Geschrieben von: Victor Sonntag, 15. Januar 2012 um 17:40 Uhr
Eigentlich wollte ich zu Beginn des neuen Jahres über den Sinn des Lebens schreiben, da ich aber angesichts der Lage um mich herum nicht zu einer beruhigenden Antwort gekommen bin und das Jahr auch noch 2012 heißt, verschiebe ich das und schreibe lieber über die tagtäglichen Herausforderungen eines Hobbyzockers, damit dessen Existenz entsprechend gewürdigt wird.
Der Hobbyzocker befreit sich von den drängenden Fragen seiner Existenz durch einen einfachen, aber geschickten Kunstgriff – er zockt, er ist abgelenkt, er denkt nicht darüber nach, ob es richtig oder falsch ist. Er spielt nicht nur Poker, sondern er versucht immer wieder Wetten zu finden, bei denen er sich im Vorteil wähnt. Mit seiner Moral ist es dabei nicht besonders weit her. Ihm kommt es nicht darauf an, ob seine Lieblingsmannschaft gewinnt, sondern nur darauf, ob er seine Wette ins Ziel bringt.
Wenn die Quote stimmt, wettet der fortgeschrittene Hobbyzocker, ohne mit der Wimper zu zucken, gegen seine Lieblingsmannschaft. Auf Dauer färbt dieses Wettverhalten auf seine Psyche und seine Bindung zu gewissen gesellschaftlichen Gruppen ab. Eine Gruppe Fußballfans ist für ihn nur noch eine Herde blökender Schafe, die es zu scheren gilt.
Beim Scheren geht er vorsichtig, aber kalt kalkulierend vor. Er schleicht sich bei den Fans einer Mannschaft ein, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beim nächsten Spiel eine Niederlage kassieren wird und wettet gegen die Fans dieser Mannschaft, die das böse Ende aus falsch verstandenem Stolz nicht kommen sehen wollen. Eine anstrengende Tätigkeit, die genau vorbereitet werden will und kaum ausgebeutet werden kann – außer es tritt der unangenehme Fall ein, dass die dummen Fans ihre Wette gewinnen. Dann hört man den Hobbyzocker kurz vor Spielende, während er den Hinterausgang sucht, fluchen: „Scheiße, scheiße, scheiße, warum passiert das immer mir?“ Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Eben deswegen bleibt der Hobbyzocker Hobbyzocker. Die Tage, als er sich mit einer nicht unerheblichen Summe an einem Rennpferd namens Diamond beteiligte, sind lange vorbei.
Capuccino mit Goldpuder - 24 Karat
Der Hobbyzocker hat deswegen auch keine großen Ansprüche. Die vielen Niederlagen haben ihn abgehärtet. Er will seinen Capuccino nicht mit Goldpuder (24 Karat) trinken, wie er in dem einen oder anderen Luxushotel in Dubai für 30 Euro die Tasse gereicht wird – nicht, weil er sich nicht leisten könnte, sondern weil er den Betrag natürlich sofort umrechnet in mögliche Buy-Ins für Pokerturniere oder Sportwetten auf die Lakers, Baltimore Ravens oder Mannschaften wie Gladbach, die einen guten Lauf haben. Er hofft, dass dieser gute Lauf auf ihn überspringen könnte. Was er weit seltener tut, als er es statistisch sollte und unseren Hobbyzocker in gelegentliche Sinnkrisen stürzt (siehe oben).Das ewige Auf und Ab seiner Bankroll lässt ihn zweifeln, ob seine Zeit die Anstrengungen wert ist, die er damit verbringt, sich Informationen zu beschaffen, Ligen und Spiele zu verfolgen, dabei sein Pokerspiel zu verbessern und dann auch noch noch einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Er tröstet sich damit, dass es immerhin weniger schmerzlich ist, als sich mit vielen anderen Dingen zu beschäftigen.
Zocken und Poker als Zeitvertreib: Der ultimative Nervenkitzel des Pokerspielers bestünde wahrscheinlich darin, um Lebenszeit zu spielen. Da unsere Zeit abläuft, wäre der Gewinn einer Hand gleichbedeutend mit dem Gewinn zusätzlicher Lebenszeit. In dem Film „In Time“ von Andrew Niccol gibt es eine solche Szene. Zeit ist Geld, diese Wendung nimmt der Film wörtlich. Zeit ist das allgemeingültige Tauschmittel. Mit 25 Jahren altert man nicht mehr, aber jeder Mensch hat nur noch ein Jahr zu leben. Deine Uhr läuft ab. Wie viel Zeit dir bleibt, kannst du auf deinem Unterarm jederzeit lesen. Springt die Uhr auf null, stirbst du. Du kannst deine Lebenszeit durch Arbeit, durch Geschäfte, auch durch Glückspiel verlängern.
