaften fehlt es Cates bestimmt nicht, Cates hat aber noch mehr zu bieten, nämlich eine gute Geschichte. Er kam von unten, ganz unten, arbeitete sogar mal einen Monat bei einer in aller Welt bekannten Burgerbraterei, weil sich seine Pokerkarrierre anfänglich schwierig gestaltete, und so einer steht jetzt tatsächlich vor dem Pokerhimmel und will rein.
„On the Doorstep to the Sky“ überschrieb Cates kürzlich einen Eintrag in seinem Blog und fragte sich, warum er so verdammt erfolgreich beim Poker sei (http://www.cardrunners.com/blog/JungleMan/on-the-doorstep-to-the-sky). Sein Erklärung war einfach. Der Mensch habe die Wahl, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die er beeinflussen könne, oder auf die Dinge, die ihm nicht nur nicht gefallen und die er dazu auch nicht ändern könne. Es nütze ja nichts sich darüber aufzuregen, wie viel Geld wir an einem schlechten Pokertag verloren hätten, oder darüber nachzudenken, wie sehr wir es hassen, dass irgendein Penner sein zweites Paar an einem Spot trifft, wo er auch sonst seinen Stack verblasen hätte. Selbstmitleid sei keine gute Antwort, es käme lediglich darauf an, ob und was aus dem unglücklichen Verlauf zu lernen sei. Cates setzte nach: Positives Denken würde noch mehr positive Gedanken hervorbringen und sogar gute Gewohnheiten formen, schließlich seien wir glücklicher. Das klingt amerikanisch, wo mitunter mit Optimismus und positivem Denken jeder Widerspruch zugekleistert werden soll. Wie ein Arzt, der dem todkranken Patienten rät, die Krankheit positiv und als eine Art Geschenk zu sehen (http://www.tagesspiegel.de/zeitung/positives-denken-macht-uns-alle-dumm/1907594.html). Mancher Pokerschreiber fand das reflexhaft „geradezu unerträglich“, aber das ist nicht ganz fair. Denn Cates fordert ausdrücklich realistische, positive Gedanken, keine zwanghaften. Das sei es gewesen, was ihn in seinen Anfängen als Pokerspieler, als er verlor und schlecht spielte, bei der Stange gehalten hätte. Nicht der kurzfristige Gewinn habe ihn interessiert, er glaubte daran, dass er auf lange Sicht gewinnen könnte, solange er nur seinen Verstand einsetzte und hart genug an seinem Spiel arbeitete.
Ob das gegen Dwan reicht, wird sich zeigen. Denn Dwan hat was Radfahrer Tempohärte nennen. Mal eben eine knappe halbe Million in den Sand gesetzt und immer noch zum Scherzen aufgelegt.
Das sah bei Cates schon mal anders aus, als er eine halbe Million gegen Isildur verloren hatte. Er starrte auf den Bildschirm und wollte weinen.
Und falls das alles nichts hilft, wenn dich der nächste Bad Beat oder eine miese Session ereilt, dann sing doch einfach...
And although there’s
Pain in my chest
I still wish you the best
With a
F...
Victor Vega
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