Justin Timberlake spielt Will Salas, der in einem Ghetto lebt, in dem sich die meisten von Tag zu Tag retten. Ihr Zeitkonto besteht meist nur aus wenigen Tagen und Stunden. Aber auch in dieser Welt gibt es eine Klasse der Reichen, die Zeit akkumuliert haben. Einer von ihnen ist des Lebens müde und vermacht Will Salas ein Jahrhundert, das er angesammelt hat. Es ist für Salas das Ticket, um dem Ghetto zu entfliehen. Der Film kippt nach gutem Anfang etwas und wird im zweiten Teil zu einer Art Bond-Verschnitt, in der Salas sein Glück in der Welt der Reichen versucht und alles bis auf ein paar Sekunden setzt:
Will Salas gewinnt dieses Spiel, wird aber wenig später der gewonnenen Zeit schon wieder vom herrschenden System beraubt, was aus ihm einen Revoluzzer macht. You win some, you lose some. Kein großer Film, aber kurzweilig. Wie das Zocken. Keine große Kunst, aber meistens nicht langweilig. Deshalb nennen wir es Fun. Und deshalb werde ich spielen bis ans Ende meiner Tage. Lange lebe Doyle. Und jetzt muss ich los, Leute, mein Geld liegt am heutigen Sonntag auf den Ravens (-7,5), den Packers, den Spurs (-7,5), den Jazz(+10) und Golden State (+5,5). Lasst die Spiele beginnen. Run good everyone!
Geschrieben von: Victor Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 17:07 Uhr
Pius Heinz: „Der Hoodie ist sehr gefragt“
Im Pokern.com-Interview spricht WSOP-Champion Pius Heinz über das Leben nach dem großen Sieg, seine Anfänge und Vorbilder und die Träume, die er sich am Pokertisch noch erfüllen will. Im echten Leben will er sich nicht verbiegen lassen, und das ist dann fast schon wieder wie am Pokertisch.
Hallo Pius, erst mal herzlichen Glückwunsch zu deinem phänomenalen Erfolg und vielen Dank, dass Du Dir für Pokern.com Zeit nimmst. In der vergangenen Woche bist Du bei der EPT in Prag angetreten. Spielen die anderen Spieler anders gegen einen amtierenden Sieger des WSOP-Main-Events? Legen die es darauf an, Dich zu busten?
(Lacht) Eigentlich nicht. Hatte ich jetzt nicht den Eindruck. Kommt natürlich immer stark darauf an, ob man mehr gegen Amateure oder Profis spielt. Ich glaube, bei Amateuren wäre es durchaus so, bei Profis eher nicht, weil die einfach andere Denkansätze haben, als den Champion zu busten.
Gab es viele Respektbekundungen?
Ja, schon. Es kommen viele Leute an, die einem gratulieren, Leute, die das eine oder andere Foto machen wollen. Darüber freue ich mich immer. Das ist alles ganz cool. Respektbekundungen gab es auch teilweise, aber nicht übermäßig viele.
Ich habe heute Deinen Tweet gelesen, dass Du viele Termine hattest. Wie lebt es sich als Pokerweltmeister und Posterboy des deutschen Poker?
Man kommt unheimlich viel rum in der Welt und lernt viele interessante Leute kennen, die ich sonst wohl kaum getroffen hätte. Um ein paar Beispiele zu nennen, da wären dann Günter Jauch, Stefan Raab und Boris Becker. Das waren die drei coolsten Leute, die ich getroffen habe, und die drei größten Ikonen der deutschen Medienlandschaft. Das macht schon Spaß, die kennenzulernen und auch mal das eine oder andere Wort privat zu wechseln.
Hat die Angelegenheit auch eine Schattenseite?
Die Schattenseite ist, dass man mehr Pflichten hat als vorher und mehr zu tun hat. Wenn man ein so junger Typ wie ich ist, der das überhaupt nicht gewohnt war, ist das eine große Umgewöhnung, dass man plötzlich im öffentlichen Interesse steht.
Aber Du hast doch bestimmt eine schnelle Lernkurve.
(Lacht) Ich hoffe doch.
Eine Frage aus dem Pokern.com-Forum: Stehen die Frauen jetzt Schlange bei Dir?
(Lacht wieder, diesmal mehrfach) Wie sagt man da noch, glaube ich: Der Gentleman genießt und schweigt.
Gute Antwort. Was wurde eigentlich aus dem weißen Hoodie? Trägst Du ihn noch oder hat er inzwischen einen Ehrenplatz bekommen?
Nein, ich habe ihn sogar gerade an. Jedes Mal, wenn man Medieninterviews macht oder auch wenn Zeitungen vorbeikommen und man halt Fotos machen will, ist der Hoodie sehr gefragt, weil er ein Stück weit auch mein Markenzeichen geworden ist. Deswegen ist seine Einsatzzeit noch nicht ganz vorbei.
Den Traum aller Pokerspieler hast Du bereits mit 22 Jahren erreicht. Gibt es da noch Herausforderungen im Poker für Dich?
Definitiv. Ich finde es wichtig, und das habe ich in der Vergangenheit auch immer gedacht als Außenstehender, dass der Champion des Main Events auch beweist, dass er nicht nur eine Luckbox ist, sondern durchaus auch spielen kann. Deswegen finde ich schon, dass ich noch etwas zu beweisen habe. Ich will beweisen, dass es nicht nur eine einmalige Sache war, sondern dass ich wirklich gut Poker spielen kann. Ich habe ja noch keinen EPT-Finaltisch erreicht und auch keinen EPT-Titel. Und mir den zu holen, das ist schon ein Traum von mir, den ich mir gern erfüllen würde.
Und abseits des Pokertischs?
Mein Fokus liegt zurzeit beim Pokern. Abseits des Pokertischs ist es mir nur wichtig, dass ich mich nicht verbiegen lasse. Ich möchte der Typ bleiben, der ich bin und war. Ich möchte mir das Ganze nicht zu Kopf steigen lassen. Bis jetzt mache ich dabei, glaube ich, einen ganz guten Job.
Wenn Du zurückdenkst an deinen Weg als Pokerspieler, vom Anfänger bis heute - was waren die zwei, drei wichtigsten Erkenntnisse, die Knackpunkte, die Dein Spiel und Dein Denken über Poker verändert haben?
Das ist für mich schwierig, das an ganz konkreten Punkten festzumachen. Für meine Entwicklung war sicher wichtig, dass ich viel über Poker nachgedacht habe, viel mit Freunden über Strategien gesprochen habe. Im Idealfall sind es natürlich Leute, die besser als man selber oder auf dem gleichen Level sind. Bei Diskussionen über Hände kann man einfach unheimlich viel lernen.
Das hast Du über verschiedene Pokerforen gemacht, oder wie ist das bei Dir gelaufen?
So geht’s halt los, dann lernt man halt die Leute kennen und tauscht Skype-Nummern aus und freundet sich an. Dann schickt man zum Beispiel eine Hand, bei der man nicht genau weiß, was man machen soll, und fragt: Was meinst du dazu, was findest du hier besser? Und dann diskutiert man darüber und diese Diskussionen können auch richtig lang werden. Dadurch wird man dann einfach viel besser. In meiner Pokerkarriere war das für mich auf jeden Fall am wichtigsten.
Noch eine Frage zu Deinen Anfängen. Du hast Poker im Fernsehen gesehen und hast dann mit Freunden in einer Runde angefangen. Hattest Du ein Vorbild und hast Du heute noch eins?
Als ich angefangen, fand ich noch die typischen TV-Profis ziemlich cool, also Gus Hansen oder Phil Ivey. Bei Ivey hat sich das nach der „Full Tilt“-Geschichte etwas geändert. Seit den letzten zwei Jahren sind die Pokerspieler, die ich am meisten respektiere, Tom Dwan und Phil Galfond – nicht nur für ihr Pokerspiel an sich, auch dafür, wie sie viele Sachen angehen und wie sie denken und wie sich zu manchen Dingen äußern.
Ivey hält sich ja in letzter Zeit sehr bedeckt in Sachen Full Tilt. Was sagst Du zu dem Crash von Full Tilt?
Das ist absolut nicht meine Baustelle. Ich bin ja auch Member von Team Pokerstars.de. PokerStars hat die ganze Geschichte ja so gut gehandelt, wie man es sich überhaupt nur vorstellen kann. Von daher bin ich stolz, dass ich Mitglied von Team PokerStars bin. Zu der „Full Tilt“-Geschichte kann und will ich nichts sagen, denn so gut kenne ich mich mit der Materie auch nicht aus.
Du bist vor allem ein Turnierspieler. Warum hast Du Dich dafür entschieden?
An Turnieren fand ich faszinierend, dass man mit relativ kleinem Einsatz sehr viel gewinnen kann. Und den Nervenkitzel. Wenn man zum Beispiel bei Turnieren mit 5.000 Leute mitgespielt hat und dann ist man unter den letzten hundert, wo jeder Pot über das Turnierleben entscheiden kann. Dann gibt es auch viele Situationen, in denen man großen Druck auf seine Gegner aufbauen kann, was ja auch ein großer Teil meines Spiels ist. Deswegen fand ich Turniere immer schon interessanter als Cash Game.
In einem Interview hast Du erzählt, dass Du es vor der WSOP im Jahr 2011 nicht ganz so gut lief für Dich und Du einen ordentlichen Downswing erwischt hast. Du hast sogar überlegt, ob Du überhaupt zur World Series fahren willst. Wie gehst Du mit so Phasen um, wo es dann mal nicht so läuft?
Ja, diese Phasen sind halt schwierig, klar. Es ist dann einfach wichtig, dass man versucht, trotzdem seinem Spiel treu zu bleiben und sein Selbstvertrauen nicht zu verlieren. Manchmal gelingt es einem, manchmal halt nicht so gut, aber das ist definitiv sehr wichtig: Nicht aufgeben, denn man weiß ja eigentlich, dass man es kann. Und dann kannst du nur hoffen, dass die Varianz umschwingt. Was auch immer gut ist, ist einfach mal eine Pause von zwei, drei Wochen zu machen. Wenn man einfach merkt, ich spiele momentan nicht gut, es läuft nicht und danach wieder erfrischt an die Tische zurückkehrt.
Noch eine Frage aus dem Forum: Welche Limits hast Du vor der WSOP gespielt?
Ich habe im Prinzip alles gespielt. Die 1K-Turniere habe ich schon mal weggelassen und auch die wöchentlichen Rebuys, sonst habe ich aber alles gespielt.
Was war Dein größter Cash online?
$60.000 beim Sunday Mulligan auf Full Tilt.
Hattest Du vor der WSOP schon Erfahrung bei Live-Turnieren?
Nee, überhaupt nicht. Nur ab und zu mal Cash-Games gespielt in Kasinos in Deutschland und auch in Österreich. Die ersten vier, fünf Turniere habe ich da auch Lehrgeld gezahlt, glaube ich, konnte mich aber dann relativ schnell anpassen.
Wie hast Du Dich angepasst?
Es waren eigentlich relativ banale Sachen. Die Chips richtig zu handeln, nicht nervös zu sein, keine Tells wegzugeben, selber auf Tells zu achten. Dazu kommt, dass Live-Spieler ein bisschen anders spielen. Die raisen, um herauszufinden, wo sie in der Hand stehen, was ein Online-Spieler typischerweise eher nicht macht.
Sprechen wir über ein paar Hände der WSOP. Zunächst die berühmte Hand gegen O’Dea, auch wenn Du schon oft darüber gesprochen hast.
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Du hast lange überlegt, Du hast gesagt, Du hättest mehrfach Deine Meinung geändert. Woher hast Du am Ende den Mut genommen in dieser frühen Phase des Finaltischs?
Wie gesagt, ich habe meine Meinung in der Hand sehr oft geändert. Habe eigentlich überlegt, dass es ein sehr sicker Spot für ihn wäre light zu sein, also zu bluffen, dann habe ich mir gedacht, dass er auf jeden Fall sick genug, das zu tun. Er war der einzige am Tisch gegen den ich All-In gegangen wäre in dem Spot. Am Ende habe ich mir gedacht, ich riskiere es jetzt einfach und habe zum Glück recht gehabt.
Beruhte Deine Einschätzung auf der Analyse vor dem Spiel oder nur von der Entwicklung an diesem Tag?
Es war eine Kombination aus beidem.
Die erste Hand an Tag zwei des Finaltischs war auch bemerkenswert. Ihr hattet kaum Platz genommen, da hatten Ben Lamb und Martin Staszko ihre Chips schon in der Mitte – KJo gegen 77. Was ist Dir da durch den Kopf gegangen?
Ich war eigentlich sehr überrascht, dass es so schnell ging. Ich fand die Hand auch einigermaßen komisch, aber ich war natürlich nicht unglücklich darüber, es war natürlich auch ein Pay Jump für mich. Ich war dann relativ frohen Mutes gegen Martin Heads-Up zu spielen.
Hättest Du anstelle von Ben Lamb den gleichen Move gemacht?
Ich weiß es nicht genau. Ich würde ihn normalerweise immer machen. Ich hätte ihn eventuell in dem Fall nicht gemacht, weil es die erste Hand des Tages war. Und ich glaube einfach, dass die Leute bei der ersten Hand des Tages nicht so oft light sind, wenn sie 3betten in dieser Situation. Die 3bet von Martin finde ich nicht so gut. Ich hätte an seiner Stelle nur in Position gecallt.
Das Heads-Up war eine Achterbahnfahrt. Teilweise lagst Du deutlich hinten, die Karten fielen oft gegen Dich. War eher schwierig, oder? Wie hast Du es geschafft, nicht zu resignieren?
Es war auf jeden Fall schwierig. Ich war zwischendurch auch relativ frustriert, muss ich sagen. Aber ich habe versucht, mich nicht verrückt machen zu lassen und gehofft, dass die Karten wieder in meine Richtung fallen.
In einer Hand, als Du im Chip Count deutlich hinten lagst, hältst du mit Td5d auf einem Board von Jd5h4h das zweite Paar. Du spielst an und Martin check-raist auf über 10 Millionen. Nach etwa einer Minute gehst Du All-In. Hattest Du einen Tell und wie hast Du die Situation in Erinnerung?
Ich hatte zum einen einen Tell. Wenn er mich nicht angeguckt, wenn er eine große Bet machte, dann hatte ich immer das Gefühl, dass er schwächer ist als sonst. Zum anderen kann er den Flop halt sauoft bluff-raisen. Ich habe Second Pair und das ist im Heads-Up relativ stark. Und ich habe den Backdoor-Flushdraw, wenn er vorne liegt, und deswegen habe ich mich dann entschlossen, All-Inn zu gehen.
(Martin Staszko passte, d. Red.)
Pius, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viele Erfolg. Auf dass Du den Main Event back-to- back gewinnst.
Geschrieben von: Victor Mittwoch, 09. November 2011 um 21:50 Uhr
Na Leute, habt ihr euch schon einen weißen Hoodie zugelegt, um ihn voller Stolz, als Bekenntnis und als Erkennungszeichen für Eingeweihte durch die graue, deutsche Vorweihnachtszeit zu tragen? Rot ist dieses Jahr out, Weiß ist das neue Rot oder Schwarz oder was auch immer. Lauter Pokermönche in weißer Kutte, überall in Deutschland. So wie sie im Penn & Teller in Las Vegas zu sehen waren, in der Ecke von Pius Heinz.
Okay, ich neige zu Übertreibungen, aber es war ein rührender Moment, als in der letzten Hand am River die Karo Vier fiel und den letzten Rest Hoffnung von Martin Staszko unter sich begrub. Es war aus und vorbei. Der Sieger stand fest. World Series of Pius.
Pius raste in seine Ecke und wurde von einer Horde hysterischer junger Menschen in weißen Kapuzenpullovern umarmt, gedrückt und über den Kopf gestreichelt, mittendrin auch eine junge Frau mit allen Symptomen einer verspäteten Beatlemania. Es war ein Wahnsinn, ein schöner, ein erlösender, und sie hätten ihn fast über die Bande gehoben - den ersten Deutschen, der das größte Pokerturnier der Welt gewinnt.
Doch ein Champion erinnert sich im Augenblick des größten Triumphs immer auch an den Verlierer. Pius Heinz löste sich aus der Menschentraube, ging auf Martin Staszko zu und tauschte ein paar respektvolle Worte mit ihm aus. Das hatte Klasse. Und der Verlierer Martin Staszko trug es mit Fassung. Das alles waren gute Bilder nach einem stundenlangen Menschen, in denen Pius Heinz lange nicht wie der Sieger aussah.
Es schien einfach nicht zu laufen im Heads Up gegen Staszko. Pius lag vorne, dann hinten, erholte sich, lag wieder deutlich hinten, fast im kritischen Bereich, wenn das Spiel sich auf die Entscheidung zwischen Push oder Fold beschränkt. Die Kommentatoren Lon McEachern und Antonio Esfandiari meinten, im Gesicht von Pius Heinz das langsame Einknicken des Siegeswillens beobachten zu können. Es waren schwierige Augenblicke. Aber irgendwie behielt er die Nerven.
Das war nicht bei allen so. Die erste Hand am zweiten Tag des Finaltischs war seltsam. Noch lagen die Worte des Ansagers in der Luft, gerade noch hatte Antonio Esfandiari Ben Lamb gelobt, wie kontrolliert dieser das gesamte Turnier gespielt habe, ja den Tisch und sich selbst zu jeder Zeit im Griff gehabt habe. Doch dann geht Ben Lamb in der ersten Hand mit KJo nach gegen Martin Staszko im Big Blind nach dessen Reraise auf sieben Millionen mit gut 55 Millionen all in. Und der macht den Call mit ein Paar Siebenern. Die erste Hand war leicht verrückt, irgendwie unwirklich, und gar nicht das, was von Ben Lamb zu erwarten war, nämlich die Gegner in den schwierigen Situationen auszuspielen. Stattdessen verlor er in der ersten Hand am zweiten Tag des Finaltischs die Nerven. Aber auch das ist Poker. Ein Favorit, Player of the Year, hat sich für einen Augenblick nicht im Griff und setzt zu leichtfertig alles aufs Spiel, anstatt zu spielen. Soll doch Esfandiari sagen, was er will. Er meinte: „I like his shove!“
Zurück zum Sieger: Vanessa Selbst wunderte sich noch über das glückliche Händchen das PokerStars jedes Jahr beweist, wenn es darum geht, vor dem Main Event Spieler unter Vertrag zu nehmen, die dann das Turnier gewinnen. Boris Becker hat seinem Tweet, dass Pius Heinz den Main Event der World Series of Poker gewonnen hat, drei Ausrufezeichen hinterhergeschickt !!! Er wird wissen warum (http://www.pokern.com/blog/victor-vega/unser-mann-in-vegas.html), schließlich war er der erste Deutsche, der in Wimbledon gewonnen hat. Danach war Tennis ein anderer Sport. Und nach allem, was ich an diesem Abend gesehen habe, ist Pius Heinz eine gute Wahl, wenn es um einen Botschafter für Poker in Deutschland geht. Wir werden sehen, wie die Medien reagieren, in welcher Talkshow Pius zu sehen sein wird, wie er seine Geschichte erzählt.
Schließen wir mit einer Lebensweisheit aus dem Mund eines 22-Jährigen, der soeben die World Series of Poker gewonnen hat: „Verliert nie den Spaß am Spiel und achtet auf eure Bankroll.“ Die ist gut, auch im übertragenen Sinn.
Geschrieben von: Victor Dienstag, 01. November 2011 um 16:10 Uhr
Er ist der Stolz der deutschen Zockergemeinde, denn er sitzt an diesem Wochenende am Finaltisch des WSOP-Main Events. Sein Name ist Pius Heinz, er ist unser Mann in Las Vegas. Kaum auszumalen, was ein Erfolg des 22-Jährigen für das deutsche Poker bedeuten könnte. Sein Sieg beim Main Event könnte eigentlich nur mit dem Sieg des jungen Boris Becker 1985 in Wimbledon verglichen werden.
Damals siegte Becker als ungesetzter und jüngster Spieler aller Zeiten und er war der erste Deutsche, der das bedeutendste Tennisturnier der Welt gewann. Er löste damit nicht nur Begeisterung für das Spiel aus, sein Sieg veränderte peu à peu auch das Image des Tennissports, das bis dahin das Spiel der Kinder aus besserem Haus war, irgendwie elitär und borniert.
Poker kommt eher wie ein Gossenjunge daher, das Kind einer dysfunktionalen Familie, das die eigene Großmutter check-raist, die Schwester beschummelt und, wenn wir die Pokerskandale des Jahres 2011 im Hinterkopf haben, das Konto der eigenen Eltern leer räumt und mit der Beute die große Flatter macht.
Ich kenne keine aktuellen Umfragen, und ich weiß auch nicht, ob es überhaupt eine gibt, aber ich würde darauf wetten, dass die Mehrheit der Deutschen Poker und das Spielen um Geld für ein gefährliches Laster hält – ein Laster, das der Persönlichkeitsentwicklung eher schadet als weiterhilft. Pokerspieler sehen das selbstverständlich differenzierter. So auch der gute Pius Heinz, und deswegen ist er unser Mann in Vegas.
Pius Heinz ist fast schon zu perfekt für diese Rolle. Er ist selbstbewusst, dabei bescheiden und scheint mit beiden Beinen auf den Boden zu bleiben. Dass er den Finaltisch erreicht habe, verdanke er zu 80 Prozent dem Glück und nur 20 Prozent Können. Über seine Gegner sagt er, es seien ein paar richtige Cracks dabei, aber der Schlechteste werde er mit Sicherheit nicht sein. In Interviews fasst er sich in der Regel kurz, kein falscher Ton ist dabei, Pius Heinz ist kein Angeber. Er würde sich nie Geld leihen, um einem Pokerturnier teilzunehmen: „Das ist ja nicht Sinn der Sache!“(http://www.einslive.de/magazin/interviews/2011/10/pokerstar_pius_heinz.jsp).
Er ist kein Gossenjunge, sogar seine Eltern vertrauen ihm. Sollte er gewinnen, würde er viel Geld in Aktien anlegen (http://www.bild.de/regional/koeln/poker/koelner-student-pokert-um-fast-6-mio-euro-19186844.bild.html) und seit er sich unter die Fittiche von Johannes Strassmann begeben hat, haben wir den Verdacht, dass er auf Fruchtsaft steht. Pius Heinz ist wie der nette Student der Wirtschaftspsychologie von nebenan, und das war er ja zumindest auch mal. Pius Heinz hat mit 22 Jahren das Image des völlig Unverdorbenen, ist am Pokertisch aber nervenstark wie ein alter Hase, was seine Lieblingshand des bisherigen Main Events belegt – eine Preflop-Schlacht mit A9o (http://bit.ly/tZ92bw).
Was uns zurück zu „Bumm-Bumm-Becker“ bringt. Auch Becker war furchtlos, ein „Löwenherz“ sprach ihm der Reporter zu (http://bit.ly/bszyMV). Becker gewann als Ungesetzter, Pius Heinz hatte vor dem Main Event auch keiner auf dem Zettel. Vor fünf Jahren, so erzählt er, habe er am Küchentisch angefangen zu pokern – gut, wer die Geschichte glaubt. Und vor drei Jahren habe er 250 Euro online eingezahlt und sich nach oben gearbeitet (http://bcove.me/fc2ldx90). Sein Englisch ist definitiv besser als das des jungen Becker. Der jüngste Main Event-Sieger kann Pius Heinz mit 22 Jahren zwar nicht mehr werden, aber der erste Deutsche. Wie gesagt, Pius Heinz ist unser Mann in Vegas. Mit etwas Glück kann er das neue Aushängeschild des deutschen Poker werden und das Ansehen von Poker in Deutschland für immer verändern – nämlich als Spiel, das nicht von rücksichtslosen Spielsüchtigen, sondern von Könnern gespielt wird.
Geschrieben von: Pokerface Sonntag, 02. Oktober 2011 um 13:32 Uhr
Ein Mensch hat täglich etwa 60.000 Gedanken und Ideen. Davon sind etwa 3.000 Ideen neu. Das - oder etwas Sinngemäßes - habe ich neulich in einem Buch von Thorsten Havener gelesen. Wenn auch nur ein Bruchteil dieser 3.000 Ideen Potential haben, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sollten wir uns viel Zeit nehmen und diesen Gedanken mehr Beachtung schenken.
Doch die Idee ist "nur" der Grundstein auf dem Weg zu einer erfolgreichen Umsetzung.
Ich habe die letzten Wochen und Monaten viel Zeit und Geld dafür ausgeben müssen, um Fehler, die ich bei der Umsetzung gemacht habe, wieder auszubügeln. Ich habe mir nun vorgenommen wöchentlich einen kurzen Blogeintrag zu einem Thema aus der Gründungsphase zu schreiben, in dem ich darauf eingehe, welche Entscheidungen eher suboptimal waren und wie ich es im Nachhinein machen würde. Außerdem werde ich hin und wieder mal berichten, wenn es was Neues oder besondere Angebote gibt.
Bevor ich mich aber dem ersten Thema zuwende, vorab eine kurze Ankündigung: Ich produziere und verkaufe die Poker-Bündel jetzt unter dem Namen "Poker Stacks". Der Webshop wurde komplett neu aufgesetzt, ist aber noch nicht zu 100% fertig (z.B. fehlen noch die richtigen Bannergrafiken auf der Startseite). Den Shop findet ihr unter folgender URL: http://www.poker-stacks.eu/ Anregungen, Lob und Kritik sind immer willkommen! (Der Shop befindet sich nicht mehr in der Testphase, sodass Bestellungen ganz normal abgewickelt werden, wenn sie eingehen => bitte nicht wild bestellen, wenn ihr nichts kaufen wollt) :>
Jetzt aber zum ersten Thema...
1) Partner
Im ersten Post soll es darum gehen, wen man bei der Gründung mit ins Boot holt und wie man diese Person integriert:
Einen Partner bei der Gründungsphase dabei zu haben kann viele Vorteile haben und oft ist es so verlockend, dass man nicht über alle Konsequenzen nachdenkt. Dabei ist genau diese Entscheidung meiner Meinung nach die wichtigste überhaupt. Ein Partner halbiert das Startkapital - er hat Ideen, auf die man selbst vielleicht nicht kommen würde - Denkfehler können vom Partner korrigiert werden und er erbringt u.U. Leistungen, die man nun nicht mehr zahlen muss (jedenfalls nicht direkt). Die Alternative, ein Projekt ohne Partner umzusetzen, bietet jedoch auch zahlreiche Vorteile: Man ist sein eigener Chef - kann selbst bestimmen, wann wieviel in welcher Qualität produziert wird und braucht sich nicht damit rumärgern, dasss der Partner unfähig und unwillig ist genau so viel Arbeitzeit in ein Projekt zu stecken, wie man selbst. Der letzte Punkt impliziert zwei sehr wichtige Faktoren, die man bei der Auswahl eines etwaigen Partners beachten sollte: Zum einen sollte man seinen Partner nicht danach aussuchen, wie gut man sich mit ihm bisher verstanden hatte (gut befreundet zu sein kann sogar schlecht für eine Geschäftspartnerschaft sein). Viel mehr sollte man seinen Partner primär danach aussuchen, wie gut seine Fähigkeiten für den jeweiligen Posten sind. Das hört sich erst einmal trivial an - jedoch vergisst man auch schnell, dass eine Partnerschaft über die Gründungsphase hinaus bestehen muss und die Arbeit auch danach gleichmäßig verteilt werden kann.
Als ich die Idee mit den Spielgeldbündeln umsetzen wollte, habe ich mir einen befreundeten, design-affinen Kommilitonen mit ins Boot geholt. So konnte ich die Kosten für das Design der Scheine und Banderolen sparen, hatte immer eine 2. Meinung, habe das Investitionsrisiko halbiert und einem (damaligen) Freund einen großen Gefallen getan, weil er unbedingt damit sein wollte. Hört sich erst einmal gar nicht so abwegig an und anfangs lief auch alles bestens: Wir hatten uns darauf geeinigt die Spritkosten für Autofahrten zu teilen, da er kein Auto besaß, er hatte sich um das Design der Scheine und Banderolen gekümmert, ich habe die Webseite aufgebaut, die Produktion, Lagerhaltung und Versand in der väterlichen Druckerei organisiert. Bis dahin war ich mit meiner Entscheidung weitesgehend zufrieden. Als das Design jedoch fertig war musste ich mich damit beschäftigen, wie ich ihn weiterhin beschäftigen wollte um seine 50%ige Gewinnbeteilung zu rechtfertigen. Leider war er nicht besonders gründlich was das Arbeiten betrifft und hatte starke Rechtschreibprobleme, weswegen ich ihm weder den Kundenkontakt, noch die Buchhaltung, Lagerverwaltung andere Bereiche überlassen wollte. Darüber hinaus war er nicht besonders loyal, hat mich mehrfach belogen und hatte noch andere - weitaus schwerwiegendere, schlechte Eigenschaften, die ich hier aber nicht öffentlich machen will. Mit Sätzen wie "das hättest du doch vorher wissen müssen" hatte er zwar nicht ganz unrecht, jedoch rechtfertigt es trotzdem nicht seine 50%igen Firmenanteile ohne 50% Arbeitsanteile.
Schlussendlich musste ich die Partnerschaft (in Form der GbR) auflösen. Ich hatte ihm angeboten das Abwicklungsverfahren möglichst einfach zu gestalten, in dem wir das einvernehmlich, ohne Anwalt und Co., beenden und ich seine Anteile oder er meine Anteile zu einem angemessenen Preis kaufen kann. Der Verkaufende würde sich aus dem Bereich komplett zurück ziehen. Für meine (50%igen) Anteile bot er mir 5k€, was nicht einmal dem Lagerbestand entsprach, für seinen Anteil wollte er utopische 100.000 €. Jetzt läuft die Abwicklung nur noch über unsere Anwälte (die mich 200€ die Stunde kosten), das Fahrtgeld aktzeptiert er nicht mehr (hatten wir nicht schriftlich festgehalten) und auch die kleinen Rechnungsbeträge, die ich vorgestreckt hatte, will er nicht als Firmenkosten akzeptieren. Es ist wirklich traurig, wie man sich in einem Menschen so täuschen kann...
In dem Sinne... bis zum nächsten Post (wahrscheinlich am kommenden Sonntag), in dem ich über die Gründung verschiedener Gesellschaftsformen und die damit verbundenen Möglichkeiten und Schwierigkeiten schreiben will. Wenn euch andere Themen mehr interessieren, sagt einfach bescheid - dann kann ich diese eventuell mit einbinden oder vielleicht sogar zum Hauptthema des nächsten Posts machen.
Pokerface
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